Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1919-08-30 · 32 (30.8.1919) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
32 (30.8.1919)
Date
1919-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2827798-2827856-2827881--128-2828153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Se'te 4 Freie Tribüne Nr 32 Reingewinn sämtlicher Kohtengcwerke Englands betrug in den letzten vier Jahren. 162 Millionen Pfund Sterling (mehr aJä 20 Milliarden Kronen). Dieser gewaltige Mehrwert wurde , den Bergarbeitern erpreßt, so wurde das Volksvermögen von, den „rechtlichen" Eigentümern geschröpft. Die Tatsache dieses ungeheuren arbeitslosen Einkommens hat unter den englischen Bergarbeitern die größte Erregung hervorgerufen. Streiks sind an der Tagesordnung. , Ueberau herrscht größte Arbeitsunlust, die auch durch die. salbungsvollen Reden Lloyd Georges nicht beschwichtigt werden kann. Die öffentlichen Kundgebungen der Bergarbeiter gipfeln, in der Forderung: D a s P r i v a t e i g c n>- tu'rrr 'und die Ausbeutung von Bergwerken . durch einzelne . ,Bc sit*zejr, zum Zwecke d e.s Profits, ist einfür allemal abgetan. Di.e Bodenschätze müssen d;e'jm Vo'lke gvehörca! Die Arbeiterbewegung in der SohweJz. Die Schweizer Genossen waren ebenso wie die italienischen Sozialisten der Fahne der Internationale treu geblieben. Während des ganzen Krieges bewahrten sie moerschütterlich den Geist der Solidarität des arbeitenden Volkes und führten einen harten Kampf gegen das Bürgertum, welches geneigt ''war, dem1 militaristischen Beispiel Deutschlands und dem plutokratischen Einfluß Frankreichs zu unterliegen, um an dem iWeltbrand ebenfalls sein Süppchen, zu kochen. Die nicht zum wenigsten gerade durch das Verdienst der Schweizer Sozialdemokratie bewahrte Neutralität hat aber der Bourgeoisie in der Eidgenossenschaft ebenfalls reichen Gewinn gebracht. Als Verarbeiter- und Transitstaat zwischen drei kriegführenden Ländern gelegen, nutzten die Schweizer Kapitalisten die Konjunktur gründlich aus und schlugen aus der größten Not jenseits der Grenzpfähle, reichlich Münze. War sclion in Friedensizeiten durch den starken Fremdenverkehr reicher Müßiggänger, die von den Vätern überlieferte einfache Lebensführung, besonders in den Städten, einer immer größer werdenden! Ueppigkeit gewichen, so versetzte die Schweizer Bourgeoisie während der Kriegszeit dem Altväter-Hausrat den letzten Stoß und gesellte sie« {glänz den Jobbern und reichgewordenen Schiebern zu, welche sich in den woMversehenlen Schweizer Hotels von ihrer Vampyrarbeit ^ausruhten". Als nach dem Kriege das gesamte reaktionäre Gelichter. aus Mitteleuropa in die Schweiz flüchtete und mit den dem Volksvermögen gestohlenen MiHionien eine fürstliche Pracht entfaltejte, da erstarb auch' der letzte Funke von Volkstümlichkeit im Schweizer Bürgertum' und mit wehenden Fahnen ging es ins Lager der Reaktion über. Im größten Gegensatz zu dieser prunkenden Lebenshaltung der Bourgeoisie und der eingewanderten Aristokraten stand die; Notlage des! arbeitenden Volkes. Diese wirtsfchaftlichcn Ursachen und der tiefe Groll der Arbeiter-, Schaft ob der wachsenden Reaktion führten schließlich zum . Generalstreik.. Ist .eS auch1 dem Bürgertum' einstweilen gelungen, der Bewegung durch wirtschaftliche Zugeständnisse Herr zu werden, so wird das Proletariat nicht vergessen, daß Schweizer es gewagt haben, preußische Methoden der Unterdrückung durch -Waffengewalt, gegen streikende Arbeiter anzuwenden. Eine weite Kluft hat sich aufgetan zwischen der immer reaktionärer werdenden Bourgeoisie und dem Proletariat, auf dessen Seite auch alle dem Sirenenlodken des Aristokraten- und