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Freie Tribüne · 1919-05-24 · 19 (24.5.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
19 (24.5.1919)
Date
1919-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite j4 _ BildangsstUtten vermögen Boden und Snat für die materielle nnd knlturelle Gesundung' großer Schichten des jüdischen, industHelleu, Handwerkernnd Luftproletariats zu schaffen. Dann wird die Schmach der Wohltaterei, die wir los werden miißen, und mit ihr die Krankhaftigkeit des bisheriir»m jüdischen Fürsorgewesens ausgemerzt werden können. Dann werden uns in den „Petenten* und „FürsoigefäHeu" nicht mehr Schicksale begegnen, vor deren Not wir schaudern, sondern denen wir bauen helfen, vai fortwirkendem Loben und •Schaffen aufrufen und aufraffen. Freie Tribüne Nr. m Die Entlassung der jüdischen angestellten In den Zentralen. Während die Sozialfciemngskommission der Herren Trünther & Co das Gesetz über die Jietriebsräte verwässert, sorgt die glorreiche Koalition der Sozialdemokraten und Cbristlichsozialen gleichzeitig dafür, daß in den vom Staate verwalteten Zentralen anch nur solche Angestellte verblf Iben, die rein arischer Herkunft sind. So hat zum Beispiel die Regierung die Leitung der Zweigstelle Niederösterreich der Kriegsgetreideanstalt, dein christlichsozialen Nationalrat ßrnber übertragen, um die Anstalt „judeniein" zu machen.- In dieser Zentrale waren noch vor einigen Monaten von zirka 300 Angestellten mein1 als die Hälfte Juden. Die jüdischen Handlungsgehilfen in der K. G. A. waren dort die ersten, die znm Klassenbewußtsein erwachten und den Gedanken der gewerkschaftlichen Organisation unter ihre Kollegen tragen- — Hatto nun bereits das Staatsbürgergesetz die jüdischen Proletarier vogelfrei erklärt, so ist es das ganz besondere Verdienst des Nationalrates Gruber, anch jene Angestellte, die das Glück hatten, die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft zu besitzen oder zu erwerben, brotlos zu machen. Heute sind nicht einmal 20 jüdische Angestellte in diesem Betrieb. Das alles geschieht unter einer Regierung, in welcher Sozialdemokraten sitzen, die stolz verkünden, die Macht in Land und Stadt erobert zu haben. So wird also die Macht seitens der Soüialdemokraten gebrawht, so sieht die internationale Solidarität der deutschesterreichischen „volkerbhfreienden" Sozialdemokratie aus. An Stelle der entlassenen jüdischen Angestellten wurden natürltch arische Handlungsgehilfen aufgenommen. Arbeitslosenfürsorge oder militaristischer Seelenfang? Die Anzeigen in der Arbeiter-Zeitung und in der Freien Tribüne fordern die arbeitslosen jüdischen Arbeiter aus Galizien auf, sich zur Unterstützung beim Lokalkomitee der jtid.-sozialdem. Partei IL, Untere- Augartenstr. 26 zu melden. Dort erhUlt man ein Evidenzblatt rait dem man sich bei der hiesigen polnischen Gesandtschaft zu melden hat, um die ArbeitBlosen-Unterstützung zu beheben. In der Gesandtschaft in., Rennweg 1, erklärt der Beamte, daß alle Männer sich bei der polnischen Militär- Kommission zu melden haben. Dort fordert mau den Arbeitslosen auf, zur Musterung nach Galizien zu fuhren. Dem Terlangen sofort vom Arzt der Kommission gemustert zu werden, wird nicht stattgegeben. Ein augenfällig invalider Arbeitsloser wurde abgewiesen, ohne die Unterstützung zu bekommen. Diese Art von Arbeitlosenfürsorge ist immerhin bemerkenswert. Ueber die Natur des jungen annexionslüsternen polnischen Militarismus, der «tausche,' ukrainische, deutsche u. s. f. Gebiete „befreit" am Pogrome zu veranstalten, haben wir uns nie einer Täuschung hingegeben. Die Arbeitslosenfürsorge für diesen als Seelenfang zu mißbrauchen ist jedoch ein zu starkes Stück! Wissen die Wiener Bundiston davon? Aus der Bewegung. Arbeitsplan für den PolästinaürbeitErfond. 