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Freie Tribüne · 1919-05-24 · 19 (24.5.1919) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
19 (24.5.1919)
Date
1919-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Proletarier aller Völker vereinigt Euch! REDAKTION und 'VERWALTUNG 3 Iwirin II, Glockengasse 6 Tür 17.! Erscheint jeden Samstag. a- BEZUGSPREIS samt Zustellung» Ganzjährig . . . K 15,— Halbjährig . . K 7.50 Vierteljährig . . K 3.80 EiDzelEümmer 30 Heller. Organ de^ sollen sozialistischen M ^Ibeite^partei Foale Zion in Deotschöstevreioh I. Jahrgang Wien, 24. Mai 1919 Nr. 19 ßie Nofwendiglieif UDd die Aufgaben der jüdischen Arbeiterbewegung. Die geschilderte, in sich w. i d e r s p r u c h svollie Passivität des! jüdischen werk tat igen Kleiinbürgiertums müßte jedoch naturnotwendig späfter einer .gesunden auf sich selbst bauen dein liberal-freiheitlichen Bewegung Platz machen, wenn ..... -w.cnIi das Bürgertum in D.-iQc. überhaupt und somit auch das jüdische Bürgertum in der jüdischen Gasse heutzutage dazu berufen wäre, die geschichtliche Rolle einer progressiven gels'ellschaftHc.'hein Klarste zu spielen. So war es zum Beispiel in Rußland. Im; Anfangs- Stadium der großen libcrai-fiieiheitfjdhen Kämpfe* standen wohl einzelne Juden in dienj Reihen, ja vielfach sogar an der Spitze dler;nußlänvdi sehen Bewegung, das jüdische Bürgertum als' Klasse war jedoch p a s s i v und somit a r:e v o l u t i o n ä r. Dieser Zustand hat jedoch nur is'ölainge angehalten, insolange die Freiheitsbewegung nur die Sache dter „Auserlesenen" der naCl! Fr'eiliieit lechzenden Intelligenz ----- war. In dem Moment aber, als' durch die Entwicklung des Kapitalismus' in Rußlankl das Bürgertum auf die politische Arena getr>ete;n iatt, hat auch dasi jüdische schaff e'ntfe Bürgertum seine P a ss s' i v i t ä t aufgegeben und; als gesellschättHche Klasseklen Kampf für politische und nationale.Befreiunrg] a k t i v geführt. Wer erinnert sich nicht der großen Bewegung des „Verbandes zur Erreichung voin Gleichtere.chtigtun^r der Juden in Rußlalmd." Eine Bewegung, die, bei klarer Erkenntnis! dessen!, daß die Juden.' erat! dann .gleichberechtigt sein können, iwieirji das russische Volk seine Seibsft'tble riecht iiguiiig gJejg!eWsic sich einzeln in dje Reihen der Brufcterparitei stellen, glauben sie, den Unterschied zwischen sich und der Umgebung b'ereitsj wettgemacht und somit sowohl ihre Pflicht als Protetarier erfüllt, als auch ihr Ziel als Sozialisten erreicht zu haben. Diese illusorische Selbsttäuschung wird auf der ersten Stufe des "Klassenbewußtseins durch eine unglückliche Mißdeutung desf großen Gedankens der luternationalität begünstigt\und in ihren anfänglichen Verirrungen bestärkt. Hat der jüdische Arbeiter sein Klassenbewußtsein erlangt, dann dämmert bei ihm sofort fetas' Gefühl der Internationaliltät, welches in diesem Anfangsstadiumi zu einer generellen Verneinung alles eigenartig Nationale« führt, luternationalität wird hier n'jcht al|s die Interfcssenge;- meinschaft der Arbeitenden aller Na'tio-njciii, sonder^ als Loss'agung von seiner eigenen Nation gedeutet. Hiezu kommt noch, daß der Begriff „nationale Eigenart" von den herrschenden" Klassen sleihr oft einerseits im chauvinistischen, andererseits im; klerikalen Sinne mißbraucht wird, iso daß der., das; Klassenbewußtsein