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Freie Tribüne · 1919-03-21 · 10 (21.3.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
10 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Freie Tribüne Nr. 10 «eiheind. Es hieß also; besonders scharf jdieri! Klassengegensatz hervorheben, den besitzlosen Massen zum! Bewußtsein bringen, daß dort^wo es sich! um Brot, Kleider, billige Wohnungen handelt, die „Einheits^ florlmtel" isdhön gar lein Absurd ist. Andererseits aber mußten dem „Bund" gegenüber, der gar, nichts uim- und' zugelernt hat, und noch immer in seiner alten inkonsequenten Stellung zur proletarischen Judenfrage beharrt — die besonderen nationalen Forderungen der jü;dlisdhcn Arbeiterschaft auch hier Ufhterstriohen werden. Der Wahlkampf war ein sehr erbitterter. Er spridht für die Reifheit der jüidfischcn Arbeiterschaft, Hinkt für die Werbekraft unserer llcli.ee, daß! es' unls1 gelang, in den igrößten Städten eigen!e Katnd$djaterii dbrdhzuführen. So in Warschau, Lodz und Lublin je zwei. Die Ergebnisse in den übrigem Städten sind nlodh nicht bekannt. Die kooperative Oewepng in HestonliilEi. Nadir de'nr Zerfalle OesterreirJhfe vollzogen u;nserei Organisationen in Weßtgalizien ihren Anschluß an! die Partei in Polein und Idter im1 Dezember 1918 inj Warschau abgehaltene Gesamtnarteitag, der in feie'rlidher Weise die organisatorische Verschmelzung mit Westgalizien;vcrkünd;ete, ^setzte in Krakau ein) Rayonskomitoe für dasselbe ein. .(Nebenbei sei bemerkt, daß der „Bun!d(" seine galizisdhen Anhänger Z. R. S. riic'ht aulfne'h'm'en iwolltc, da sie noch' nidht reif seien . .,.) Das auf einer (amM 15. und 16. Feber abgehaltenjen Rajonskonferenz gewählte A. K. entwickelte sofort eiue rege positive Arbeit. Der ungeheuren Arbeitslosigkeit zwischen' den jüdischem Arbeitern Rechnung tragenid|, ging eis daran,;ein Netz von Koo.h perativen lUn'd Konsumverieinen zu;söhäffen. So wurde in! Krakau 1 Sdhneidei'r-, 1 Schusterunidf I Goldarbeiterkorporative geschaffen, die seit djemli ersten Tage mit Arbeit .überhäuft sind und viele. Dutzende Arbeiter beschäftigen. Auch eine, Kooperativie fiür Schneidje rinnen ist in Bildung begriffto Bereits imi Jänner wurde hier anch eine,' Arbeiterteeih'allie leingeridhtet, in!der täglich iiibeir 100CI Glas! Tee mit Zucker zum Pirieis vom 10 I:lellieir( verabfolgt! wurden. In Tarmow wulrjdei ebenfalls 1 Schneidjerundl II SdhiHsterkooperativei gegriündiet, die allerdings! auf! den heftigsten Widersta^dl'tdler 'Mieisfe-r .und de* betreffenden Zünfte stießen, von den Arbeitern aber energisch1 verteidigt Wieirdien. Hier w,urd(e auch eiiu ArbeiterkonsuimVerein ins Leben gerufje«, der bereits 700 Familien'' verpflegt. In Ghrzanow ist eine1 Kooperative für Bäckeir, in Osvijeciim1 und Neu-Sandez' s'olche für Schfciiejidleir im Entstehen begriffen. ► So wird deml Ele|n(d| lind der Arbeitslosigkeit] wenigstens zum Teil gesteuert. HiPtschaftUcbc und kulturelle Tätigkeit in QsfgaliziSH. Hier Ig'alt es vor allem; djen!a$shnilätoriisth!enl Großjudeni ihre Macht zu entreißen und darulm|'kon-t sftituierten ßilch1 lüberaH diie jüdis'dhlein Nationalräte!, dleinieiii von der westuikrainischlen Regierung bereits die Steuerhoheit zuerkannt wiuirde. im dien m'eisten Stä'diten, verbanden sich1 d'ie Poale-Zion und die' Z. P. S. („Buiridi") gegen die zionistisöh-orth'o'dioxei Allianz und in manchen Orten schufen sie auch jüdische Arbeitierräte. In! Stanislau schufen wir eine) jlüdische ArbeiterküchJe und lein'Arbeiterkinid'erheim1, m wejdtoöm1 die Proletariierkinder (dlein ganzen Vormittag