Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 17 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Freie Tribüne Nr. 17 Ein großer Erfolg der poalezionistisriien Partei in Mälir.-Ostrau. Die Lokalbrgariisation d,er jüdischen Sozialist!- Bthieji Afrbeiterpartei Boale Zion in Mähr.-Ostrau, 4ie erst vor kurzem1 begirün'det \viu|rid{e, veranstaltete, arrf 24. April im Saale des Hotel „National" ieine große öffentliche Viersammlung-, in welcher Genossic' Rudolf Koh'n aus Prag referierte. Der große Versa m'mfüngsra unr war buchstäblich bis zum letzten Plätzchen besetzt. D-eir Referent schilderte die Stellung des jüdischen Proletariates., sieine Kämpfe im sozialer als auch in nationaler ftyisicht und wies aur den einzig richtigen Weg hin, >d!e|w dsasi jülJlische Prioletariat um seine sozialistischen und. nationalen Forderungen und Ziele zu erreichen» 6ieschref.te<n. mjuß — die Organisation der jüld'ischen sozialistischien •Arbeiterpartei Pioaiie Zion. Genosse Kohn wendtestle sich in steinicir, mit einem; Beifallssturm au*g.e- <iöm'ntenen Redie,, in einer enttschiiede'neli Weise gegeilt d!as unsittliche herrische Vorgehen der jüdischem Kapitalisten im angemreinein und in den Kul- (itsgenreiiicleu im b'esonderein sowie Riegeln die, die Interessen dies jüdischen Proletariates höchst gefährdende Politik der jüdischen ,,Bundistdn". Nach djörrH seitens der ganzen Versammlung mit Begeiste!- iTUjtig aufgenom'mieneini Referat e des öieinossein Kohn, sprach1 noch eine ganze Reihe von Rednern. Dier Ver'trieter dier Btmdislen Felp%ian>n< versuchte ve.rgje'bljch' gegen die tief überzcuglenden Argumente des R,e?iereuten mit demagogischen Mittielin zu ßo- Jetaistercri, und rief mit seinen klägilichen Ausfüh- Jrümigiejn jeinien ünirüstungsstu.rm in der Zuhörers'chaft hervor. Einen tieflen Ei(tid!r(iick machte die Redie epmes fschiechislcheii Sozialdemkorateu,, welcher mit einfachen Worten sieinie leigelnien Erfahugen mit detfi Vier'b'üjideten der Ostrau;er Bundüstein^ den polnißchten* Sozialdemokraten,, schilderte. Gen. Kohn» widerliegte in sieiiiem Schlußworte alle sieitejns der 'biirgjerlüchieii Zionismen, sowie dies Herrin'Feldmann vorgebrachten Einwendungen und bjelieuchtetie insber sbindere die traurige Tätigkeit dier Ver'tnetefr des1 jüdischieji „Bundies" auf dier intieiinational'en so/ialistischlen Konferenz i/n Bern, wo siie das jüdische Proletariat in einer -feigen Weise geradezu verratein', foabien. Die Versammlung bied^utiete unstreitig &psn. giroßen1 Erfolg der poal.ezionistisehlen Partei und die gtroß-e Zahtf der Anmeldungen bewies auch hier, 2aß das jüdffechb Pfrolietariat in ihr s,eiiiien legitimlein; Vertretier erblickt. In Mähir. Osjtlrau und Umgjejblulng ierwiächs&t dieser Partei «ine siehir hoffnuingJsneichiei Bewiegjuing, wie d,er Verlauf di;esefr Versammlung! 'b'ewies.en hat. Die hiesige Gruppie! dieir Roalie-Zion hatte zu Diannerstag den 3. April! m leinieim Vortrag diesi 0,en. Rubaschow— Biqrlin füb'er „Dier jüdis'chje Sozialismus «Jnd die jüdjischie Renaissance", •ein!gelia(d!ein. Der gut gefüllte große JUeslsiiiigsaal bjewiies1, daß auch in Breslau in weiten Kreisten tr;eg|es I'ntiereis'sie für die Bestrelbiuinigen der Poallei-Zion vorna'n'deii ist. Gen, Rubaschow "begann spinien Voirtrag mit ic.irier ges'chidhtlic'foen Betrachtung der Zeit na;ch der Emanzipation. Er teilte diese! Zeit der Als^imiilation in 3 GenieratikWien Gin, dere'n erste voll war von rück haltlose«; Bejahlung alles Nichtjüdischen, Freim'dlen; dierew 2. stihbm abgekommen war von idiesteinn. kritiklose^' Glaiu'bien. Die Vertreter der 3. Periode, Marx unid Lassalle steigerten diese Kritik ibis zur völligen Viertoeiniung der europäischie|n Ordnung. Alle 3 Generationen iedoc'to sind da^n'n V-erßunUie-itj,. daß sie diei Lö- «iuirug der Judienfrage in dier Assiimilation s'ehen, \tmv dü.