Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 24 (28.6.1919)
- Date
- 1919-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Freie Tribüne Nr. 24 Breslau. Dienstag, den 27. Mai, veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der JÜd. sozialdem. Partei Poale-Zion einen öffentlichen Vortrag des früheren Volksbeauftragten für jüd. Angelegenheiten in der Ukraine Gen. A. Rewutzky über das Thema: Die Juden' und der Weltfriede. Der große Saal der Lessingloge war ganz dicht besetzt. Der Redner besprach hauptsächlich die grundsätzlichen Forderungen, welche die Vorbedingung eines Weltfriedens bilden; denn die Verhandlungen in Versailles würden keine endgültigen Feststellungen bringen, sondern diese Bedingungen würden über kurz oder lang durch die Kraft des geeinigten Proledariats revidiert werden^ Er führte folgendes aus: Wie schon heute das Reichsgesetz über dem Landesgesetz steht, so soll künftig internationales Gebot die Souveränität der Einzelstaaten binden. Nur wenn dieser Grundsatz anerkannt und durchgeführt wird, nur wenn ein Völkerbund in diesem Geiste und mit dieser Macht entsteht, nur dann haben wir die Gewähr eines dauernden Weltfriedens. Nicht die kapitalistischen Staaten sind dessen fähig. Denn das kapitalistische Wirtschaftsprinzip und der in ihm begründete Konkurrenzkampf hat uns den Krieg gebracht. Vor dem Kriege überstieg das Warenangebot die Nachfrage. Heute stehen wir vor einem Mangel an Gütern aller Art. Und deswegen ^-können wir nur durch gemeinwirtschaflliche sozialistische Wirtschaftsmethoden die Folgen des Kriegs überwinden. Der Arbeiterschaft fällt die Aufgabe zu, den Weg über diesen Krieg und seine Zerstörungen hinaus zu weisen; darum muß die Arbeiterschaft der ganzen Welt fest zusammenstehen. Wir brauchen eine Internationale, deren Beschlüße für alle angeschlossenen Gruppen bindend sind. Nur eine solche Internationale wäre imstande, den Weltfrieden herzustellen. Daher half es die Poale-Zion für die beste Friedenspolitik, die Internationale so auszubauen, daß sieallgemein verpflichtende Beschlüße fassen kann. Und darin besteht zugleich die einzig mögliche Politik für das jüdische Volk, wie für alle nationalen Minder'hieitjeln, iddnöni Ubftieiidlrüdkung! ein wichtiger, 'Krieigjsiglriundj war. Datei jüd|isidh!e Volk ist1 überall «ine nationale Minderheit. Bsi 'darf aber nicht s(o klein, daß jeid^r Staat auf Orunld sSeinier Souveränität mit] flWmj [tun darf, wialsj iefr will'. Von1 der Intern nia-rionailie; imiußi ler diazju! ^elrpflicMet .wjertijen', die Fordieirumgien Idfeisl jüjdisfdhleln! Voldoejsakteuerkenneai. In! Amsitierdiam1 iftait!dÜe Intiefrinatiofctelfe einstimmig} (diiejste! Forderungen aWeritaJtiln;!:1. Es sinld die, Idlrei For- Idjerwnjglen: (nadi bülrgleiridhler ukn|d' politischer. Gleichr ibieriedhftigtung, naldli frifatiojnalfelr Aiutonp'mie in djeW j"üdli(s!dh!en Masfeenisiiieid^tkilgeni iu,nldi inadh1 einer nationalen! Heimstätte in, P!a!lä|s|tikia. * In infce&safritielr Weiste! blejgiriWet der Rediner jdde leinzelwe dosier FqiidteruMgjelti1. Wo eine Gruppej von! Riedilten ausjgjejslclhllbsisein1 isit, welche die Um!