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Freie Tribüne · 1919-08-23 · 31 (23.8.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
31 (23.8.1919)
Date
1919-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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St'<e 4 Freie Tribüne Nr. 3! Luzern. Ein halbes Jahr ist verflossen, seitdem die Führer der internationalen Arbeiterbewegung in Bern zusammenkamen, irrrt den Versuch zu machen, die im Kriege zusammengebrochene 11. Internationale wieder ins Leben zu rufen. In Lnzern sind sie nun zum1 drittenmal beisammen gewesen, aber die Verhandlungen in Luzern zeigen, daß die Wiederherstellung der II. Internationale während der Zieit nicht um einen Schritt vorwärtsgekommen ist.; Es ist dies gewiß nicht verwunderlich, denn unter den Teilnehmern in Luzern bestehen grundsätzlich Unterschiede über die Wege, die zur Verwirklichung des Sozialismus! rubren. Die einen stehen auf dem Boden der durch die Regierungen der Entente gesetzten Tatsachen (Renaüdel trat in der am 141 Juli d. J. stattgefundenfejn Sitzung des französischen Nationalrates für die Zustimmung, der Sozialisten zum Friedensvertrag ein), sie bejahen den von den Weltvertreibern in Paris dekretierten Völkerbund und den Frieden mit Deutschland, nur soll er durch „Einflußnahme" auf die demokratischen Regierungen gemildert werden. Charakteristisch für die Auffassung dieser Mehrheit auf der Luzerner Konferenz ist der folgende Absatz, den wir der Protestresolution gegen die Pogrome entnehmen1. „§ie (die Konferenz) fordert vom neuen polnischen Staat, daß icr seine Unabhängigkeit durdh Duldung dieser Verbrechen nifehlt besiu'deln fasse. Sie fordert von der Friedenskonferenz, daß sie den polnischen Staatsmännern eine Politik empfehle, welche die Wiederkehr dieser Brutalitäten ausschließt". Dies; ist nicht bloß ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht, sondern eine vollkommen unsozialistische Auffassung, als ob die Politik der Bourgeoisie bestimmt wäre von dem' Streben nach der „Reinheit der Demokratie", und nicht von ihren Macht- und Beutegelüsten. Es ist nicht mehr fraglich1, ob diese den Namen von revolutionären Sozialisten noch zu Recht tragen, sie sind vielmehr grundsätzliche Demokraten. Bernstein hat dies klar ausgesprochen:. „Die Illusionen, die die Demokraten gehabt haben, mögen heute vernichtet sein, aber die Demokratie als Grundlage des Völkerleb'ens kann nicht zerstört werden until wird sich immer wieder Bahn brechen." Engbjerggleht noch 'weiter, indem1 er als Reaktionäre nicht bloß, die Bürgerlichlen bezeichnet, sondern auch diejenigen Teile der Arbeiterschaft, die auf dem1 Standpunkt der Diktatur ohne Demtokratie siebten. Die Minderheit auf der Luzerner Konferenz (die französische Mehrheit, die deutschten Unabhängigen, die Deutsteh- •osterreicher und die PoaleJZion) verlangte in ihrer Resolution mit allem1 Nachdruck' die Sammlung: der Proletarier und revolutionären Kräfte zwecks Erlangung der politischen Macht und der Verwirklichung des' Sozialismus. Wir sind nicht im Zfweifel' darüber, daß auch die Annahme dieser Resolution noch nicht die Einigkeit des Proletariats bedeuten Wörde, diese kann vielmehr nur in der revolutionären! Aktion erlangt werden. Für die Aktion aber sind die unentwegten Demokraten nur ein Hindernüsl unid, so ist es unerfindlich1, 'wie sich1 die Linken eine Zusammenarbeit mit den Demokraten vorstellen. Aber auch diese Resolution ist verworfen und die Resolution Renaudel ist angenommen (worden. So sehen wir, wie die beiden Gruppen, innerhalb der zweiten Internationale aneinander vorbeireden: Frillz Adler ruft: „Alit Noske und Mussolini (später korrigierte er, er hätte Bissolati gemeint)! ist