« Argumentation untersch|eidje;t sie. Es sei kiein Ziufa.lt daß gerade Juldlen 3chöpfjer dies sözialistis'clien Gedankens seien. So im' Westen. Im Osten erschefuit dlejr jiüdüschfe Sozialismus^ d. 'h. die innige, untremabare EiWheit sozialistischer und nationaler Forderungen. Redner zeichnete darauf djie Entwicklitoig diesler Bewegung, die zu im'mer präziser aüjfjgjestellten Forderungen (nationale Autonomie) fortschritt'und so befruchtend eingewirkt hat auf die. jüdilsehe bürgerliche Welt, die sich erst später dies'e Fordleii ungeln 4X eigeft gemacht hat. ^Kopenhaigtener zionistiseihes äManifest). Diese jüdisch'-s'ozialistische Entwicklung güpfelt in der Schaff ung des allweltlic'hien VerbamdLeE der „Roale-Zion". Ihre Forderungen: Kampf des Jüdischen Püiolietariats1 um die yervvirklichung djes Sfozialis'mius in allen Ländern; Aufbau des jüdischen Palästina auf sozialistischer Grundlage; nationale 'Autonomie in der Diaspora. Redner schloß mit einem Asel] an die iüdisch-s'ozfalistis'che Inteilieenz, sich' ftidhrt mit Theorien zu begnügen;, sondern d£ti An. adhluß an die jüdfech-proletarisehe Masse zu suchen. Am! Freitag, den 4. April1 nachmittags sprach Geh. Rubaschow für die: |üd. Stüdeuten-Verbindung' „flacheruth", wo er hauptsächlich Aufklärüng über die Grund'gegensätze zwischen ^Hapoel Hazair" unMi ,;PtoaIe-ZioinM gab. Das Resultat ,war der Anschluß Fünfer größeren 2ahl Stuidenten an die P.-Z. Am selben Tage abends^ fand ,etn Vortrag dies Gen, Rubaschow im' VereiinisTokal der 3)Roalie-Zion" statt. Äeajier bericlitetfe über die Tätigkeit des Welitver- Btertwgcker und Yerantwtrlüchev Redakteur Arnold Deutsck bandes „Poal'e-Zion" und d|ie Stellung ihrer Delegierten auf der Berner Sozialistenkonfierenz. Die Ausführungen des Gen. Rubaschow, fanden aüch seitens der neu eingetretenen Mitglieder begeisterten Beifäll. Chemnitz. Die jüdische sozialdemokratische Arbeitergruppe „Poale Zion" in Chemnitz hnt am Samstag, den 2*5. April 1. J. in einer Grnppenversammlnn^ den Bericht über die Berner Internationale Konferenz entgegengenommen und nach einer eingehenden Diskussion folgende Kesolntion gefaßt: „Die jüd. sozialdemokratische Gruppe „Poale Zion" in Chemnitz protestiert energisch gegen das Verhalten der Vertreter des Bundes auf der Berner Internationalen Konferenz, die unserer Delegation in den Rücken grfallcn ist, als diese die [nternaitona'le Konferenz veranlassen wollte, an das polnische Proletariat einen Appell zu richten, es möge die Pogrome bekämpfen." Literatur und Kunst. Wir stehen ganz erschüttert ifber der furchtbaren Kunde, daß einer der besten Repräsentanten der modernen jüdischen Kultur, durch eine verbrecherische Kugel in Wilua den Tod gefunden hat. Er stand seinerzeit an bedeutender Stelle in der Arbeiterbewegung „Bund", hat sich aber spater ausschließlich der Kunst, nnd Literatur gewidmet. Bekannt sind seine Dramen: „Morgengrauen", „Feuer", „der Stumme" und eine Folge kritischer Abhandlungen. Wir werden noch später auf die Persönlichkeit des auf so tragische Weise Dahingegangenen zu sprechen kommen. Ehre seinem Andenken! Jüdische Emigration und Eolonisation von Davis Trietscn1) nennt sich ein dichleibiger Band, der in der Zeit der gespanntesten Erwartungen und deV Suche nach Formen einer großzügigen Organisation einer jüdischen