- wie'fltf besitzt, IbÜldiett Sldh1 notwenidigi das Vorurteil, dlaßl fdäiesle Gruppe? fimlinldlqrwieirtigi wiärte, wind dadurch' wierdfen slelbsit nodh! die 'Reldhltei |gjemiii(ctert, weldhle, Riester Gruppe igfe'sletzlidh' •zius'tie'hlen-; _ so liegen die Viertfoälttnissle z. B. in Galizitein. Der Redner sprach dann von den Veränderungen, die durch soziale Umwälzung im Osten, für das jüdische Volk entstanden seien. Die Mehrzahl des jüdischen Proletariats ist in Vermittler-Berufen tätig und diese Berufe werden durch die sozialistische Ordnung überflüssig, so müsse ein großer Teil brotlos werden, wenn er nicht zu produktiven Berufen übergehen kann. Dasselbe fordert aber auch Palästina von seinen Einwanderern. Wir berufen uns nicht auf ein historisches Recht auf Palästina. Wir verlangen nur, daß die Araber ihr Selbstbestimmungsrecht nicht soweit ausdehnen, daß sie eine freie Einwanderung hindern. Wir fordern freie Einwandewingsmöglichkeitnach Palästina, damit wir dort durch produktive Arbeit ein jüdisches Gemeinwesen schaffen und das Recht auf einen jüdischen Staat erwerben können. Wir betteln nicht bei den Machthabern der Entente, wie es Weizmann und Sokolow in wohl wenig würdiger Weise getan haben. In Amsterdam standen wir nicht als Bittsteller da, sondern wir stimmten gleichberechtigt mit. Wir wollen uns Palästina erwerben durch unsere Arbeit im Land und durch treue Solidarität in dem Kampfe, den die Arbeiterschaft der ganzen Welt gegen den Imperialismus für Freiheit und Frieden führt. Die klaren folgerichtigen Ausführungen des Gen. Rewutzky fandlem lebhafte! Zustimmung in der Versammlung. In dler Diskussion js|pradh) u. a. alsf bürgerlicher Herr Dr. Rosenblaum', der die Haltung) von, Weizmiajn1 uirtd! Sokolow in Parisi verteitfügfte. Ein Bundist bezweifelte, daß dasi jüdiisdhe Volk bei der geringen Zahl' seines1 produktiv, in,- djustrieli oder a^rarisdh1 arbeitenden Proletariats: imstande sein würde, Palästina aufzubauen; esi sprachen noch zwei Getaos&en von dler kommtmistist'hen Partei Deut&diTand<& unid gift Askimilant. In seinem Schlußworte antwortete Gen. Rewutzky einigehend lind überzeugend allen Diskussionsrednerti. Am nächsten Tage sprach Gen. Rewutzky im Vereinslokal über d|as Thema: „Wie bauen" wir djas Rätesystem aus." Seine siehr interessante« Ausführungen famdeh bfei allen Mitgliedern großes Interessie. Die Anwesenheit vom Gen. Rewutzky in Breslau brachte uns einen, große«! moralischem Erfolg. Unsiere Arbeit wird fron jetzt an noch intensiver und erfoligreidier sein. Jttd. sozialdemokr. Arb.-Partei Poale-Zion. Ortsgruppe Hannover. Die von einigen Anhängern der Poale-Zion Bewegung im „Hasomir* ■ Heim einberufene Gründungsversammlung nahm einen erfolgreichen Verlauf. Die einleitende Worte wurden dem Gedächtnis des verstorbenen Genossen Israel S c h u r e k gewidmet. Der, als Gast anwesende Vertreter der Frankfurter Poale-Ziongruppe gab dann Aufschluß über die Wege und Ziele der Poale-Zionistischen Bewegung. Es entspann sich hierauf eine lebhafte Diskussion, in welcher auch der „Bund" seinen Standpunkt vertrat. Nacu Schluß der Dißkussion trat eine große Anzahl der anwesenden der Gruppe bei und wählte einen provisorischen Ausschuß, der die Organisation auszubauen hat. Der Untersuchnngsanschuß des Kreisarbeiterrates in Wien. Der