Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 28 (26.7.1919)
- Date
- 1919-07-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Freie Tribüne Nr. 28 "anschlössen, und beteiligten sich so an dem Umzug der gesamten Arbeiterschaft, revolutionäre Lieder singend. Nach der Auflösung der allgemeinen Demonstration zogen wir samt den, Kommunisten zum Sachsenplatz, wo noch cirt Kommunist und von uns Genosse Juris an die Versammelten feurige Ansprachen hielten. Damit schloß unsere imposante Beteiligung. Der Arbeitsmarkt in Palästina.*) in. Das Schmiedehandwerk in Jaffa. Als Schiniedmeister sind in Jaffa tätig: Juden 6, Mohamedaner 8, Christen 3, als Schmiedegeselicn: Juden 4, Mohamcdaner 5, Christen 6, als Schmiedclehrlinge: Juden 3, Mohamcdaner 10, Christen 10, 3 jüdische Schmiedemeister beschäftigen, arabische Arbeiter. Sämtliche Schmiedemeister sind Wohlhabend. Konkurrenz herrscht in diesem Handwerk nicht. Doch gelten ,die Juden für die besten Arbeiter. Die Kundschaft der jüdischen Schmiedemeister besieht meistenteils aus Mohamedanern. Der Schmiedcgeselle erhält einen Tageslohn. Vor dem Kriege zahlte man dein jüdischen Arbeiter 5—7 Francs pro Tag, iwährend des Krieges ist die Arbeit heruntergegangen. Jetzt verdient der Geselle 7—10 Schilling pro Tag. Denselben Lohn erhält der arabische christliche Arbeiter. Der jüdische Schmiedelehrling erhielt vor dem Kriege 1,50—2 Francs pro Tag, jetzt erhält er 2—3 Schilling pro Tag; der arabische Lehrling erhält 3—8 Piaster (drei Viertel bis 2 Francs) pro Tag. Moderne Maschinen gibt es hier nicht. Die Schmiedchandwerker hoffen, durch ihre Organisierung ein Kapital aufzubringen, das ihnen ermöglichen (wird, die notwendigen Maschinen aus Europa zu beschaffen. Für die Gründung einer kleinen SchmiedefaJbrik (die 4—5 Arbeiter beschäftigt) ist ein Kapital von 400 ägyptischen Pfund erforderlich, für die Gründung einer kleinen SchmiedeHverksta.tt (mit zwei Arbeitern) ist ein Kapital .vton 70 — 100 ägyptischen Pfund notwendig. Aus der Bewegung. Polen, Zum 21. Juli. Das iZ.-K. der jüdischen, sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Poale-Zioii" Polens hat das jüdische Proletariat zum Generalstreik aufgefordert und folgenden Aufruf erlassen: ' Wir rufen. Euch zum Protest am 20. und 21. Juli: An diesen Tagen tritt das europäische Proletariat in den Kampf gegen den GcWaltfrieden, gegen die Unterdrückung, fremder Völker, gegen das Bekämpfen der Räterepubliken Rußland und Ungarn, gegen den Militarismus, gegipn den Kapitalismus. Endlich ist das Proletariat Iwiedcr einig. Der Sieger und der Besiegte, die. Welche sich noch vor nicht allzulanger Zeit gegenseitig gemordet haben, stehen jetzt Arm in Arm im' gemeinsamen Kampfe gegen ihren Feind, die Bourgeoisie. Nach fünf Jahren Krieg zlwingt uns die Bourgeoisiq einen Frieden auf, der, gestützt lauf Unterdrückung und Ausbeutung, den Keim neuer Kriege hi sich trägt. Der Vcrsailler Friede ist ein. Ausdruck des Schreckens vor dem wachsenden revolutionären Sturm; er mobilisiert alle schwarzen, reaktionären Kräfte, um den revolutionären Drang zu ersticken, und die Räterepubliken Rußland und Ungarn zum Sturz zu bringen. Es fm'uß daher lauter als sonst der Ruf unseres Kampfes ertönen, des Kampfes Zwischen Proletariat und Bourgeosie, Welcher zum Sturz der alten, Welt und zur Aufrichtung der sozialistischen Gesellschaft fuhren muß. A'nt 20. iiind 21L Juli, den Tagen des aufwachenden