eine Zusammenarbeit unmöglich!" erweckt aber die Illusion des Bestehens der Internationale durch seine bloße Teilnahme. Und Hentierson schließt die Konferenz, indem er 'den vorzüglichen Geist hervorhebt, in dem1 die Verwandlungen geführt wurden. Viele Anhänger der zweiten Internationale, die für deren Unzulänglichkeit nicht blind waren, erklärten, Luzern sei die letzte Probe. Diese letzte Probe ist nicht im geringsten zu Gunsten der zweiten. Internationale ausgefallen. Im Gegenteil, die Konferenz bedeutet eine Gefahr für das Proletariat, denn sie erweckt die Illusion, als ob die Internationale tatsächlich wieder aufgerichtet wäre. Die Schuld an der Erhaltung dieser Illusion trifft in erster Linie die sogenannten Linken, denn 'wenti diese an der Konferenz nieht teilgenommen hätten, bätltei kein Z|weifel über den Chaarkter der Internationale bestehen können. Dann bedeutete das1 Festlegen der Demokratie afs eine absolute Kategorie, der die Revolution und der Sozialismus unterzuordnen ist, eine Verurteilung des Proletariats zur Untätigkeit. Die Sehranken der Demokratie sind so eng, daß die politischen Aufgaben des! Proletariats in der 'Wähl ihrer Abgeordneten sich erschöpfen. Schließlich bedeuten die Beschlüsse der Konferenz eine vollständige Rechtfertigung des Noskeschen Systems: Noske verfolgt ja mit steinen Massen Verhaftungen und Hfh- öletzelungen mit Belagerungszustand und Presseverbotert auch keinen anderen Zlweck, als die „Verteidigung der Demokratie". So hat sich die zweite Internationale in Luzern ihr Urteil gesprochen und wir mliissen jetzt warten, ob die linken Parteien die Konsequenzen aus ihrem1 vergeblichen iBemüben, revolutionären Wein in das reformistische Wasser der II. Internationale zu, gießen, ziehen werden. Protest der Sozialistenkonferenz in Luzern gegen die Judenpogrome in Osteuropa. Die internationale Sozialistenkonferenz nahm einstimmig folgende vom Franzosen Renaudel vorgeschlagene Protestresolution an: , i Die Konferenz protestiert gegen die Pogrome und Verfolgungen, deren Opfer die Judeui in den von Polen militärisch okkupierten Teilen Litauens und der Ukraine sind. Sie fordert vom neuen polnischen Staat, daß er seine Unabhängigkeit durch Duldungdieser Verbrechen nicht besudeln lasse. Sie fordert von der Friedenskonterenz. daß sie den polnischen Staatsmännern eine Politik empfehle, welche»die Wiederkehr dieser unmöglichen Brutalitäten ausschließt. Sie fordert zugleich die polnischen Sozialistcnparteien energisch auf, einzugreifen und die Verwirklichung des Verlangens dieser Konferenz durchzusetzen. Ferner nahm die Konferenz eine von den Delegierten der P.-Z. Chasanovvitsch u. Kaplansky vorgeschlagene Resolution an. Diese lautet: „Die internationale Sozialistenkonferenz beschließt die Entsendung einer Koniission zur Untersuchung der gegen die Juden in Polen und in den von Polen okkupierten Teilen Litauens und der Ukraine gerichteten Pogrome und Verfolgungen. Das Aktionskomitee wird beauftragt, die Zusammensetzung dieser Komission zu bestimmen und den jüdischen, polnischen, ukrainischen und litauischen sozialistischen Parteien eine Vertretung einzuräumen. Die Pariser „Humanite", vom 24. Juli veröffentlicht wahrhaft erschütternde Berichte über Hinmetzelungen und Mißhandlungen von Juden in der Ukraine, über die Zerstörung ihres Eigentums und über die rohesten antisemitischen Gewalttätigkeiten. Die Zeitung schreibt u. a. folgendes: „Alle Dementis, wel'Chje. über Judenmassakers in der Ukraine veröffentlicht worden sind, sind vollkommene Lügennaebrichten. Eine vertrauenswürdige Person, welche soeben aus Rumänien und Beßarabien zurückgekommen ist, hat dem1 jüdischen Komitee bei den Friedensverhandlungen Berichte