erlangende Arbeiter instinktiv diese zu fortschritts-feindlichen Zwecken vergewaltigte nationale Eigenart unbedingt ablehnerj muß. Nachdem aber sowohl die ökonomische Ausheuümg, als: auch die nationale Unterdrückung stejts nur in kohkreten Formen, in Ertstheinjutog "treten, muß der Kampf gegen diese Ausbeutung. un|d Unterdrückung in dem Moment als derselbe sich zu einer großen Massenbewegung gestaltet, ebenfalls konkrete Formen annehmen. Dann muß' aber auch das jüdische Proletariat das'klare Bewußtsein erlange[n), daß es nur dann' diesen Kampf [erfolgreich ffüihi'rien: und die weitgestreckten Ziele desselben1 •— die ökonomische, und nationale Befreiung ~- verwirklichen kann, wenin *esi die n aft[ür,!ic;h e Fprin des' Klassenkampfes;, das heißt>jdie selbständige jüdische "wnidjer- Arbeit,erb'ewe,gung. geschaffen hat - - -Öien&^&i^^ über dem Zarismus) erlang Hat, zugiteich &hr;gu* ■.^^^^^^, ö ,r ., :«„ verstanden hat, daß die Befreiung 'dies jüdischen Volhott und nachdrücklich' die Losung „Proletarier aüteir. L-Pd «„hm* Hleir liidfetfiteiT arbeitenden Massen1 Lander vereinigt euch" hinausizurufen, um die Klas kesi'nur die Sache dleir 'jüdischen arbeitenden Massen1 selbst sein kann. Auf dieser e&itscheideinfcren Stufe der ersten riißländ!isch'e;n! Revoilutio|ni hat dasf' jüdische Bürgertum seine geschichtliche Aufgäbet als herrschende Klasse eines u:nlt;eitd<r.ückfehi Volkes voll erkannt, und infsowleit das1 Bürgielrthiri zju ue'vol'utios iiärem Händlern überhaupt befähigt ist, auch darnach i>"ehandielt. Auf dieser Stufe der liberalen Emanzipation gelang es also dem jüdische'!! Kleinbürgertum;, dien Widlerspruch zwischen Wollen ulnld Tun. zu überbrücken. Heute in der Epoche der 'proletarischen Emanzipation, in der das gesamte auch' werktätige Bürgertuhi sich aus einer liberäl-foits'chrittllichen, ün eine ausgesprochen reaktiohiäre gesellschaftliche Klassie verwandlelt hat', kann mau selbst von denn ärmsten' Teil der jüdischen kleinlbürgieiriliCheln Schichten nicht erwarten, daß sie — pbiwohl ihr w ürikliich le ms I n t e r e s1 s e a n d er s o z i a 1 e h R e v o. tw tli^o h I;e i 'c Ii t n a c h' wje i s b a r ii s11 — aus1 ihrer Pafels'i vit!ät heraustreten und aktiv in die; Bewegung1 auf Seite des Fortschrittes eingreifen. Anders das jüdische Proletariat. Als unteri- (•'•ückte Klasse d!e's' iintet^rücktes't'ein Volkes hait di<* -jüdische Arbeiterschaft däsf größte- Intere^sie an r ivollkomniensten proletarischen Emanzipation. Als schaffen dte, die Zukunft auf bauende Klasse, muß das jüdische Proletariat aktiv für den Fort&ehirilt't: eintreten und zusammienj mit seinen proletarischer! Brüdern anderer Völker de'n Kampf Regeln die bürgerliche Welt von ökonomischier Ausbeutungi und nationaler Uhterdrückunig aufnehmen. Nichts; jlafürlidhteT, als d'aft die jüdis'che Arbeiterschaft, genau so wie diejerTigle der Nachbarvölker sich ihre jüdische Arbeiterbewegung schafft. lißt ' . , . ____ senorganisation und somit die tatsächliche Vereint gwg der Länder-Bewegung zu schaffen, vielme|hr muß das; Proletariat eines jeden. Larndles1 zuelrst im' .eigenen Rahmen und auf {fem Bod.e;n dfeir konkretert Wirklichkeit dieses Landes' orgarijS'iert we r dien. Genau so kann das jüdis'Chie Proletariat1 erst dlaimn als, tatsächliches wirkunig'sVoIles Glied der internationalen Beweguhfg; gelten', wenn «ejsi sich vorerst auf dieni Boden seiner konücretieni jüfdisc'hfein Wirklichkeit organisiert und den gan'zein Umfang des1 jüdischproletarischen Problems! 