Kreisarbeiterrat Wien hat in seiner konstituierenden Vollversammlung vom 13. Juni 1919 einen Untersuchungsausschuß, bestehend aus den Genossen Dr. Max Adler, Prof. Dr. Sigmund Fränkel, Dr. Hersch Nagler und Jakob Riehss eingesetzt, welcher anläßlich der "Vorkommnisse während der Untersuchungshaft des Genossen Michel Kohn-Eber, sowohl diese, wie auch alle sonstigen im Untersuchungsyerfahren, insbesonders gegen politische Häftlinge eingerissenen Mißbräuche zu erheben und zu prüfen hat. Wir fordern daher alle diejenigen, denen solche Mißbräuche bekannt sind, auf, genaue, mit Namen und wahrheitsgetreuen Umständen belegte Auskünfte an die Adresse: Prof. Dr. Sigmund Fränkel, Wien, VIII, Langegasse 7/1 einzusenden. < Eingelaufene Bücher. Auf dem Wege nach Palästina, Broschüre Nr. 2 des Palästina-Amtes Wien, Verlag des Vereines Keren Ka- ^jenieth'Lejisrael, Wien. ♦otwb Saw? trat nMö Verlag jüd. Nationalfonds Haag. Besprechung vorbehalten- Voranzeigen. Jüd.-soz. Arbeiterpartei Poale-Zion. Bezirksorganisation Leopoldstadt, Caf6 Stephanie, 11., Stephaniestraße 2. Samstag, den 2 8. Juni, um 7 Uhr abends Vortrag des Gen. Juris aus Warschau: „Der Palästinismus und die soziale Revolution." Gäste willkommen! Freitag, den 4. Juli, um 7 Uhr abends: „Politische Wochenübersicht". Referent Gen. Sabat. > Samstag, den 5. Juli, um 7 Uhr abends, Vortrag des Gen. Rudel: „David Pinski* mit anschließender Vorlesung. Akademischer Verband jüdischer Sozialisten „Poale-Zion" . Montag, 30. Juni um halb 8 Uhr abend im Cafe Wien, vis ä vis der Universität, Mitgliederversammlung mit Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit des Verbandes (Wirtschaftsorganisation etc.). Anschließender Vortrag des Genossen Juris „Utopie und Wissenschaft im:#üdischen Sozialismus". Legitimationen sind mitzubringen, diejenigen Genossen die noch keine Legitimation haben, werden sie beim Eintritt erhalten. Pünktliches Erscheinen Pflicht! Jüdisch-Jugendlicher Arbeiterverein „Jugend". Samstag, den 28. Juni findet um ya 8 Uhr abends im Vereinslokal (II., Glockengasse 6/17) eine Mitgliederversammlung statt. Es wird erBucht, pünktlich und zuverlässig zu erscheinen. Vortrags-Zyklus S. J. lmber über jüdisehe Literatur. I. Vortragt „Das nationale Moment in der modernenjüdischen Poesie", veranstaltet im Festsaal des Niederösterreichischen GewerboVereines, I., Eschenbachgasse 11, Samstag, 12. Juli, um 7 Uhr abends, vom jüdischen Verein „Nord-Ost" und Akademische Verbindung „Jüdische Kultur4*. Karten von 2—7 Kronen bei Löwit, I, Rotenturmstraße 22 und in den Vereinslokalen, Taborstraße Nr.* 21a und Börseplatz Nr. 7. Südliche Arbeiter und Angeheilte I Die Lebensmittel- und Bekleidungsnot drückt die Arbeiter und Angestellten - am schmerzlichsten. Der Einzelne kann ihr nicht abhelfen. Wohl aber ist es möglich, in gemeinsamer Organisation in einem Konsumverein Lebensmittel und Bekleidung zu beschaffen. Diese Aufgabe wird den jüdischen Arbeitern und Angestellten durch die großzügige Hilfsaktion der amerikanischen Jndenheit erleichtert. So drängte alles dazu, daß die jüd. soz. Arbeiterpartei „Poale Zion" die Konsumgenossenschaft für Jüd. Arbeiter und Angestellte r. 0. m. b. H. Wien, II., Taborstrasse 44 (Eingang Blumauergasse) ins Leben rief. Hunderte von Mitgliedern haben sich bereits angemeldet. An die Anderen ergeht der Ruf, im eigenen Interesse sich ungesäumt anzuscliliessen. Die Einschreibegebühr beträgt K lö.