übermittelt, weichte nicht in Zweifel gezogen werden können. Hiernach1 sind in den letzten sechs Monaten Zehntausende von Juden getötiet und Hunderttausende beraubt., geschlagen und mißhandelt worden. Die Tage der furchtbarsten mittelalterlichen Inquisition sind wieder auferstanden, denn die Massakers sind von den grausamsten. Torturen und von den entsetzlichsten physischen und moralischen Quälereien begleitet. Die Pogrome dauern noch jetzt an und bedrohen die dortigen Juden mit vollständiger Vernichtung." Der Beri cht veröffentlicht dann die Namen einiger ukrainischer Städte, zugleich mit den Angaben über die furchtbarsten Untaten, die sich in ihnen ereignet haben. Schließlich schreibt das Blatt: „Meistens haben die Pogrome in jeder Stadt 5 b5fei 7 Tage gedauert, eine unbeschreibliche Panik hat sich1 der ganzen jüdischen Bevölkerung der Ukraine bemächtigt.'* Die „Freiheit" zitiert die „Humanite" und bemerkt dazu: „Das sind die grauenhaften Taten, die die Folg-e der reaktionären und gegtenrevolutionären Hetze in der Ukraine geworden sind. Mit dem1 Mitgefühl aber, das wir für jene Unglücklichen empfind/ein, wollen wir zugleich unsern Abs'cheu vor den deutschten Reaktionären aussprechen, die'in ihren Zeitungen und in Flugblättern mehr 'oder minder unverhüllt dazu auffordern, auch bei uns in Deutschland solche Pogrome zu veranstalten. Jene Kreise, über deren entsetzliche; Mordlust während der Kriegszeit und über deren Kriegshetze jetzt von Tag zu Tag dem1 deutschen Volke immer mehr die Augen geöffnet werden, versuchen als letzte Rettung, das Vc4k> das von ihnen Rechenschaft fordert, von sich' abzulenken! urirJ es auf Unschuldige zu hetzen. Doch das dcutslche Volk wird siCh nicht täuschen lassen; nunmehr erkennten alle, daß allein jene reaktionären und monarchistischen Kreise an Deutschlands Unglück schuld sind, und daß über sie das unschuldige Blut unserer Millionen Toten kommt. Das Vol'k Kvird ihnen das nicht vergessen und wird, wenn sleinfe Zeit gekommen1 ist, sie, die \vahren Schuldigen, zur Verantwortung ziehen.t( * In Deutschösterreich nimmt die Judenhetze immer größere Dimensionen an, aber die „Arbeiterzeitng" hält es nicht für notwendig, ein Wort dagegen zu sagen. Der Kreisarbeiterrat hat in seiner Sitzung vom1 12. d. den Bericht der Mandatsprüfungskommission entgegengenommen und beschlossen, die Mandate der Polizeiwache anzuerkennen, die der Gewerbetreibenden zu annullieren. Die Mandate der Poale Zion sind anerkannt worden. Josef Frey, der jede passende und unpassende Gelegenheit dazu benützt, die K. P; zu verunglimpflen, hat auch diesmal der K. P. vorgeworfen, am Sonntag eine bewaffnete Demonstration veranstaltet zu haben. Auf den Widerspruch der Kommunisten trat er den Rückzug an, indemi er angab, gesagt zu haben, es wäre eine bewaffnete Demonstration geplant gewesen. Also in dieser Zeit der Reaktion, über die die Sozial-, demokraten so jammern, hat ein Sozialdemokrat die Stirne, mit einer so ungeheuerlichen Verdächtigung eine proletarische Partei zu diskreditieren. Das ist der Ruf nach der Einheitsfront des Proletariats. Die drei Punkte der Arbeiterzeitung. Nicht etwa von irgendwelchen drei Punkten des Erfurter Programms soll hier die Rede sein, sondern von drei Punkten, die die „Arbeiterzeitung'^ in ideeller Gemeinschaft mit der Rechspost bringt. Es sind i; s übrigens kein .------., ^-.idern kleine winzige Pünktlein, " - aber auch Ute dunkelsten in der ruhmreichen Geschichte des sozialdemokratischen Organs. Bei der „Reichspost" sind die drei Punkte verdeutscht: „Kommunistentrio Bettelheim: ein galizischer, ein ungarischer Jude und eine russische Jüdin". Die „Arb.