2um! programmatischen Inhalt sieines organis'atorischen Kampfes 'miacht. Darüber demnächst. ludenauspottong! Die Hallerschen Truppen sind in Kowel ßingetroffen und haben dort grobe Judenpogrome veranstaltet. UehoralJ, wohin die Truppen Hallors kommen, werden die Geschäfte geschlossen. Pogrome und kein Enide! Sind denn dies' Ppgirojme? Kann man dlenii1 das! systeniiatische Vernichten; von jüdischem Leben und jüdischem; Gut mit1 einem' pffagrom" identifizieren, Isit d!enn Lemberg mit KisChinew zu verg'leic hen? (; In d!em klassischen Lande der jüi\isc!hen Pogrome — in dem zaristischen Rußland — wird man ja am deutlichsten diei Merkmale lund Ziele: ein;es, Po. giromsf vvahrnehmien köninen. U^id was sehen' wir dort. Die ganzei blutige 'GesChicht(e dies:er Bestialitäten von 'Kischinewi (1903) über Sdhitomir, "" Judenpogromes in Rußland. Nicht die Bartolomieus'- nacht selbst, sondern die im dieser Nacht umzuhiringende Revolution, war das *Ziel des' Oberpogromihquisitors Plehwe. Pogrom bedeutete damals nichts anderes'als ein offener Angriff auf die Revolution, und zwar an ihrem verwundbarsten Punkte. Nun, sind die Jüdlerimeitzeleien — die großem] und die kleinen; - in Polen auch nur ein Mitte!1" und nicht Selbstzweck? Keinesfalls! Gewiß. Auch die polnischen Machthaber benutzen gerne die Juden als ^Sündleinbock". Auch siel — die Schwarzen, die Weißen und $ie Blutroten! halfen treu zur „bewährten" Pllehwe-Methodle, Aber was uns heute tief erschauern läßt, das isit der in diesen unzähligen polnis'diein; Jude|tiJmetz}er leien klar zu Tage tretendSe Gedan'kle1 einielr äugest rebten vo11ständigen Jjufd:en aus' rottu ng. In allen, in, der bisherigen Ges'chichte bieispielloseji Schandtaten der Polen tritt die einzig herrschendiei Ten dien z hervor, alles' Jüdische zu vernichtien. Das Blutbad ist hier Sielbist zweck. Der Pogrom ist nicht mehr A^ittel, sondern Ziel'. Pogrome als Selbstzweck! Dieses ,,edie" Werk war nur dem edlen polnischen ,,Volke" vorbeharten. Darin: lühertreff^n di|e! „fr.eih;eits'liebejiden" Polen den „Hienker alüeir Reussen". Er, der Großinquisitor des' zwanzigsten Jahrhunderts glaubte sidhl damit ibleigriiigen zu könnein; von Zeit zu Zieif, - (jei mach' BtedarÄ ~ eine Exkursion in das graste Mittelalter zu tuuitiernehmen. Sie, die stolze, heldeninütigc polnische „Nation" sieht ihre heiligste Aufgabe darin, da!s jüdüschfe Volk1 samt; der Wurzieil auszurottieti^ Und, dieses1 .verha^ Keriie"-Wer¥ m^'m ^W'"}europliSÄ,' Schlachtfeldern so schmählich versagenden polnischen Legionen vollbringien. „ _________ _ . ________ ,x_____ _______ _______....., Ho Doch die besondere Abhängigkeit des jüdisebelii rnel (1904) bis zu dlem: tgileidhzeitigen großen Blutbad .i«.. ^--^ik» „.