Arbeitsstätte in Palfistina erschienen ist. Den Erwartungen, die an das Buch geknüpft werden müssen, entspricht bei weitem nicht der emsig zusammengetragene Inhalt. Mit wahrem Bienenfleiß ist hier'so vieles und se mauigfaltiges aufgenommen, daß man vor der Fülle des Stoffes keine Lösung der brennendsten Probleme ' sieht. Unorganisch reihen sich Betrachtungen, statistische Daten, Anregungen aus allen Erd- und Weltteilen, Kritisches und Beschreibendes in solch unübersichtlicher Weise aneinander, daß man schwerlich den Zusammenhang mit den historisch und ökonomisch gegebenen Grundlagen für den Aufbau Palästinas findet. Der Zweck des Buches ist, den Weg zu. zeigen, wie wir „dem Zwang zur Auswanderung, der in Osteuropa mit unverminderter Stärke für die gesamte jüdische Bewohnerschaft besteht, Möglichkeiten der Einwanderung" zu bieten in der Lage sein werden, „Möglichkeiten, in denen die Lösung dieses schwierigsten unter den gegenwärtigen jüdischen Problemen besteht". Ohne Kritik werden von fremdem Milieu z. B. Spitzenindustrie Nord-- frankreieh, von den belgischen Heimarbeiterinnen, von der ägyptischen Zigaretteniudustrie, Obstbau und Obstverwertung in Nordamerika u. dgl. mehr, für die künftige palästinensische Wirtschaft als tatsächlich verwendbare Muster vorgeführt. Eine Enzyklopädie der kolonisatorischen Möglichkeiten könute dieses Buch eventuell sein, jedoch nur für mehr oberflächliche Situationen. Zum Schluß sei noch erwähnt, wie sich Trietscn das Heranlöcken größerer Arbeitermassen nach Palästina denkt. Denn darüber ist sich auch Trietsch im Klaren, daß die jüdische Kolonisation ohne jüdische Arbeit undenkbar ist. Nun glaubt der Autor durch auskömmlichen Lohn, baldige Selbständigkeit, günstiges Klima und national-kulturelle-soziale Verhältnisse, wie sie nirgends auf der Welt vorhanden sind, „jede Anzahl von Arbeitskräften zu bekommen", denn „mehr ist nicht zu verlangen und mehr brauchen wir wahrlich nicht zu bieten." Vergebens wird man jedoch Mittel nnd Wege suchen, wodurch der auskömmliche Lohn, die baldige Selbstständigkeit und die günstigen sozialen Verhältnisse wie nirgends auf der Welt gewährleistet siud. n. üriel Birnbaum. Kollektivausstellung in der Wiener Zeitkuust, Wieu, i. Maysedergasse 2. Ein judischer Künstler ist es, der in einem kleinen, von Licht und Farbe überfluteten Räume, beinahe gesprengt you gewaltigen Spannungeii und monumental gestalteten Seelenkräften, sein reiches Werk offenbart. Eil jüdischer Künstler nicht nur durch sein Können (jüdisches Kunstkönuen füllt ja schon seit jeher alle europäischen Ausstellungsräume und Kuustschausäle), sondern durch sein überdimensionales, aufs Höchste zielende und das Höchste erreichen wollende Kunstwollen. In einer Reihe von Zyklen: „Biblische Köpfe", „Der Abenteurer", „Der Seelenspiegel", „Gebäude", „Totentanz", ') Orient-Verlag, Berlin 1918. „Gottes Krieg", „Ein Weg zu Gott", „Der Wurm" und die „Zeichnungen zum Buche Daniel", wie auch in den scheinbar ohne Zusammenhang aneinandergereihten Skizzen, Zeichnungen, Visionen, die doch in oiner engen seelischen Einheit mit dem Gesamtwerke verbunden sind, kündet sich ein Geist aus einem Guß, der ein geschlossenes Weltbild mit \Y o r t und F a r b e zu offenbaren hat. „Gläubige Kunst" nennt sie der Künstler nnd will sie „aus d m Umkreis des rein technischen Vermögens iß die Sphäre moralischer und sittlicher BegvitYe anfragen lassen." Mit gläubiger Innbrunst und tiefster Hingebung an. sein Wollen und \V e r k ist ihm zum Leitsatz seines Werkes ein Axiom geworden: rEs gibt kein Genie und kein Talent, keine