Schieberges'indels nicht erlegenen aufrechten Schweizer stehen. Den sinnfälligsten Ausdruck des Protestes gegen die ibürgerliche Versumpfung der Schweiz fand der Parteivorstand der Schweizer Sozialdemokratie, indem er mit überwiegender Majorität den Anschluß der Partei an d j« dritte Internationla l'e beschloß. Nur . die Umwandlung der Eidgenossenschaft in eine Gesellschaft freier, arbeitender Männer und Frauen wird den Rütlischwur erfüllen und aus den Schweizern ein „einig Volk von Brüdern" machen. Unsere Weltbewegung* Rumänien. Auch in Rumänien haben (wir einen 2|\veig unseres' Weltverbandes. Die größte Organisation befindet sich in Bukarest (gegen 100 Mitglieder); dann gibt es noch Organisationen in Jassy, Potytschewy, Galatz, Waslaui, Piotro (zusammen 1000 Mitglieder). Auch in anderen Städten gibt es kleinere Gruppen. Das Zentralkomitee befindet sich in Bukarest. Die Partei beteiligte sich letztens an den Wahlen zu "den Kulturgemeinden, bei denen sie einen goßen Sieg errungen hat. Vor kurzer ZJeit besuchte sie Gen. Zuckerman als Mitglied des ^Distributionsf-Komitees" und half dabei der Partei, die Verbindungen mit unserem Merbandshüro anzuknüpfen. Südafrika. In letzter ZJeit gründeten unsere Genossen in einigen Städ. ten, wie Johinnisbürg und aridere, Organisationen. Es erscheint auch ein Parteiorgan, die Monatsschrift „Unser Weg". Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut, und unsere Genossen erhoffen eine fruchtbare Arbeit. Belgien. Vor dem Kriege hatte« wir hier einige Organisationen, besonders unter der jüdischen studierenden Jugend. Die Kriegsereignisse haben die Arbeit unmöglich gemacht. Nach der deutschen Okkupation haben unsere Genossen wieder die politische Arbeit aufgenommen. Eine besonders starke Organisation haben unsere Genossen in Antwerpen, wo sehr oft Versammlungen über unser Programm abgehalten Werden. Sibirien. Caut Meldungen aus Amerika befinden sich dort gegen 13 poale-zionistische Organisationen. Unsere Organisationen, bestehen im Gegensatz zu den bundistischen, nur aus Arbeitern. In unseren Organisationen herrscht ein einheitlicher revolutionärer Geist, während der „Bund" die Intervention der Ententemächte gegen die Bolschewiki fordert. Jetzt bereiten unsere Genossen eine Vereinheitlichung und Konsolidierung der ganzen Arbeit irrt Lande vor. Amerika. Anfang Juni begann in New-York die Rayon-Konferenz unserer Organisationen, äuf welcher 19 Organisationen vertreten waren. Es wurden angenommen Resolutionen, welche die Regierung auffordern, die Truppen aus Rußland zurückzuziehen, den Genossen die Pflicht auferlegen, für die Zentralgewerkschaften zu agitieren und das Komitee für Verteidigung der jüdischen Sprache in Palästina zu stützen. Polen. Aus Warschau bekommen wir folgende Nachricht: Gen. Lubelski, welcher mit dem Arbeiterrat von Dombrowa verhaftet wurde, ist auf 3' Monate verurteilt. Außer ihm wurden auch alle Kommunisten verurteilt. Seine Strafzeit wird nicht verrechnet. : Berlin. Unsere Berliner Gruppe wird immer mehr zur Bewegung. Die von Osten zugezogenen jüd. Arbeiter und Arbeiterinnen finden bald zu' der für sie Jalt und heilig gewordenen Stätte: — dem Arbeiterheim'—. Hier in diesem Heim finden sie ihren alten Kreis', hier teilen sie die Leiden und Freuden der jüdischen Proletarierseele. Die Tätigkeit unseres Vereines bewegt sich hauptsächlich im Rahmen politisch-kultureller und sozialer Aufklärungsarbeit, in Vorträgen!, Wie in Kursen über alle den jüdischen Arbeiter angehenden Frageni. Dank' der geographischen Lage Bernte bereicherte sich diese Tätigkeit durch die durchreisenden Genossen Parteiführer Ulkrainäs, Polens. Deutscht)esterreichs, Tsehechoslo- Wakren9 usw. So füllten letztens unsere Lokale die Vorträge des1 Gen. Rewutzki (Ukraina), Jahrblum' (Polen), RafaÜkes und Mule (Warschau), Serpow (Wien). Rudolf Kohre (Prag), totelche uns eine Ankahl neuer Mitglieder brachten. Erwähnt sei auch1 die gegenseifige soziale Hilfe, der sieh1 die arbeitslos ii Genossen seitens der Hilfskommissidn und1 der eingerichteten Teehalle erfreuen1. 