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Freie Tribüne · 1919-02-28 · 8 (28.2.1919) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
8 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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REDAKTION n»d VERWALTUNG: Wies Iii GlochengÄSi« t ErseMit jeden Frtitag. Freie Tribüne BEZUGSPREIS samt Zustellung: Gaiagfikrig . . . K 15.— Halbjährig . . . K 7.IO Tiarteljfthrig . . I 3.89 £iuztinnmmer 30 Heiler. Or^n dLe*» jiäctf »einem ©ozie^IdieKoolx^eitisolxen Partei „X»oekle Zion" Proletarier aller Völker vereinigt Euch! I. Jahrgang Wien, 28. Februar 1919 Nr. 8 An die Geno&ften ind G<*iH>*»iin«» in Vien nnd aoftwärt»! Da. unser Blatt, als unabhängig«* jüdische» sozialisütistlif« Organ, toh mmiai.d Subventionen nimmt und »ur von *« iscn Lesern erhalten wird, richten wiv an alle PartHnenoxsin und Freunde die Bitte, für die „Freie Tribüne" eifrig anwerben und sie überall zu verbreiten. Mit großen materiellen Schwierigkeiten haben wir zuk»nrpfen.AUe,die willen» Hind, daß unser Blatt weiterbestehe, mög-en sich in Gruppen vereinigen,4l< j>ev die Verbreitung unser*» Blatte» .obliegen mjII. Verlanget in »llen Gastwirtschaften niid KafleehSn^ern. wo Ihr verkehrt, die rFreie IribSDe"! SaB»*i*lt für n»«eren Preßfoad! Werdet alle Abonnenten nn^irs Blattes! Die YerwaltiRnsr. Nach der Bbpbif HonfiPBOz. Schon bei den Vierhancißiingen über die ^territorialen Fragen*' ist es nach eirnjcr, scharfen Auseinandersetzung zu einer Verständigung gekommen und bei dier Frage der Rückkehr der deutschen Kriegsgefangenen herrschte vollständige Uebereinstirrnnjung. Immer mehr sind im Verlaufe djer Konferenz die Gegensätze ges|chw|Uin|d(en und dies ließ erwarten, da.ß die Harmonie; des1 internationalen; Proletariates im; Kampfe gejgen den Kapitalismus1 wiederhergestellt werd|en könnie. Klar und deutlich (hat die Diskussion über „Demokratie un!cl Diktatur" diese Erwartungen b'estätijgt. Die- Auseinandersetzungen haben einen tiefen Ernst gezeigt und Reichte ,unjd| Linke waren sieb der Verantwor'- tung bewußt, die dlie Konferenz durlch eine definitive Stellungnahme zu dieseml Problem ,auf sildh genommen hätte. Sogar die russis|che Delegation, die dfie hcftijgsten und erbittertsten Vorwürfejjegen die Bolschewiki erhoben, forderten nur eine Untersujclrnngskommiission, nicht aber eine Verurteilung der rassischen Machthaber. Bei dOcseir Frage, an der alle Völker gleich v stärk' tntencssJiert sind, versehwanden alle nationalen Unterschicdle und deutlicher, ails sonst ließ siicb dier' internationale Sozialismus vernehmien. In dieser Frage wurdleni 3 Erklärungen abgegeben, von Branting,, Fritz Adter- Longuet und unserer Delegation. Im allgem|einen waren alle 3 einander gleilch un|d| wüc'hen nur in den Einzelheitein voneinander ab. Wiewohl tdfie Konferenz in aller Eile fast ohne Vorbereitungen zustande; kam), hat mam aus dien Beratungen feststellen können, daß die Kluft, die das Proletariat dier einzelnen Länder voneinander trennte, überbrückt würde, until, daß sich die verschiedenen Parteien einaniciler ,umso< eher nähern, je mehr sie soziariistisiche Arbeit auf sich nehmien. Je aktiver sie ihren sozialistischen Aufgaben; gerecht werden, desto, «stärker wird1 die MacTtt des internationalen Sozialismus.'