verbringen. Sie. drh'altlejn Frühstück und körperliche. Pflege. In (Kolo'm'ea wurde von uns eine Volksschule für die Kinfder [d(c(s< Volkes ins] Leben' gerufen, in der natürlich in jüdischer Sprache unter? richtet wird. Welche Opfer erforderlich sind, kann* tn'an, sidh denken, wenn man erfährt, daß der Unit terridht nicht von beizahlten Lehrkräften, sondlern unentgeltlich von Parteigenossen erteilt werden rriuft. Fernier, daß die, Lehrmittel im ent gellt lieh verteilt werden. Bis zubn' Monate März entbehrt!en' die Organisationen jeder einheitliehen Zusammenfaslsung. In mehreren Städten begTündeten d5e Parteigenossen eigeinie Zeitungen, in Kolomea „Dos naje Leben", in Stanislau „der naje Dot", inl Czortkow „Di Kraft'; sämtliche Wochieiniblätter. Seit Anfang März erscheint „Der jüdische (Arbeiter", das Organ der früher einheitlichen Partei Oesterreichs in Stanislau, (wo auch das Parteisekretariat für das Gejbi'dt ider wiestukrainischen Republik (Ostgalizien) errichtet wurde. Besonders sdhvver ist die Situation in; dem' zer.w nierten Lemberg. Unsere Gelnosisen geben ein Wochenblatt „Volksblatt" hieraui?,d!eissen erste Nummern1 auf Befehl der polnischen 'Militärgewalt neben dem jüdischen Text die lateinische Transskription brin-' gen mußten. Diese Verursachung der doppelter^ Kosten in der Zeit der Papiernot un(d{ des Hungers' sollte die ruthenische und jüdische Presse kirre machen. Der Erfolg wird wohl ein anderer gewesen sein. Auf wirtschaftlichem Gebiete wurde Von den Lem'berger Poale-Zion einev Arbciterküche und ein Konsumverein begründet, denen d;er professionelle Arbeiterverband zur Seite steht. Bibliographisches. „Lider fyn der Frajhajt", herausgegeben vom „Oesterr. Boroehow-Fonds", redigiert von : Meilech Ba witsch. Es war eine gute Idee Meilech Rawitsch'g, diese Sammlung herauszugeben. Die meisten Anthologien diestr Art, die bis nun in jüdischer Sprache erschienen sind, hatten fast durchwegs nur zufälligen Charakter. Alle schienen in wirrem Durcheinander zusammengeworfen und trugen dem künstlerischen Geschmack nur wenig Bechmmg. Anders aber die vorliegende »Sammlung, die in ihrem inneren Aufbau schon auf ein gewisses Ziel hinweist. Man spürt: hier wirkte eine ordnende Hand. Die Sammlung zerfällt in die Zyklen: Not,- Kampf, Ideal, doch will es mir scheinen, daß auch hier die Grenzen nicht scharf genug gezogen sind; manches Gedicht in dem einen Zyklus könnte man ebensogut in dem anderen finden, ohne daß sich unser Gefühl nur im mindesten dagegen sträuben würds. Die einzelnen Zyklen fassen eine Fülle bekannter Gedichte von Perez, Ilosenfeld, Reisen, Frug u. a. m., wie auch Originalbeiträge Ton Lnber, Mestel, Rawitsch, Horowitz, Libschitz, Königsberg, Grünberg und Grünseit. Es würde aber zu weit führen, wollte ich mich mit jedem einzelnen Gedicht auseinandersetzen. Ausserdem bringt die Sammlung Uebersetzungen ans dem Englischen, Russischen, Deutschen, Polnischen usw., die meist von Rawitsch und Libschitz sfamnun. Letzterer arbeitete, mit ganz besonderem Geschick und ich will seine Nachdichtung von Valerje Hrjuasows „Der Maurer" hervorheben. In Summa macht die Sammlung einen sympathischen Eindruck und man kann ihr die weiteste Verbreitung wünschen. Das gesamte Reinertrlignis fällt dem Borochow-Fonds zu. J. S. Die neue Erziehung. Ein in Berlin gegründeter Verlag- ^Geiellschaft und Erziehung" will durch eine periodische Zeitschrift: ,Die neue Erziehung", herausgegeben von Dr. M. H, Baiegc, Unterst aatssc'krctar iirr Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, alles zusammenfassen, ordnen und neu organisieren, was