'Einen regen Anteil' nehmen 'wir auch an allen vom deutschen Proletariat unternommenen Aktionen. Gegen die uns durch die „Arbeiterzeitung" (Warschau) berichtete schmachvolle Behandlung, welche die bürgerlichen Zfipnisten in. Palästina den Arbeitern, die in unseren Reihen stehen, angedeihen lassen. (Verhinderung der Einwanderung in Palästinla und Aussperrungen von poale-zionistisch organisierten Arbeitern, Unterdrückung der jüdischen Sprache etc. etc.) haben wir in einer Protestversammlung Stellung genommen. Nach einem ausführlichen Referat des Gen. Refalkes (Warschau) über die alte Taktik der Bourgeoisie, welche auch bei der „wirtschaftlichen Durchdringung" Palästinas nur ihren Profiinteressen folgt, wurde mit allen gegen zwei Stimmen (|Hapoel-Hazair) folgende Resolution angenommen: ,.Die allgemeine Protestvers^ammlung am 11. August 1919, einberufen von der Berliner Gruppe der Jüd. Soz.-dem. Arbeiterpartei ,,Poale-*Zion" gegen die willkürliche ökonomische und kulturelle Unterdrückung der jüdischen Arbeiter in Palästina, seitens der zionistischen Bourgeoisie, erklärt: 1. Die zionistische Bourgeoisie hat in Palästina, im Gegensatz zu der von ihr stets im' Munde geführten nationalen Phraseologie, ein Werk1 der ökonomischen Versklavung und kulturellen Unterdrückung des jüdischen Arbeiters begonnen. 2. Wir fordern daher unsere Genossen in Palästina auf, den aktiven Kampf gegen (die zerstörende Abeit der dortigen Bourgeoisie aufzunehmen. Wir unsererseits werden diesen gerechten Kampf mit allen uns (verfügbaren Mitteln unterstützen, 3. Wir fordern das Verbandsbüro der Poale-Zjon auf, die nötigen Schritte einzuleiten, daß unsere Palästinaarbeit künftighin ausschließlich den Interessen der jüdischen Arbeiter diene 4. Die Versammlung protestiert gleichzeitig gegen das "nicht mit unseren Grundslätzen in Einklang stehende Verhalten einiger führender Genossen in Palästina. Diese Kundgebung hat uns* in dem Entschlüsse bestärkt, auf unserem Wege, den iwir auch in der Palästinaarbeit von den »bürgerlichen Zionisten gesondert gehen, 'zu Verharren. Heros. Diejenigen Genossen, welche noch Werbeblocksi haben, werden gebeten, sie umgehends im Lokale. Taborstraße 44, Eingang Blaumauergasse, abzuliefern. Konsumgenossenschaft für jüd. Arbeiter und Angestellte Arbeiter und Arbeiterinnen! Allenthalben regt sich in der jüdischen Arbeiterjugend das Interesse an sportlicher Betätigung. In den verschiedensten Vereinen kämpfen sie unter ökonomischen. Schwierigkeiten, oft unter erzwungener Hintansetzung ihrer Ueber« zeugung in edlem Wetteifer. Umso schwerer wird der Mangel an einer rein proletarischen jüdischen Sportvereinigung empfunden. Wir wollen ja Sport nicht nur um seiner allgemeinen soziälhygienischtn Bedeutung willen betreiben, wir wollen durch ihn die körperliche Ertüchtigung, der jüdischen Arbeiter fördern, sie geistig und physisch zu härten für alle Falk und Notwendigkeiten des Klassenkampfes1. Der Beginn gesonderter Sportorganisation soll mit der Gründung eines , i „Jüdischen Arbeite»-Schwimmvereines»* gemacht werden, der die Aufgabe hatte, diesen gesündester. Sport in die breiten jüdischen ProleiaritTrnassen zu tragen, für wenig. Geld' die Erlernung dieses Sports zu ermöglichen. Alle Genossen, die den Sport slchon