. Wie hat sieb die Konferenz zu dkn .Forderungen d>es jüidisichen Proletariats gestellt? Ohne Uebertreihung können: wir behaupten, daß dt* gesamte Berner Konferenz ohne Unterschied sich ganz auf unsere Seite gestellt hat und unsere Forderungen sowohl bezüglich der nationalen Rechte in dien Wohnländlern, als awdb bezüglich Palästina vorbehaltlos akzeptiert hat. Die aufklärende Arbeit unseres Verbanjtfebüros hat schon früher zur Anerkennung ,unserer Forderungen von Seiten: aller Parteien geführt. Nur zwei Piarteien habein uns nicht verstanden, od(erf wollten es nicht: Die polnischen Sozialisten« und die deutslchösterreichischen Genossen. Die polnischen Genossein waren in Bern nicht anwesend und; deshalb wissen wir nicht, inwieweit sie ihre Stellung zum jüdischen Proletariat« rev.'fcfrerai werden. Die deulschöster reichischen Genossen aber werden gewiß mit unseren gerechten Forderungen rechnen müssen. Sie werden sich dien Forderungen, deren Erfüllung die Existenz und der Fortbestand unseres Volkes erheisdit, nicht entgegenstellen noch an ihnen vorbeigehen können, wenn sie sich nicht wegen der schmerzvollen JuMleufrage werden außerhalb der Internationale Stellen wollen. Die polnischen Genossen aber, die;n Jircin sozialistbcnen Bewußtsein und Pjflichtgefühl nicht besonders hoch geschätzt sind', werjdieni, wenn sie in der Judenhage bei ihrer bisherigen Stellung beharren, wie van Kool gesagt hat, keinen Platz in der sozial istfeehen Internationalen finden. Die neue sozialistische Internationale wird vieles verbessern müssen und sie ist an dfese Arbeit schon herangetreten. Zu d(en alten, Feh lern gehört auch ihre frühere Stellung zur jüdiisch -sozia listtschen Bewegung. Auch hier muß Renr(eid{ur geschaffen werften, so bald ganze 'Arbeit geleistet werden soll. In diesem Punkte hat die Internationale vollständige und! ganze Arbeit geleistet. Unsere Forderungen sind ein Teil des Programme der Internationale. Das Unrecht, dlas wir jahrelang erduldet haben, ist gutgemacht, dlie Tore der Internationale sind auch dem jüdischen Proletariat geöffnet. Auch das. ist ein Symptom1 der Gesundung. M. S. Die Flucht vor dir Revolution. Jage die Natur dureb die Tür, sie kehrt dann wieder Idiurcb das! Fenster. Eines glaubte Ebert anders' als Kerenski machen zu müssen. Die konstituierende Nationalversammlung wollte er im/ Gegensatz zu ihm! so rasch als irgend möglich einberufen Nicht etwa deswegen, weil er in der Nationalversammlung das1 alleinige legitime Vollzugsorgan des sozialistischen Arbeit er willens sah, sondern geradle deswegen, wieil er die Entstehung eines solchen revolutionären Arbeiterkonvents befürchtete und dessen Schaffung verhindern wollte. Aus' der historischen Episode „Kerenski" hat er gelernt, daß ein von dient Willen der Arbeiterklasse enTporgetragener Volkstribun nur solange das' Ruldter in seinen Händen behalten kann, als er durch intuitives Fühlen unld geschichtliches Erkennen geradleaus' auf djas' die Massen bewegende; Ziel hinsteuert, und er wollte sich von diesem lästigen, dem revolutionären Gesetze entsprungenen Imperativ emanzipieren. Der Aufstieg und der Niedergang Kerensk'is' hlat deutlich offenbart, daß man dlas1 von dier Revolution 'empfangene Mandat nur djazu unidl nur "insolangje ausüben kann, als (män selbst, wenn auch' tastend und{ manchmal sogar irrend an dfer Spitze derselben zu schreiten gewillt ist. Schwankt man jedoch, odier versucht man gar,, dlas! Tempo dies revolutionären Geschehens zu verlangsamen, dann wird! man früher oder später von den Rätilern des historischen Werdens unbarmherzig zermalmt. Bürgerliche oder sozialistische Revolution? Bürgerliches oder proletarisches Parlament? Bürgerliche oder Sowjet-Republik? So stand' vor Kerenski die Frage. An seiner Halbheit, Schwachheit und historischen Kurzsichtigkeit ist er zugrundegegangen. Ebert wollte nun diesem Dilemma ausweichen. Er begriff söbr wohl die große Gefahr dier zu lösenden Frage: Nationalversamlmlung oder Rätesystem:? und wollte döese in der Weise