Schule nnd keinen Fleiß: es gibt nur die Gnade, Gottes Werkzeug sein zu düifen und Gottes Berufung! So ist der Künstler und seine Welt! Was uns an ihm packt und an seine Welt fesselt ist, nicht die Verkündung seines Glaubens, sondern die Echtheit seines Schaffens, nicht das Wesen seiner Weltanschauung sondern die Kraft seiner Gestalten. Da sein AVollen groß nnd die Inkarnation dessen, nicht minder stark, stehen wir vor dm zeichnerischen Offenbarungen mit offenem Herzen und empfangbereiter Seele. Es ist ein jüdisches Temperament, das sich da in Farben und Visionen, großen Linien und monumentalen Gestalten mit prophetischer Verkündigung und eindringlichst» v Selbstzerfleischung kundgibt. Wollen wir ihn ate solchen, im Zeichen dieser so tief aufgeackeiten und umgepllügten Zeit vollauf zn würdigen lernen. Nicht zuletzt möge auf das entzückende Arrangeaieut der Austeilung hingewiesen werden. Es ist dies diis alleinige Verdienst der beiden Leiter der „Wiener Zeitkunst", die hingebungsvoll an die Intentionen des Künstlers und seiner hehren Kunst eingegangen siud und in schwerer Arbeit ein Kabinettstück erstehen ließen, das wie ein Schmuckkästehen leuchtet in Farbenpracht und Harmonie, N. Voranzeigen. Jüd, soz. Arbeiterpartei „Poale-Zion" Deutschösterreichs in Wien. Donnerstag, den 22. Mai d .).. findet im Komödienhause, IX. Bez., Nußdorferstraße, die Aufführung des jüdischen Arbeiter di am as Eisig Scheffel von David Pinski, Regie Egon Brecher, statt. Karten sind an den Tageskassen des Komödienhauses und in der Adm. „Freie Tribüne", 31'., Glockeugasse 6, Tür 17, zu haben'.' Beitrittserklärungen zu unseren Bezirksorganisationen (Arbeiter-, Angestellten-, Hochschüler- und Mfttelschülergruppen) sind au das Parteisekretariat, WTien, TT., Glockengasse 6, Tür 17, unter Angabe des Alters und Berufes zn richten, oder dortselbst mündlich von 4—G Öhr nachm. anzugeben. Zweclts Zusammenstellung eines geordneten Mitgliederkatasters werden sämtliche Orsranisntiorismitglieder des L, II. und XX. Bez. aufgefordert, umgehend dem Parteisekretariat,1 IE. Bez, Glockengasse 6, Tür 17, ihren Namen, Alter, Bemf und genaue Wohnungsadresse mitzuteilen. Bezirksorganisation Leopoldstadt der Jüdisch-sozialistischen - Arbeiter - Partei „Poale - Zion " Deutschösterreichs. Samstag, den 10. Kai, findet, im Cafe „Stefanie1 IL, Stefaniegasse 2, der 3. Vortrag des Genossen Alexander über die Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung in Rußland, statt. Anfang halb S Uhr abends. Bezirksorganisation Innere Stadt der Jüdisch-sozialistischen-Arbeiter - Partei „Poale-Zion", Deutschösterreichs. („Sozialistische Vereinigung jüdischer Hochschüler.") Samstag, den 10. Mai findet um 0 Uhr abends eine Mitgliederversammlung statt, bei der wichtige Oi ganisationsfragen zur Beratung gelangen, lieferent Genosse Alexander. Die Mitglieder werden ersucht, bestimmt zu erscheinen. Sonntag, den 11. Mai um 2 Uhr nachmittags, findet der erste Ausflug der Ortsgruppe 1 statt. Treffpunkt, Haupt- Stiege Universität. Führer : Karl Gesund, (rotes Abzeichen.) Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt und wird ein Genosse ein einleitendes Referat über aktuelle Fragen des Sozialismus halten. Genossen und Genossinnen! Sammelt Abonnenten für die ,Freie Tribüne1 Eibonnentenblocks sind im Parteisekretariate II., Glockengasse 6/17 zu übernehmen. . Sammelt für den 5000 Kronen-Fond der „Freien Tribüne'laut Beschluß der Parteiberatung. Sammelbogen im Parteisekretariate und bei den Bezirksorganisationen. Druck von Josef Hoyer, Wien, IX., Liechtensteinatraeg 3