Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 33 (6.9.1919)
- Date
- 1919-09-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein raffiniertes Meisterstück der Unterdrückung, das ganze Völker unter das Joch des eigenen, unersättlichen Profites z/\vingen. sie als weiße Sklaven durch die Disziplin des Hungers ausbeuten und der unumschränkten Machtherrs'chaft der Bour- , geoisie botmäßigmachen soll. Diesen Bemühungen des wehrhaften Kapitals steht das revolutionäre Proletariat kampfbereit gegenüber. Es ist daher zeitgemäß, die Stellung der Kommunistischen Internationale zum Pariser Friedenskongreß der Arbeiterschaft zum Bewußtsein zu bringen. Die Redaktion, nieder mit dem Frieden von Versailles! Es lebe die kommunistische Revolution! An die W erkt ätig en der ganzen We Ii $ Die Regierungen, die vor fünf Jahren den Räuberkrieg begonnen haben, versuchen jetzt, ihn mit einem Raubfrieden abzuschließen. Die englische, französische, amerikanische Bourgeoisie haben in Versailles den Vertretern der deutschen Bourgeoisie die sogenannten Friedensbedingungen eingehändigt. Versailles wird zu einem neuen Brest. Jeder Punkt des Versailler Friedens wird zu einer neuen Schlinge für die Erdrosselung dieses oder jenes Volkes. Die Bosheit und Rachgier der imperialistischen Bourgeoisie der siegreichen Verbündeten kennt keine Grenzen. Die Gründung der „Liga der Nationen" proklamierend, versucht die anglo-französische und amerikanische Bourgeoisie dem Willen aller Europa bevölkernden Nationen Hohn zu sprechen. Die Bourgeoisie der Entente-Länder versucht, Deutschland zu zerstückeln. Von Deutschland wird eine ganze Reihe von Territorien abgetrennt, man will Deutschland der Kohle, des Korns berauben, man nimmt Deutschland seine Handelsflotte, man will Deutschland zwingen, eine Kontribution von schwindelerregender Höhe zu bezahlen. Die Bourgeoisie der Entente-Länder, die in Worten angeblich gegen die Annexion fremder Länder Krieg führte, vollzieht jetzt eine Reihe der gröbsten, zynischsten Annexionen. Mit den Kolonien, die früher Deutschland gehörten, wird jetzt gehandelt, wie mit Vieh. Die Entente hat sich mit einem großen Messer bewaffnet und viviseziert den Körper Deutschlands. Aber die räuberischen Friedensbedingungen, die Deutschland zu Versailles diktiert werden, bilden nur ein Glied in der Kette der Vergewaltigungen, welche von den Imperialisten der Entente-Länder geübt werden. Im selben Augenblick, wo diese Imperialisten bestrebt sind, Deutschland zu verkrüppeln und zu erdrosseln, führen sie auch einen Henkerfeldzug gegen die Räte-Republik Ungarn. Die französischen und englischen Bourgeois sind die Hauptanstifter der rumänischen Bojaren, welche jetzt ihre weißgardistischen Truppen gegen unsere Brüder, die -Arbeiter. Ungarns, führen. Sie, die Vertreter der aufgeklärten französischen und englischen „Demokratien44, inspirieren auch jene Pogromheld'en, welche jhre, vertierten Banden auf das rote Budapest loslassen. Sie sind es ebenso, die das russische schwarze Hundert, die Ko!tschakM Denikin, Krassnow, in ihrem Kampfe gegen die russischen Arbeiter und Bauern anfeuern; sie, die anglo-franzpsischen Bour^ geois, haben auch die von Noske, Ebert und Scheidemann geführten deutschen Weißgardisten angestiftet, die bayerische Räte-Republik zu zertreten. Die Imperialisten der Entente-Länder haben der Regierung Scheidemann die direkte Bedingung gestellt, zuerst die Räte-Gewalt in München zu zertreten. Sie sind es, die anglo-französischen Bankiers und Generäle, die jetzt auch die revolutionären Truppen in Bulgarien entwaffnen. Sie sind es, die die revolutionäre