1 : Das Atbcitcrstkr^rtat des Poate-Zioa-Verbandes in Jaffa hat einen Arb^plirtu fitr den P-.laläs'tin a - A r - hjetffterrfontä für di^e nächste Zeit -eutworfeit den wir hier in den Haupt/.ügen wiedergebjen^ Zwecks R^g'u'llTcr u ng, der Arbeit er cj u w a n de im oiß nach Pallästina soll das bereits bestehende Jaffaer AibettsWiro zu einen). Zentralfarbdtsbüro unter der Leitung einer aus Vertretern laller gewerkschaftlichen Organisationen Palästinas bestehenden Körperschaften ausgebaut werden, das mit allen Arbeiterorganisationen des Landes sowie den Hechatuz-Organisutioncn des Alislandes in ständiger Verbindung stellen soll# Hauptewieigei jmd! Abteilungen des Jaffaer Bureaus sollen in allfoi AusXvantfcrungshäfcn und jüdischen Zentren erncivtfct werden. Diese stehen mit den judischen gewerkschaftlichen Landjes-, bezw^ lokalen Organisationen, sowie mit den Htechahizgruppen i;ti Verbindung. In Jaffa soll eine periodische Zeitschrift für Einwanderungsfragien:, in den Diasporazentren Bulletins herausgegeben; werden. Die Arbeiter* ciuvanderung soll orgjanisiiert und reguliert werden. Jeder ein-, wandernde Arbeiter wird sofort Mitglied seiner gewerkschaftlichen Organisation^ sowiei däer Krankenkasse und nimmt an 'dov hebräischkm Abendkursen teil. Das Ziel seiner \v i r t s c h f 111 i ,c heu T ä t i g k e i t sieht das Arbeiijersekretartat; in der Befähigung! <ter Arbeiterschaft, sich vollständig vom Joch der kapitalistischen Aushebung zu befreien. Den Weg hierzu erblickt es in der Erkämpft) n'g weitgiehjeuder Verbcsserungen in der Lage der Lohnarbciterschaft, 'ferner in der Förderung von Arbeitergenossenschaften, die dann zu selbständig, auf eiginc Rechnung und eigene Verantwortung arbeitenden Produktivgcnosscirschnfteii führen sollen Das nächste ökonomische Tätigkeiisprog.rauiui umfallt folgende Punkte: 1. Uebcrnahme von Ländereten ausländischer Gesellschaften und Privatpersonen zur Bearbeitung durch Arbeitergenossenschaften unter Verantwortung des Arbeitssekretariates. 2. Uebernahme von allerlei Vorbereitungsarbetten wie Bewaldung, Trockenlegung von Sümpfen, Bodcnverbesserting für Bauzwecke, Straßenbau, Brunnen etc., durch das Arbeitsse'kretariat, das die lArbeitcn den vm diesem' Zwecke durch die f-'aehorganisationen gegründeten Arbeitergruppen übert^ibfr 3. Finanzielle Förderung <jer Fachbildung, Organisierung von neuen Gruppen, insbesondere für die Produktton von Rohstoffen;, Verkehr und Transport (Steinhauer, Fischer, Matrosen*, Bahnarbettcr etc.). Versorgung» des toten und lebenden Inevntars zwecks selbständiger iUebernahine von Arbeiten durch die Gruppe», t Vorbereitung qualifttrerter Arheiter /.wec'ks- Uebernahme weiterer öffentlicher Arbeiten^ wie Bau von Eisenbahnstationen, Stadtvierteln, öffentlicher Gebäude e c 5. Vorbereitung der Arbeiter für die genossenschaftliche Kolonisation vermittels der landwirtschaftlichen Arbeitsgenossenschaft und Förderung der genossenschaftlichen Kolonisation durch Kreditbeschaffung für Inventar, Fläuserbau usw. 6. Gründung von* Arbeitergenossenschaften tu den Städten', vor allem in denjenigen Bctriebsi/Aveigtcu, deren Erzeug nisse in den landwirtschaftlichen und Arbcifsgenosseiischattett Absatz finden könnenf wie Schneiderei, Wäschcerzeuguugi, Schuhmacherei, Tischlerei, Druckerei, Repcratur landwirtschaftlicher Geräte etc. 7. Schaffung der Bedingungen für kooperative Fabriken •xuv Bearbeitung landwirtschaftlicher Produkte 8. Organisierung des- Ein- und Verkaufes der Erzeugnisse der ländlichen und städtischen Genossenschaften Die Vorschläge betreffseiner Arbeiterbarrk sowie der kulturellen und gesellschaftlichen) Tätigkeit sind mit den in der nächsten Nummer wiedergegebenen Beschlüssen der Vereinigun^skonfereuz der Arbeiter Palästinas identisch drbeitslosiglieit In Palästina. Das Bureau des Poale.