revolutionären Kampfes, an (welchen die gesamte Arbeiterschaft Europas ihre internationale, proletarische Solidarität kundgibt, rufen Wir Euch, jüdische Arbeiter, die Arbeit niederzulegen und Euch in die Reihen des kämpfenden Proletariats zu stellen. Dieser Streik soll auch ein starker Protest sein gegen, die mörderische Politik der Bourgeoisie, gegen die Pogromhetze, gegen das täglich vergossene jüdische Blut, in [welchem die polnische Reaktion den wachsenden revolutionären Willen ertränken Avill, und £egen die Unterdrückung der Arbeiter-Bc'wegung itv Polen.; 'Zusammen mit dem Proletariatc Englands, Frankreichs, Italiens, Deutschlands und Oesterreichs, erheben auch wir unsere Stimme: Hoch die internationale Arbeitsrsolidarität! Nieder mit dem Imperalismus! Hoch die soziale Revolution! Aus unserer Jugendbewegung. Das Wicdercrtvachen der Internationale der Tat, wie es in der Proklamierung des internationalen Generalstreiks zum Ausdrucke kam, Wurde von der gesamten Arbeiterjugend mit heller Begeisterung begrüßt. Das gesamte jugendliche Arbeiterproletariat, so auch das jüdische, schloß sich in Massen den Kundgebungen an. *) Siehe >Freie Tribüne« Nr. 25. Auf den Aufruf des Verbandes „Jüd. soz. Arbeiterjugend" hin, versammelten sich die jüdischen jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen im Vereinslokal, II., Glockengasse 6.17. Um halb neun Uhr vorm. Wurde die Versammlung mit dem Chorliede: „Of Barikaden. . . ." eröffnet. Hierauf ergriff Genosse Knoll jun. das Wort. Er führte aus: Die Parole zum heutigen Streik gehe vom Proletariatc der siegreichen Länder aus und deute auf eine nahe und gewaltige Umwälzung hin. Der heutige Streik gemahne unwillkürlich an den im Jänner 1918, in den damaligen siegreichen Ländern, Oesterreich-Ungarn und Deutschland. So \vie bei uns auf den Jännerstreik die Revolution im November folgte, so werde dasselbe auch in den Entcntclä'ndern geschehen. Das Proletariat müsse gerüstet sein! » Dann sprach Genosse Sabath. Er Wies auf die geschichtliche Bedeutung des Tages hin, an welchem durch Proklamierung des Generalstreiks in fast allen Ländern Europas die Internationale der Tat wieder erwacht sei. Nur die Losung: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch" durch revolutionäre Taten vermochte das Proletariat zum Kampfe für den Sozialismus zu einigen. Die Jugend habe das größte Interesse an der Einigkeit des Proletariats, denn nur dadurch könne sie rascher von der Ausbeutung und Unterdrückung befreit werden und in das „gelobte Land des Sozialismus" kommen. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen, und während das Lied: „Mir senen Soldaten vyn Fraiheitsarmeen . . gesungen wurde, formierte sich der Zug, der über 200 jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßte. Voran die Standarten: Hoch die revolutionäre internationale Arbeiterjugend! Hoch die revolutionäre jüdische Arbeiterjugend! Der Ztug zog dann zum Hotel Stefanie, wo die jüd. Arbeiter der Leopoldstadt sich sammelten. Der Zug der Jugendlichen schloß sich dem der jüdischen Arbeiterschaft an. * Der 21. Juli fand seinen feierlichen Abschluß in einem literarischen Abend im Vereinslokale. Genosse Sabath eröffnete den Abend mit den Worten: „Wir feiern, den Tag nicht als einen des Sieges, sondern als einen des Kampfes.!". Genosse Juris besprach dje Bedeutung des 31. Juli für das Wiedererwachen der Internationale der revolutionären