Bewegung der Volksmassen in Serbien und Slawonien ersticken. internationale Gendarmen — das sind die anglo-französischen und amerikanischen Imperialisten, die sich für Vertreter der Welt- .Demokratie" ausgeben. Alle Illusionen sind zerstört. Die Masken sind gefallen. Jene, welche der endlose, schreckliche imperialistische Krieg noch nicht klüger gemacht hat, muß der imperalistische Friede, mit dem man jetzt von Versailles aus die Menschheit beglücken will, belehren. Die Regierungen, die im Laufe von vier und einem halben Jahr ihren Völkern vorlogen, daß sie den Krieg für die „Selbstbestimmung der Nationen-, für die Unabhängigkeit der kleinen Völker, für «Freiheit und Kultur", für die „Demokratie-, führten, diese Regierungen sind jetzt als Henker der Henker, als wütige Sklavenhalter, die niemand schonen, enthüllt. Das Märchen von der Liga der Völker verblüht, bevor es Zeit gehabt hatv aufzublühen. Nach den Versailler Friedensbedingungen wird es nicht gelingen, viele Arbeiter mit der Völkerliga zu ködern. ..;0i'6^;:.V.Äet|fe^^ dere-n-W^Sgfc.-der. r Schlächter Clemenceau steht, ist;vor- 'der ganzen Welt afs Räuber-Li#& entlarvt, welche die vielen Millionen der Werktätigen Europas ans Kreuz schlägt. Der Versailler Friede legt sich mit seiner ganzen Last in erster Linie auf die Arbeiterklasse Deutschlands. , Wenn der Versailler Frieden eine gewisse Dauer haben sollte, so würde das bedeuten, daß die Arbeiterklasse Deutschlands unter dem Doppeljoche der eigenen Bourgeoisie und dem der fremdländischen Sklavenhalter zu stöhnen hätte. Es erübrigt sich zu sagen, daß die Sympathien der Kommunistischen Internationale, die Sympathien der ehrlichen Arbeiter der ganzen Welt auf Seiten der deutschen Arbeiterklasse liegen. Die kommunistischen Arbeiter aller Länder werden die Versailler Friedensbedingungen als einen Schlag gegen das internationale Proletariat aufnehmen, als ein Attentat, das abzuwenden nur mit den vereinten Kräften der Proletarier aller Länder möglich ist. Die gegenwärtige deutsche Regierung, die mit Worten gegen den Versailler Frieden Protest erhebt, hilft in der Tat den Imperialisten der Entente, ihren teuflischen Plan in Bezug auf die deutsche Arbeiterklasse auszuführen. Der Henker Clemenceau besitzt in Deutschland keine treueren Diener als Scheidemann und Ebert Die Partei Scheidemanns und Eberts tanzt vom ersten Augenblick der deutschen Revolution gehorsam nach der Pfeife der Entente- Imperialisten. Auf Anstiften von Clemenceau schickten und schicken Scheidemann und Ebert weißgardistische Truppen gegen Sowjetrußland. Den Entente- Imperialisten zu Gefallen haben die von Ebert und Scheidemann geführten Sozialdemokraten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg gemordet und unterdrücken mit Feuer und Schwert die große Bewegung der deutschen Arbeiter, die auf die Eroberung der Rätegewalt gerichtet ist. Die Aufträge der Londoner und Pariser Börse ausführend, hat die Regierung Scheidemann bereits nicht weniger als Zehntausend kommunistischer Arbeiter Deutschlands vertilgt. Jedesmal, wenn die Wogen der Arbeiterbewegung in Deutschland besonders hoch gingen, bereit, die Regierung der sozialdemokratischen Verräter hinwegzuspülen, schreckten Scheidemann und Ebert die verhungerten Arbeiter damit ab, daß, im Falle die Rätegewalt in Deutschiend konstituiert werden sollte, die Ententemächte dem deutschen Volke das Brot versagen würden. Das Zentralkomitee der Scheidemannschen sozialdemokratischen Partei behauptet in seinem den Versailler Frieden betreffenden Aufruf, daß die Versailler Lekt'ion .,den besten Beweis für die Richtigkeit