-Zton-WeltVerbandes erhält von seinem Arbettersekrctariat in Jaffa beunruhigende Mitteilungen betreffs der gegenwärtigen Lage der landwirtschaftlichen und städtischen! jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. 1200 Arbeiter, darunter eine größere Anzahl Familienväter sind arbeitslos. Der Grund dieser Erscheinung liegt einerseits darin1, daß dies Kolonisten mit alkjm {Mitteln danach' streben, den höheren Lohn und menschenwürdige Behandlung ■fordernden jüdische;!! Arbeiter durch billigere unterwürfige arabische Arbeiter zu jersetzenj./d'ic' sie auch aus; den weitesten Gegenden des Landes! heranziehen,!, andererseits im Mangel 'an, Rohstoffe« für das städtische -Gewerbe. Durch die neu ankommenden Einwanderer wird che Zahl der Arbeitslosen noch vergrößert . . Um der Arbeitslosigkeit und den 'jinit. ihr verbundenen Gefahren zu steuern, 'haben die Arbeiterorganisationen der'Zionistischen Palästinakoin!tnission Vorschläge betreffs der sofortigen Inangriffnahme wichtiger öffentlicher Arbeiten unterbreitet, für welche ein Budget von 'zirka 5000' IPftad monatlich erforderlich wäre# jDieser Betrag 'soll aus den, allgemeinen ins Land fließenden Hilfsfonds unter dem Titel der konstruktiven. Arbeit genommen Werdens da die A r b ei t er sieb, af r die A n u a h m e von G <e 1 d u n t e r £ t ü t vz unge :n ablehnt und nur Arbeit forde,rt# Doch haben die Vcrbandlun-. gen bisher zu k-eiuem Resultat geführl^da die? Palästilna-tKom« mis'sion sich immer (wieder darauf beruft;, daß sie keine Geldmittel für öffentliche Arbeiten erhalte. So wurde von den im letzten Monat für Hilfszw'ecke ausgegebenen 70.000 Dollar kein Cent für Arbieifsbeschaffung an die Arbeitslosen verwendet, ja es; wurden sogar die l/u Beginn des Jahres fü'r, die landwirtschaftlichen Arbeitergruppen bestimmten Beträge zurückgezogen. In der palästinensischen Arbeiterschaft herrscht darüber begreifliche Erregung/ Akademischer Verband jüdischer Sozialisten „Poale Zion". Dieser ans den Vereinen „Cheruth" und „Sozialistische Vereinigung jüdischer Höchschüler" hervorgegangene Verband konstituierte sich soeben. Er bezweckt vor allem die Vertretung der organisierten poale-aionistischen flochschüler in allen stude tischen Angelegenheiten, hat sich aber auch ein großzügiges kulturelles und propagandistisches Programm gestellt, über das noch genauer berichtet werden wird. Die Leitliuien seiner Tätigkeit werden sein: Inniger Anschluß an alle Teile der jüdischeu Arbeiterschaft, restlose Scheidung vou allen bürgerlichen Organisationen. In diesem Sinne wurde auch die Zurückziehung der poale zionistischen Vertreter aus dem jüdischen Hochschulausschuß beschlossen. Gleichzeitig wurde dieser eingeladen, genieinsam mit dem Verbände über die Mittel zur Linderung der Not der jüdischen Studentenschaft zu beraten und ein unabhängiges Wirtschattsreferat zu errichten. Beitrittsaumeldungeu zum Verbände Kind an die Adresse IT., Glockengasse 6/17 zu richten. Bibliographisches. Eingelaufene Bücher. (Rcsprcclmnjf vorbehalten.) S. J3 er nfeld: Das jüdische Volk und seine Jugend Löwit Vvl. 1919. Ii. H. van Kol: Die Zukunft des jüdischen Volkes. Löwit Vrl. 1919. Dr. Max R o s e nf o 1 .d : Soziale Steintafeln. Löwit Vrl. 1919. J>er Horowiu: Fyn niajn Hojni yn di Berg, (reichte. Verlag Jinger Dor, Wien 1919. Voranzeigen. Jüd.