an wichtigen Ansätzen zur Lösung der Aufgabfo der Erziehung im' Gejste des Sozialismus vorhaud'en in der Ueberzeiigung, daß die rreue Gemeinschaft auf der Grundlage des Bewußtseins von der Solidarität aller Menschen aufgebaut werden soll, begegnen sich die Mitarbeiten aus verschiedenen Lagern; :auf dien Spalten dieser Zeitschriift. Wir finden eingehende Untersuchungen über die Volksbildung, über die Organisation des Erziehungswesiens, eine äußerst interessante Anregung von Kurt {Busse zur Grjündung von frieien Mochschulgemeiraden für Proletarier, Zeitgemäßes über akademisches Nculeben und Lehrfreiheit., kurzum eiine Fülle von wichtigen iun,d aktuellen Fragen in gefeReicher Weise der Lösung eiitgeg.engeführt. Eine ausführliche ^Rundschau" berührt Fragen da»- Schuloiesuiidheiispflege,, der Jugendbewegung u. s. f. Die neue Zeitschrift i;st allen, diie den grundlegenden Fragen des neuen Erziehungs\v(esens Jmeressc entgegenbringen, warm zu empfehlen. Diese äußerst interessante Rede ist vornehmlich geeignet, das administrativ-organische Problem der Sowjet-Republik mit vollster Klarheit zu beleuchten. n. Revolutionsbibliothek.2) Derselbe Verlag will gleichzleitife, durch eine ,,Revolutionsbibljothek" alte und neue Schriften h!erausgelben, die g^ignet erscheinen, die Theorie und Praxis der Revolution und ihres Ziels des Sozialifsmjus 'zu fördern. Als' 1 Heft dieser Revoiutionsbibliothek lijst eine Rede Leo Trotzkis auf der Städte-Konferenz der russischen kommunistischen Parlei in Moskau law 28!. März 1918 erschienen, deren wlesenilicher. Gehalt schon in dem Titel: ^Arbeit, D&zipltn und Ordnung! werden die sozialistische Sowjet-Republik retten", sich ausdrückt. Trotzki fordert in klaren und scharfen Worten die Funktionäre der Sowjet-Republik auf, die ganze Selbstauf-« Opferung und den ganzen Enthusiasmus hineinzutragen i;n die organisatorischen Notwendigkeiten des Neuaufbaues der Gesellschaff. Eine eingehende Analyse deckt alle Ursachen der wirtschaftlichen Zerrüttung auf, weist aber gleichzeitig auf alle Möglichkeiten hin, durch entsprechende Herehibeziehung aller schöpferischen Kräfte zur Aufbauarbeit, dieser Zerrüttung Herr zu werden.. ') „Die neue Erziehung*. Sozialistisch pädagogische! Zweiwochenheft Herausgeber Dr. M. II. Baege, Unterstaatakr. i. pr. Kultusin. D. d. Post vtrlj. JV1. 5.— und Bestellgebühr, unter Kreuzband M 6.—. Verlag Gesellschaft und Erziehung G. m. b. II. Wilhelmstraße 9. Leo Trotz ky. Arbeit Disziplin und Ordnung werden die sozialistische Sowjet-Republik retten. Preis 75 Pf. Verlag Gesellschaft und Erziehung G. m. b. 11. Wilhelmstraße 9. Facharbsiter&ursB der techn. Studiengruppe des Palästina-iMes Wien. Die technische Stndiengrappe des P. A. veranstaltet Facharbeiterknrse zur Ausbildung von Elektromonteuren, Heranbildung von Elektrohilfsmonteuren, Maschinisten, Bauarbeitern und Baupolieren. Als Schüler kommen in Frage: Junge Jaden von gesunder körperlicher Beschaffenheit mit Bürgel schnlvorbildung, resp. einer dieser Vorbildung entsprechenden Schulbildung, welche zur Auswanderung nach Palästina entschlossen, in die Wiener Organisation Hechaluz aufgenommen sind. Die Kurse werden dreimal wöchentlich ä 2 Stunden am Abend stattfinden und sollen die Teilnehmer theoretische und praktische Ausbildungerhalten, welche für die obgenannten Berrifsgruppen erforderlich ist. Die Dauer der Kurse ist mit zirka drei Monaten angenommen. Die Teilnshmer haben bei der Einschreibung eine Gebühr von K 2.