Aktion. Er unterstrich insbesondere die Rolle der sozialistischen Jungmannschaft, die in den Zeiten des Burgfriedens treue Wacht an der Fahne des Sozialismus hielt. Deshalb ist der heutige Festtag auch ein Festtag der Jugend, denn cler Sieg des Sozialismus gibt der Jugend ihr heiligstes Recht zurück : Ihr ReCht auf Jugend. Dann folgten Vorlesungen und Rezitationen revolutionären Inhalts aus der jüdischen und deutschen Literatur, Violinspiel und Chorgesang. Der 2,1. Juli wird den Jugendlichen in eindrucksvoller Erinnerung bleiben. Verbanü „Jüdische Sozialist. Arbeiterjugend" D.-Oe., Bezirksgruppe Leopoldstadt. Vereinslokal II., Glockengasse 6/17. Samstag den 26. Juli, präzise halb 8 Uhr abends, Literarischer Abend 'mit einem' einleitenden Vortrag aus der jüdische Literatur. Referent: Genosse Hollinger. Montag, den 28. Juli, präzise halb acht Uhr abends, Vortrag: „Einführung in den. Sozialismus. Mittwoch, den 30. Jiuili, präzise halb 8 Uhr abends. Geschichtlicher Vortrag: „Soziale Kämpfe im alten Judentum". Referent: Genosse Katz sen. ■ ( Freitag, den 1. August, präzise halb acht Uhr abends. Vortrag des Genossen Herzmann. Thema aus der Biologie, vorbehalten. ' Samstag, den 2. August, prä!zise halb acht Uhr. Literarischer Abend mit einem einleitenden Vortrag des Genossen Dr. Frisch, Thema aus der jüdischen Literatur vorbehalten. Verband „Jüdische sozialistische Arbeiterjugend". Sonntag, 27. Juli, gemeinsamer Ausflug: auf den Bisamberg. , Führer für den II. Bezirk, Gen. Fessel, für den XX. Bezirk, Gen. Brandeis, für den IX. Bezirk, Gen. Krakauer. Die Organisationen treffen sich um 3 Uhr bei der Endstation Stammersdorf des 3jl er Wagens, Abmarsch von den Vereinslokalen präzise 2 Uhr nachmittags^. Abendheim der jüdischen Arbeiterjugend, II., Glockengasse 6/17. Mitglieder des Abendheims werden täglich zwischen 7 und S Uhr abends unentgeltlich ausgespeist. Als Mitglieder- Werden jüd. jugendliche Arbeiter und Handelspraktikanten aufgenommen. Die Aufnahme findet täglich 'zwischen 7 und S USir im Heime statt. Mitgliedsbeitrag 50 h monatlich. Das Abendheim verfügt auch über einen Lesesaal und Bibliothek. Bücher Werden nur an Mitglieder entlehnt. Ausflüge, die von Mitgliedern gemeinsam veranstaltet werden, werden ebenfalls verproviantiert. Spenden und Unterstützungen seitens der Freunde und Gönner der jüd. Arbeiterjugend werden dankend entgegengenommen und sind an die gleiche Adresse zu senden. Kindergruppe. Sonntag, den 27. Juli 1919 findet ^wieder eine Wanderung der Kinder gruppe statt. Treffpunkt pünktlich 8 Uhr früh, Universität. Rückkunft: zirka 5 Uhr. (Essen im bringen.) Mitgenommen Werden Kinder im Alter vfon bis 13 Jahren. Führerin ist Gen. Jenny Neumann, Wien V Kettenbrückengasse 15, wohin auch schriftlich Anmeldunge und Anfragen gerichtet werden können. Bibliographisches. Karl Liebknecht, Das Zuchthausurteil. Im Verlag „Aktion", Berlin-Wilmersdorf, ist eine wörtliche Wiedergabe der Prozeßakten, Urteile und Eingaben an die Behörden, aus dem1 Hochverratsprozeß, der gegen Karl . Li c bMine'c'hfc Wegen einer Rede am 1. Mai 1916 angestrengt \vurde, erschienen. Es sind Dokumente eines Freiheitskämpfers, der unter allen Umständen zu seiner Tat steht, der unter Mißachtung seines Lebens und seiner Freiheit tapfer und unermüdlich vor den Richtern den Kampf fortsetzt, den er draußen unter den Massen begonnen hat. Liebknecht spricht nicht zu den Richtern, sondern