„n^iw^ufc, x/xii^^haf. in 150 jüdischen lOrts'dhafteni ini Oktober 1Q05, zetgit uns die einzige Tendenz •— die rußlä^ldis'che, tevolutionäre Bewtegtung 'ini jüdis'Chem Blütei ersatiifeA zu las!sen. Durch dien, Pogirom soll immer wieder die berechtigte; gJegen dasi herrschende, zaristische Reh gime sich ri^hteinde. Unzufriedenheiit der unwissenden Volksmassen auf das' jüdische Haupt abgelenkt und an dem jüdischen! Gu|t urijd iBllut g,;estillt werden. Demselben Zwieck dienten au<?h die Pogromefin Kaukasien, über Grusiner tund "'A^menie.r. Nicht das Blutbad ah ufnd für sich^ sondiermdie erwartete heilbrin-giende Winkjun'gi fi'iir die dasselbie ansftiftendie RegierungsgiewaIt war der Zweck eines* Volkes von den dasselbe umgeMe'nidiein Völkerschafen, «ieine durch diese Abhängigkeit bbdingte Anpassung an die Nachbarvölker bedingt es' auch, daß die jüdischen Arbeitermasseir beim' eisten EiAvachew ihres Klassenbewußtseins! nicht; sofort das* gesamte komplizierte Problem! des' jüdischen proletarischen Emanzipationskampfes voll erkennen. Die jüdischen Arbeiter glauben sich zunächst damit begnügen zu könnet, daß sie j e de r fix r s i c1 h in die betreffende Landiesbewegung eintreten und dadurch die;, über daa Schicksal des' jüldis'cheu Volkes^ entreheidendej ^mgiebung in ihrern proletarischen Sinne zu beeüri- Uusisjen und eventuell' ümzugestalten trachjten. Indem Pogrome als Selbstzweck! Und die polnischen Le- ^ionien,. gehegt und untierstiütz(t' von allen, Judeinifreuhdten - vom weiland Kaiser Wilhelm bis zum; großen Apostel der Volkerveirbiriüicrerti>ng-', 'Wilson — als Vo Hb ringe r dieses'"Zielfes! Also iges'c'hah uudl ges'chiep es im Jahre 1919. während der gldrrei'dh;en Tag^nig des ^Frieidlenskoilr griessies'" zu Paris. In Anweslenheit Und mandhmial im1 Beis'euii der. ,,a:userwählten" VertKeteir des' jüdischlen Volkes, ja, dies1 polnischen Judentums. Sie, diese „Volksvertreter" sitzen in Paiiis vier .. „handeln" mit der Entente wegen Schaffung cinieisi „israelitischen Staates" in iPtalästina tumld lasstein esi'zu, daß tagitäglich' neuei Legionen ausgierüstet und madW Polen befördert werden. Wissen s'i« denn nichts daß von dem*Tage an dem die Paderewski, Dmows'ki und Daczynski zu Herren'Pjolens Wurden, das' jüdiu sdhe Volk systematisch ausigerottet wird? Oder wisk sen siei es! und mieinen^ daß dies1 kjg.e „Erti^glujngi" eines israelitis'dhen Staates, nun ja, sagen wie es geradfö herajuis' (begünstiglen iwird? In Paris sitzen sie alle, die Herren, und die Diener, die Befreier, und die Befirjefitfcin. Unid( esi genügte ein Wortt 'Hiur ein® Silbes ja, ein n,icht miß,- ziuverstehend'er, im richtigen Moment zugieworfieneir, BliCk ibloß, um allen Ptoromien — d'en großen und. dien kleinen — ein für alle maili ein [Ende zu nmölDe^i). Keiner tut es, s'o daß die; Polen sich im Besitze de& stillschweigenden Segienfe1 desi im Entstehen begriffenen „Völkerbulndfes" btetraChten. Möglicherweise werdein sie sich .schon iMorjgien im 'Besitze eines Mandats befinden und >als: lA^ahtllatarejidler iges'amten „zTvilisierten" Welt die Judenausrottung betreiben. Und unsere J(Auserwählten" — die werden ja auch im Völkerbund sitzen! — was werden sie machen? üeldsammieln für die, unschuldigen Opfer den Pogroms und weiter verhandeln über die Grün^uh^ eines jüdischen Staates'. Hier isit; -es' an unsi, dlem jüdisdhen Volke die reinie1 Wahrheit zu sagen. Nicht die irrejund rnißgeleitefen unwissiendjeh polnis'Chen Mass'en sind wnsere ärgsten Feinde, . , Nein. Nicht allein die/ bestialische, von Junkern geführte, polnische Soldlateska ist schuld an unserem ungeheuerlichen Schicksal. Genossen und Genossinnen! Leset und verbreitet die „Freie Tribüne",

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