der von der deutschen Sozialdemokratie in der Frage der Vaterlandsverteidigung eingenommenen Stellung 4 darstelle. .Sozialisten aller Länder, habt ihr schließlich unsere Handlungsweise während des Krieges begriffen? — so läßt Scheidemann im Aufruf seine Stimme ertönen. O ihr Heuchler, o ihr Zyniker! Zwei Diebe stürzten sich im Jahre 1914 auf ein und dieselbe Beute. Einer der Diebe hatte mehr Erfolg. Dieser Einbrecher schleppte nicht nur jene ganze Beute davon, auf welche sein Konkurrent Anspruch erhob, sondern steckte seine Hand auch noch in die Tasche seines Rivalen. Da macht der andere Dieb, gekränkte Unschuld im Gesicht, aus der Not eine Tugend und wendet sich an die ganze Gemeine mit dem Aufruf: Ihr seht, das Betragen meines Gegners hat die Richtigkeit meiner Taktik endgültig bewiesen; werdet ihr auch jetzt nicht begreifen, daß wir, Scheidemänner, reiner sind, als der Alpenschnee . . .? Die Versailler Friedensbedingungen haben den ehrlichen Aibeitern etwas ganz anderes gezeigt. Die klassenbewußten Arbeiter der ganzen Welt geben sich vorzüglich Rechenschaft darüber, daß, wenn der Krieg mit dem Siege der deutschten Imperialisten geerideYhätt<C diese ebe'hW^cH Besiegten gewesen wären, wie ihre Gegner es eben sind. Und dann hätten sicherlich die Henderson Renaudel dieselben falschen Phrasen gebraucht, wie die Scheidemann und Noske es heute tun. Die Versailler Friedensbedingungen haben gezeigt,, daß, solange der Imperalismus, und sei es auch nur in einem Lande, noch lebt, auch Gewalt und Raub leben. Die Versailler Friedensbedingungen haben gezeigt, daß der Imperialismus jeder beliebigen Koalition gleicn habgierig ist. Mit" welchen „demokratischen" Feigenblättern der Imperialismus sich auch bedecken möge, er bleibt die Verkörperung von Barbarei und Blutgier. Die Versailler Friedensbedingungen haben gezeigt, daß die Sozialpatrioten aller Länder endgültig und für immer zu Lakaien der Bourgeoisie geworden sind. Die Versailles Friedensbedingungen haben gezeigt, wie miserabel' die Träume der Parteigänger der Berner gelben „Internationale" (im besonderen die Kautskys und seiner Freunde), von der „Desarmieruhg" unter/Beibehält des Kapitalismus, von der gütigen, wohlwollenden Liga der Völker unter Wilsons Obhut sind. Die Versailler Friedensbedingungen haben gezeigt, daß die Bourgeoisie selbst den Arbeitern aller Länder nur einen Weg gelassen hat — den Weg der Weltrevolution, den Weg über die Leiche des Kapitalismus. Arbeiter Frankreichs! Arbeiter Englands! Arbeiter Amerikas! Arbeiter Italiens! — An euch wendet sich die Kommunistische Internationale. Von euch hängt in erster Linie das Schicksal von Millionen von Arbeitern Deutschlands und Oesterreichs ab. Ihr müßt jetzt euer Wort sprechen. Ihr müßt den blutigen Händen eurer Regierungen das räuberische Messer entreißen, das sie über den Köpfen der deutschen und österreichischen Arbeiterklasse schwingt. Ihr müßt zeigen, daß die Lehren des fünfjährigen Gemetzels für euch nicht verloren gegangen sind. Auch nicht für einen Augenblick dürft Ihr vergessen, daß der Sieg der Entente-Imperialisten über die deutsche und österreichische Arbeiterklasse den Sieg über euch bedeutet, den Sieg über die Arbeiter aller Länder, den Sieg über den Sozialismus. Ihr haltet jetzt am Druckfehlerberichtigung. In der vorwöchigen Nummer haben sich bedauerlicherweise viele Druckfehler eingeschlichen. Besonders sinnstörend wirkten im Leitartikel folgende Druckfehler: Ilqlzh&näen, soll heißen Hokhandiern, P. 2. Internationale soll Reißen .11. Internationale Genossen und Genossinnen! Leset und verbreitet die „Freie Tribüne".