-. Anmeldungen mündlich und schriftlich beim Obmann: Samuel Beiß, II. Untere Donaustraße 11 (Gassenladen), Telephon 44549, in der Zeit von 2 bis 5 Uhr nachmittags oder bei M. Schorr, II. Lassing Leitnerpiatz 2, I. Stock, Telephon 47229, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags. Für den Aufsichtsrat: Für den Vorstand : Dr. Bienenzucht Dr. Bloch Reift Vorsitzender. Kassier. Qbmaim. Jüd. Arbeiter und Angestellte. Die traurige Ernährungsfrage und die unerquicklichen Zustände in den existierenden bürgerlichen Ausspeieangsaktionen veranlassen uns, eine Arbeiterküche für jüdische Arbeiter und Angestellte aufzustellen. Wir sind in der Lage, sowohl tür die ausgiebige, gute und billige Verpflegung, wie auch für die würdige Verabreichung des Gebotenen volle Gewähr zu übernehmen. ' Wir fordern daher alle jüdischen Arbeiter und Angestellte auf, sich dieser Gemeinschaftsküche anzuschließen. Anmeldungen sind zu richten an die Wirtschaftssektion Poale- Zion, IL, Glockengasse 6/17, oder an M. Schor, IL, Lasingleitnerplatz 2. Wirtschaftssektion Poale-Zion. Wir werden um die Veröffentlichung nachstehenden Aufrufes ersucht: Die Lubliner Ortsgruppe der Landesgewerkschaft der Mittelschullehrer Polens gibt hiermit bekannt, daß über das Realgymnasium S z e p e r in Lublin von ihr der Boykott wegen ungerechtfertigter Kün* digung des gesamten Lehrkörpers dieser Schule seitens der Direktion verhängt wurde. Es wird daher jeder vor der Annahme eines Lehrerpostens in erwähnter Schule gewarnt, da sonst sein Name als Streikbrechen in sämtlichen Tageszeitungen Polens publiziert werden wird. Die akademischen Vereine werden hiemit ersucht hievon ihre Mitglieder in Kenntnis zu setzen. 8. Preßfonds-Ausweis. Bei der Hochzeitsfeier Hudes Grünblatt gesammelt durch Gen.Fischel: Immerglück K.2.—, M. Königheit K 2.—, A. Bindiger K —.50, J. Napustek K 2.-, J. Tutter K 1.—, W. Seiler K 1.-, M. Goldhapper K 2.—, J. Dorfmann K 2.—, M. Ratner K 1.—, M. Druckmann K 2.-, L. Schauer K 2.—, D. Glaser K 1.—, J. Bigger K —.20, P. Frost K 2.-, J. Hudes K 2.-, D. Hudes K 2,—, Isak Hudes K 2.—, Benno Schwarz K 4.—, A. Lenga K 2.—, M. Rosenberg K 2.—, M. Hochmann K 2.—. Ges. beim Ausflug am 22. d. M. K 8.—. S. Rosen K 1.—. Zusammen K 45.70. Bisher K 2268.60. Gesamtbetrag K 2314.30. Die Genossen werden gebeten, die gesammelten Preßfondsgelder sofort abzuliefern. Akadem. Verband jüd. Sozialisten Poale-Zion. Freitag, den 4. Juli, 7 Uhr abends, im GROSSEN SAALE des INGENIEUR- und ARCHITEKTEN- VEREINES, WIEN, I., ESCHENBACHGASSE Nr. 9 Vor>trags-Abend ALEXANDER GRANACH, Mitglied der „Neuen Wiener Bühne". Karten sind zu hafen: 2. Bez., Glockengasse $r. 6/17, bei den Veranstaltungen der Ortsgruppen und in der Buchhandlung R. liövit, I. Bez., Rotenturmstraße Nr. 22. Sammelt Abonnenten für £ner Blatt! flbonncntcö-Blocl(5 [und SJtntnclbögctt im parteistüretariat ' 11., Gtodsengasse j\r. 6, Tür 17. - Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck von Josef Hoyer, Wien, IX., liechtensteinifcraoTp 3