-Z^g" verschont den, ung.'irisclicn Juden und die russische Jüdin mit ihren Punk-' ten, versetzt dafür dem Kriegsinvaliden Alfred Gläsner alle drei Punkte. Und Recht hat sie, die „Arbeiter-Zeitung". Wie kann ein Mensch, der im Jahre 1S93 in Tarnopol (man versteht schon . . .!) geboren ist, kommunistischen Anschau* ungen huldigen? Ist das „Kommunistische Manifest" etwa für Tarnopol geschrieben worden? Sie Herr Gläsner aus1 Tarnopol (Pfui!)! Sie dürfen. Kriegsinvalider werden, wenn Sie gleich aus Tarnopol stammen. Es kann ja sein, daß Sie unter der heutigen Gesellschaftsordnung stöhnen, obgleich Sie in Tarnopol das grelle Licht der Welt erblickten. Aber unterstehen Sie sich ja nicht kommunistische Ideen zu verbreiten, sonst kriegens von der Wiener roten „Arbeiter-Zeitung.. . 3 Punkte, daß Sie blau werden. Gewerkschaftskommission der Jüd. sozial. Arbeiterpartei Poale Zion Deutschösterroichs. Wir machen den Mitgliedern der Kellnergruppe he kannt, daß von nnn an die Gewerkschaftsbeiträge in unsere - Zahlstelle, IL, Gloekengasse 6/17; an die Genossen Mar gn 1 i es und Z ar w a n i t ze r zu entrichten sind. Die Gewerbsehaft8kommi9sion. Voranzeigen. Jüd. sozial. Arbeiterpartei Poale-Zion. BezSrksorganisatiort Innere Stadt. Mittwoch, den 20. < 7 Uhr abends, im Cafe Adler, I., Schottenring 12, Vortrag: Der Umsftfrz, in Ungarn, Redner: Alexander Serpow. Freitag, den 22. et," 7 Uhr abends, im Cafe Adler, GeneralKrerslammlung. Die neuen Legitimationen sind gelegentlich des Vortrages! persönlich zu beheben. Verband der jüdischen sozialistischen Arbeiterjugend. Bezirksorganisation Leopoldstadt. Vereinslokal II. Glockengasse 6/17. Mittwoch, den 20. August, Vortrag: des Gen. Dr, med. Frisch. Thema: Infektionskrankheiten. Donnerstag, den 21. Aug.: Jiddischer Kurs (Jiddisch Schreiben und Lesen). Samstag, den 23. dl. M., um 6 Uhr abends, berichtet Genosse Alexander Serpow ü b\e r unsere Verbandsbe ratung in Stockh'oIm'. Zutritt nur mit Parteilegim'ationen. ' Sozialistische Vereinigung jüdischer Mittelschüler „Borochow". Die soz. Vereinigung jüdischer Mittelschüler „BorochoW^' will ihren Mitgliedern fachmännische Beihilfe bei ihren Vor-, bereitungen für die Schule ermöglichen. Zu diesem' Zwecke wird vorderhand jeden Moti tflag! und Dionin'ler st ag vor* 2 bis 3 Uhr imi 'Parteilokale ein Höthsehüler zur Ver-, fügung stehen. . Aeltere Genossen, vor allem1 Studenten, werden dringenst* ersucht, diese Aktflon zu unterstützen. Anmeldungen, sind an H. Schiller, II., (Körnergasse 7 zu richten.; 9. Preßfondausweis. Rothstein, Erlös für Fotogrj. K 50.— Henig J. K 1.—„. Inslicht K 100.—, Kellner-Gruppe „Einheit" K ,50.—. 'Zusamt men K 171.—i. Bisher K 2314.30. Gesamtbetrag K 2485.30« Genossen und Genossinne n! Freunde und Freundinnen! Leser und Leserinnen 5 Wer sich für die auf dem Boden der internationalen sozialistischen Tat und der territoriellen Lösung der Judenfrage in Palästina stehende jüdische Arbeiterbewegung interessiert, wer sich über dieselbe genauer informieren, wer ein kleines Schärflein zu ihrer Förderung beitragen will, der abonniere und propagiere die „Freie Tribüne'4! Bitte folgenden Bestellzettel auszufüllen und an die Administration .Freie Tribüne", II., Glockengasse 6/17, einzusenden. Ich abonniere die „Freie Tribüne" für die Dauer eines viertel halben Jahres zum Preise von bezw. K 3.80, 7.50, 15.— und ganzen bitte um Zusendung eines Erlagscheines (bezw. sende diesen Betrag per Postanweisung ein). Name: Adresse :•- 53MM(U Abonnenten für Etter Blatt! Abo»ttetttea-BtocKs nnd Siaitulbifi» i» ParUUtHretirlat IL, Glocfctuasst ffr. 6, Tür 17. Be rauegtfcer und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck von Josef Hoysr, Wien, IX., Li«chten*teta*h»»e $

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