— zu entrichten, im übrigen erfolgt der Unterricht unentgeltlich. Anmeldungen sind umgehend zu richten an : Die technische Studiengruppe, des Palästina-Amtes, Wien, II.,.Zirkusgasse 33. Voranzeigen. Vereinigung jüdischer Sozialdemokraten „Poale- Zion", (Wien, I., Cafe Adler, Schottenring 12). Am 24. März 1919, findet, die ordentliche Mitgliederversammlung mit der Tagesordnung: 1. Bericht des Ausschusses, 2. Neuwahlen des Ausschusses, 3. Bericht über Parteiberatnng, 4. Wahlen zum Arbeiterrat, 5. Presse, (i. Agitation, statt. Alle. Mitglieder werden dringend aufgefordert, wegen der Wichtigkeit der angesetzten Punkte pünktlich zu erscheinen. Sozialistische Vereinigung jüdischer Hochsctoüler. Donnerstag, den 27. d. M., '5l/2 Uhr nachmittags, im Kingcafe, I., Stubenring 18, Seminar. — Samstag, dea 29. d. M.,, 5 y2 Uhr nachmittags, im Cafe Fetzer, IL, ' Praterstraße 8, Vortrag des Gen. Dr. Wattenberg: „Bürgerlicher und proletarischer Zionismus." Gäste willkommen! — Die. Mitglieder werden aufgefordert, die „Freie Tribüne" (zum ermäßigten Preise von 3 K pro Vierteljahr) zu abonnieren, besonders da der Ausschuß in der ßegel nunmehr an dieser Stelle Mitteilung von den Veranstaltungen machen kann. Akademischer Verein jüdischer Sozialisten „Cherut." Samstag, den 22. März 1919, Vorlesung Lia Eoseu im Niederösterreichischen Gewerbeverein, I., Eschenbachgasse 11. Anfaig pünktlich V26 Uhr abends, — Sonntag, den 23. März 1919, um 4 Uhr nachmittags, findet im Lokal, des allg. jüdischen Arbeitervereines „Poale-Zion," Stefaniestraße 2, eine Partei-Plenarsitzuag statt. Es ist Pflicht, pünktlich zu erscheinen. (Lokal-Komitee „PoaBe-Zeow" Wiera Donnerstag, dan 27. d. M., findet irn Saale „Reichshallen" (I., Dorotheergasse 6) eine Dr. max Rofenfeia-ßedeiKVTtftr statt. Es wirken mit: Gen. Dr. Wattenberg, Opernsänger Körner, Gen. Ozuczka und ein Bläserquartett des Hofopern-Orcjiesters. Karten zum Preise von 15—5 K zu haben bei: Administration Freie Tribüne*, II., Glockengasse 6, Tür 17 und in der Buchhandlung Löwit, I., Rotenturnntraße 22. 3. Preßfond-Ausweis. Der Ausschuss des Vereines >Poal-e-Zioti<, XX., drückt dem Genossen. Hauflietr das tiefste Beileid, zum Absterben seiner Mutter aus. Im Kample lür unslrfdeal soll er Trost finden. Bei dieser «elegenr eit kondlolleren und «npndsn für den Pressfond: Der Ausschuss K 5.—, M Mltnik und rran spenden für ^enm^d\8ts^nnaund Frau K in.--, Wilhelm Ooldfischer K 5.-, OH« Czaczkes K 4.— Pineas Czaczkcs K 2.-, Moses Okin K 2.-, Hermann Feldschuh K 5- Joset Böhm K 2.-, Honsel Weinlcs K 2.-, Markus Brumenleld K K- Josef Heber K 2.- (gesammelt durch den Gen. BlumcnfeldT Krlm-Feler'des allg. jüd. Arbeitervereines K 100.-; Preiheltsl.ederabend 8:100 -gesammelt durch Oen D. Manie K62.-; Un Rosen K 10.~, S Wendkat K 1.—, Pr. Dr Bloch K 5.- (Sammelbogen H. Nagler); H. Neumh K 2,-i Gen. Schleimer K '2.60, Gen. Drcif Kl,- (S?"}«elb°Se"J°e; nosae Schorr); Öen. Willi Feldschuh und Frl. Reglne Lewonhack empfehlen sich a's Verlobte und spenden K 100.-, Rudolf Feldachuh K 20.-, Jakob K.ufmann K 10.- 'gesammelt durch Gen. Feldschuh). Zusammen K *4<».00, Bisher K fi.tl.-. Gesamtbetrag K I507.MO. Die Genossen werden gebeten, die gesammelten Preßfondgelder sofort abzuliefern. An die Genossen und Genossinnen in Wien und in der Provinz! Wer den direkten Vertrieb der „Freien Tribüne" übernehmen will (gegen Bezahlung), wolle sich an die Administration, Wien, U., Glockengasse 6, T. 17, wenden. Genossen und Genossinnen sammelt für» den Pressfönd I Herausgeber und Terantwortlicher Kedakteur Arnold Deutsch. Druck von Josef H o y e r, Wien, IX., Liechteustciustraße 3

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