-soz. Arbeiterpartei „Poale-Zion" Deutsch-Oest Bezirkso'ganisation Leopoldstadt, II., Stefaniestrage 2 (Caf6 Stefanie). Samstag, den 24. d. JH., halb 7 Uhr abends. Vortrag des Gen. Alexander: Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung in Rußland IV. Mittwoch, den 28. d. IL, halb 7 Uhr abends: Diskussion über aktuelle politische Fragen. Einleitung Gen. Zloczower. Sonntag, den 25. und Donnerstag, den , d. M., (Feiertag), finden bei schönem Wetter Ausflöge mit Vortrugen statt. Treffpunkt 2 Uhr nachm, Cafe Stefanie. Bei Regen finden im Parteilokale um 3 Uhr Vortrüge statt. Dienstag, den 27. halb 7 Uli r abends. Einleitung in den Kurs für jüdische Sprache nnd Literatur (Gen. Manger). Alle, die sich beteiligen wollen, müssen pünktlich erscheinen. Freitag, den »0. Mai um halb 7 Uhr abends. Vortrag des Gen. Alexander: Die Notwendigkeit und die Autgaben eines jüdischen Volkskommissariats. Lokal wird änxdi den „Abend" bekannt gegeben. Bezirksorganisation Brigittenau, XX., WaHensüeinstraße 62. Sonntag, den 25. Mai um halb 2 Uhr nachm. Ausflug, verbunden mit einem Vortrag. Treffpunkt im Vereinslokale. Dienstag, den 27. Mai um halb 7 Uhr, Vortrag itt der Restauration XX., Wallensteinstraße 72, des Gen. Dr. Sokal über das Thema: Gibt es eine jüdisch© Arbeiterbewegung? Mittwoch, den 28. Mai um halb 7 Uhr abends, im Vereinslokale Vortrag des Gen. Dr. Bloch über das Thema: „Die Zukunft-des jüdischen Proletariats". Die Lesehalle der Bezirksorganisation, im Lokale XX., Wallensteinstraße 62, in der In- und Ausländische Tageszeitungen in jüdischer nnd deutscher Sprache sowie wissenschaftliche Zeitschriften und Journale anfliegen, ist täglich von halb 7 bis 9 Uhr offen. Besueh auch an Nichtmitglieder gestattet. Sozialistische Vereinigung Jüdischer Mittelschüler „Boruchow". Zusammenkunft der Mitglieder, Samstig-, den 25. Mai um 5 Uhr nachm., im Lokale IL, Glockengasse 6/17. Akademischer Verband jüd. Sozialisten „Poala Zion". Mittwoch, den 28. d. M, halb 7 Uhr abends, im Cafe Wien, Ecke Alserstraße-Schlößlgasse, Vortrag Alexander : „Sociale1 Revolution und Zionismus". Güste willkommen! 6. Preßfonds-Ausweis. Morilz Steuermann, Lemberg, Ernestine Erber, Bovyslaw Verlobte Wien, im - ai 1919. Spenden K 30.— liir Pressfonda. — Gratuliere dem Oe^ nossen Moritz Steuermann zu seiner Ver'obung mit Frl. Ernestine Erber und Spende K 5.— auf Pressfonds. Apfelbaum. — Dem Genossen Llehtmann' zu' seiner Verlobung gratulieren herzlichst B. Brawer, Ch. Weiehsalflsch, Strassmaun, W L. \V«chsinann, Sz. Leifcoer, A"/eibaum und spenden für den Pressfonds K---. Zusammen K 35.—. Bisher K ltt*?.ttö. Gesamtbetrag' K 1888.<lü. Die Genossen werden gebeten, die gesammelten Preßfondsgelder sofort abzuliefern. Soeben evsohienen : Ber Horowitz: Fyn majn Hejm yn di Berg. Gedichte. Verlag Jitigei- Dor, Wien 1919. Preis K 7.—. Erhältlich in den jüdischen Buchhandlungen und in der Administration „Freie Tribüne", II., Glockengasse 6/17. Genossen und Genossinnen! Freunde und Freundinnen 1 Leser und Leserinnen)! Wer sich für die auf dem Boden der internationalen sozialistischen Tat und der territoriellen Lösung der Judenfrage' in Palästina stehende jüdische Arbeiterbewegung interessiert, \ver sich über dieselbe genauer informi«ren, wer ein kleines Schärflein /.vl ihrer Förderung beitragen will, der abonniere und propagiere die „Freie Tribüne'4! Bitte folflenden Bestellzettel auszufüllen und an die Administration ,Prcie Tribttne", II,, Glockengasse tt/17, einzusenden. Ich abonniere die „Freie Tribüne" für die Dauer «ines ' viertel halben Jahres zum Preise von bezw. K 3.80, 7,50, 25.— und ganzen bitte um Zusendung eines Erlagscheines (bezw. sende diesen Betrag per Postanweisung ein). Name: Sammelt Abonnenten «r tm Blatt! STttÄT?? S,TÜ2t Berassgtber und rerantwortticher Redakteur Arnold Deutsch Dreck von Josef Höver, Wien, IX., Liechtensteinatragr B

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