betreiben oder erst lernen Wollen, mögen ihre Namen und Adressen an. das Parteisekretariat unter der Aufschrift „Sport" einsenden. Voranzeigen. Verband der jüdischen sozialistischen Arbeiterjugeud. Bezirksorganisation Leopoldstadt, Vereinslokal, II., Bez.. Glockengasse 6/17. Sonntag, den 31. Augustt Wanderung. Abmarsch präz. 2 Uhr vom Vereinslok'al. Montag, den 1. Sept. Vortrag eile? Gen.. Knoll ^un, , Das revolutionäre Wien in der 'Zeit des Völkermordens". Mittwoch, den 3^ Septt Vortrag cdts1 Gen. Herzmaimj Thema aus der Biologie vorbehalten. ' Samstag, den 6. Sept. Rezitationsabend. Beginn der Veranstaltungen punktl. halb 8 Uhr abds. Jüd. sozial. Arbeiterpartei Poale-Zion. Bezirksorganisation Innere Stadt. Mittwoch, den 3. Sept. 7-Uhr abends, im Cafe Adler, I., Schottenring 12, Generalversammitmg. Tagesordnung: 1. Bericht, 2. Wahlen 3L „Unsere weitere Arbeit" (Referent Gen. Alexander Serpow). 4. Eventualia. Die Mitglieder wedren ersticht, zuverlässig zu erscheinen. Bezirksorganisation Leopoldstadt. v Am Donnerstag, dem 4. September, halb 7tUhr abends, Fortsetzung der Aussprache über den Bericht des Genossen Alexander. Zutritt nur mit Parteilegitimation. Allgemeine jüdische Stadentenversammlung. Freitag, den 29. August 191j9 um? 7 Ufer abends, findet ivn Cafe Rembrandt, IL. Unt Augartenstr. 11, eine jüdische Studenten-Versammlung statt. Tagesordnung: Amerikanisch« Hilfsaktion und andere Wirtschaftslagen. Kolleginnen und Kollegen! Es handelt sich um Euer WoM! Erscheinen Pflicht Parteiränke dürfen ' nicht mehr die Diüjrftigent unter uns schädigen! [ * ■ t Verein „Freie jüdische Volksbühne** Sitz: Cafe Rembrandt Wien, H. Untere Augartenstraße 11. — Telephon Nr. 40.331 Einladung zu der am' Samstag, den 30. August 1919, um 3 Uhr nachmittags im Bürgertheater stattfindenden Vorstellung. Zlur Aufführung gelang: Jekel der Schmied, Drama in 4 Akten von David Pi!n!sky in jüdischer Sprache. Der Kartenvorverkauf findet statt, bei den Theaterkassen des Bürgergertheaters, Buchhandlung Löwit I., Rotenturmstraße 22, in den Theaterkartenbüros: Aida IL, fTattorstraße 5, Schreier, IX., Porzellangasse 32, Herzmansky, VIL, Mariahilferstrafk 26, Schnitzer. XX., Wallensteiinstraße 24, sowie im1 Vereinslokal Cafe Rembrandt, HL, Untere Augartenstraße 11. Die Vereinsmitglieder können ihre Karten an Wochentagen täglich von 7—9 Uhr abends, am Sonair und Feiertagen von 9—12 Uhr vormittags im Vereinslokale beheben. eingesendet Genosse Hermann Altmann und Bora Felder laden die Genossen der Bezirksorganisation II. zu ihrer Vermählung, die am 31. August um 6 Uhr abends, II,, Sjprifngergasse 29, 1. St., stattfindet, ein ,und spenden K 20.—. P. F. Verl'IQ bungls an'z e ige. Kjanny Brenner, Biala, Adoli Jurmann, Berlin, Verlobte. Spende 10 K Pressefondk Die Ortsgruppe Brigittenau veranstaltet am Sonntag, den 7. September 1919 im Caf6-Restaurant „Zur Praterfee" II. Prater Hauptallee (zwischen dem 1. und 2. Kaffeebaus) ei Grosses Gartenfest verbunden mit Tanzkränzchen. Programm: 1. Arbeiterchor. 2. Frau Graf-Weintraub, jüdische Lieder, 3. Operr Sänger Ignaz Körner, deutsche Lieder. 4. Herr Tarlowski, Monoloj 5. Herr Deutsch, jüdische Volkslieder. 6. Chor. Zwei Salonkapellen. Joxpost. Jozbasar. Schönheitskonfcnrrenj Bei ungünstiger Witterung findet das Fest Montag, den 8. Septembe (Feiertag) statt. Karten im Vorverkauf K 3.—, an der Kass- K 4.-, für Mitglieder K 2.50, Kinder die Hälfte. Beginn 3 ühi Sammelt Abonnenten für euer Blatt! %T2Z Herausgeber.und rerantwörtlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck ron Josef H o y e r, Wien, IX., Ldecfcteorteinrtrat»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.