zu dem leidenden und darbenden arbeitenden Volk, und dieses hört seinen Kampfruf, 'wenn auch die Türen des Gerichtssaales fest verrammelt sind, daß kein Laut hinausdringt. Aber diese Dokumente sind auch von eminenter historischer Bedeutung, Weil sie das ganze Lügengewebe, das von der Lügenzentralej der deutschen Regierung sorgsam um die Augen des deutschen Volkes gesponnen wurde, um das deutsche Volk gegen die Ursachen, und Ziele, die die herrschenden Klassen im Kriege verfolgt haben* blind zu machen, erbarmungslos zerrissen. Es 'werden 'die Widersprüche des Staates' des kapitalistischen Zeitalters enthüllt und es tritt deutlich die Schamlosigkeit einer Regierung zutage, die Patriotismus ruft, die deiv Kämpfer für Frieden und Freiheit des Hochverrats bezichtigt, selbst aber in jesuitischer Treulosigkeit irische Kriegsgefangene zwingt, gegen ihr „Vaterland" zu kämpfen. Jeder Sozialist soll das Buch lesen, damit er sieht, 'wie ein internationaler Sozialist die Lage beurteilt hat, damit er diejenigen beurteilen kann, die sich heute als allein-sieJigm'aehende Vorkämpfer des internationalen Sozialismus aufspielen. ''■ Eingelaufene Bücher. (Besprechung vorbehalten.) Verlag A ktion Berlin-Wiliucrsdorf. N. Lenin: Staat und Revolution. Vollst. Ausg. Geh, M. 3;— geb. M'. 4,5'a. K. Marx: Das Kommunistische; Manifest. 40 Pfi iV. Hugljo: Uebcr Vfoltaire. SO Pf. H. Dohm: Mißbrauch des Todes. 80 Pf. L. Tolstoi: Der Friemde und der Bauer. SO Pf. F. Lassalle: Tagebuch'. M'. 1,60. Scher fc, Satire usw.: Revolutionslyrik. SO Pf. N. Lenin': Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht, M. 1,60» . Ä. Lunatsbarski: Die Kulturaufgaben des Proletariats. SO Pf. Verlag R. L ö vv i t, Wien. J. L. P e r e z: Von dieser iuid jener Welt. Uebers. von S. Schmitz. M. Bub er: Cherut, Rede über Jugend und Religion. Voranzeigen. Jüd. soz. Arbeiterpartei Poale-Zioru Bezirksorganisation Innere Stadt. Sonntag, den 27. d. iM. Ausflug. Treffpunkt Universität, Treffzeit: 2 Uhr, Führer: Gen. Rothstein. Mittwoch, den 30. d.fcM., 7 Uhr abends, Vortrag, des G.bn. Gzuczka: „Uebergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Wirtschaft nach Popper-Lynkeus." Ort: Cafe Adler, I., Schottenring 12, Die neuen Legitimationen sind gelegentlich der Veranstaltungen persönlich entgegenzunehmen. Bezirksorganisation Brigittenau, XX., Wallensteinstr. 62. Sonntag, den 27. August: Ausflug, Treffpunkt um 2Uhr nachmittags im Vereinlokale. Dienstag, den 29. Vortrag* des Gen. Dr. Bloch über „Unser Nationalprogramm in Deutschösterreich". Donnerstag, den 31. Vortrag des Gen. Dr. Wattenberg über „Geschichte der , Poale-:Zion"-Bewegung". Akademischer Verband jüdischer Sozialisten Poale-Zion. Samstag, den 26. Juli, unf 7 Uhr im Cafe Adler Schptring 12, Mitgliederversammlung. Tagesordnung-.: bringende Angelegenheit. Vollzähliges Erscheinen Pflicht. Allgemeine jüdische Arbeiterbibliothek, Wien. Montag, den 28. di MJ. umf 8 Uhr abends findet im Cafe* Stefanie (IL, Stefaniestraße 2) eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht, 2. Anträge, 3. Eventuelles,. Verlobungsanzelge. Essing Klara — Mann Adolf, Verlobte. 10 K Preßfond. fcu der Verlobung der Genossin Essing Klara mit dem Gen. Mann Adolf, spende 5 K Preßfond Margulies. Sammelt Abonnenten »r Cnr Blatt! SÄ'R VRS! Herausgeber und rerantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck von Josef H 0 y e r, Wien, IX., Liechtensteinstraße 3