aus der Welt schaffen, indem er d|ie natürliche Entwicklung vor eine vollzogene Tatsache stellte. Hier ist die Nationalversammlung. Daran gibtis nichts zu rütteln. Eine andere Möglichkeit ist sonach ausgeschlossen. Und er selbst glaubte sich vor der Revolution dadjurch zu retten, daß er das von i h r empfangene Miandat in die Hand der von ihm geschafenen Nationalversammlung legt, umi es von dterselben wiedler, aber schon zu ganz anderem als zu revolutionärem Zwecke, zu erhalten. Gut gedacht. Glänzend!, vorbereitet. Um so jämmerlicher das Resultat. Die mit Hilfe der bürgerlichen Meute und des von Geburt aus verkrüppelten Zentralrates durch die offene Türe gebannte „Sowjef-Gefahr kehrte mit dem aus Berlin wehenirüen Nordwind durch das* Fenster wieder. Schon am 31. Jänner haben die Berliner Arbeiter- und Soidjatenräte den ,,genialen Einlfall". Eberts genau erkannt und ihn auch ganiz unzweideutig gewürdfigt. Die Vollversammlung' der Berliner Arbeiter¬ und Soldatenräte, diejenige Körperschaft, aus deren Hand Ebert im denkwürdigen 10. November sein später so schmählich mißbrauchtes Mandat empfangen hat, versammelte sich am 31. Jänner zu i hrer zweiten Tagung und lud) mit Rücksicht auf die Wichtigkeit jdier zu beratenden Fragen: Rätesystem — National versa nimilung -- Verfaiss uingsi ge setzen twu rf — den Rat der Volksbeauftragten zur Teilnahme ein. Und siehe da: Die „'Volksbeautftragten" lehnten das' Ersch'eiJ nen höflich ab. Ist es; nicht eine Flucht vor der Revolution^ wenn die Volksbeauftragten; gerad[e. vor derjenigen Versammlung nicht erscheinen wollen, die sie zu Volksbeauftragten erhoben hat? Ist es nicht Lianidierung dier Revolution, wenn) sie sich1 beeilen, ihr von den Berliner Arbeiterräteln! empfangenes Mandat in dlie Hände der vom Bürgertum1 gewählten oder mitgewählten NationalVersammTung niederzulegen? Und ist es nicht Konterrevolution, wenn |die gestrigen Vo'Iks'beauftragten heute vor ujnö als Rei chsverweser erscheinen und laut verkünden: unser revolutionäres Mandat ist erlosdhen; unsere Generalvollmacht zur Wiederherstellung" von „Ruhe und Ord(n|ung" tritt in Kraft:* In klarer Erkenntnis' der historischen Situation verkündete d|€ zweite Tagung der Berliner Räte; „Die Arbeiter- und Soldiatenräte sind die Träger dier revolutionären Errungenschaften. Eine baldige Neuordlnung Deutschlands in wirtschaftlicher, politischer und sozialer Beziehung ist nur möglich' unter aktiver Beteiligung des1 werktätigen Volkes1, das1 sich in d(en Arbeiter- und Sold&tenräten ein|ef dier Umwälzung dies Staatswesens entsprechendle' Vertretung geschaffen hat." Deutlicher konnten die Berliner die Bedeutung dies Rätesystems nicht mehr präzisieren. Sie schilt djern dann weiter die den Räten drohenden Gefabren: seitens der Bureaukratie, welche ihnen passiven und aktifven Widerstand entgegenstellt; seitens des kapitalistischen Unternehmertums, weilches ihnen die Anerkennunjg versagt, sowie seitens des1 Offizierskorps und{ erklären: „Vor allem droht aber den Arbeiter- und Sotdatenräten aus dier N a t i o n' a 1 v e r s a m m 1 u n g eine ernste Gefahr. Diese gesetzgebende Körperschaft hat eine starke rätefeindliche Mehrheit, Es ist zu erwarten, daß tUiese Mehrheit ihre Macht dazu mißbrauchen wird^ die Arbeiter- und Soldiatenräte völlig zu beseitigen." Und in Erwäg*ung dieser Tatsachen beschließt die Tagung folgendle Resolution: „Die am 31. Jänner 1919 in der, Philharmonie tagendie, von über 2000 Teilnehmern besuchte Vollversammlung der Großberliner Arbeiter- und Soldatenräte, sowie dier kommunalen Arbeiter- und Soldiatenräte dter Gemeinden Großberlins richtet daher an düe Arbeiter- und Soldätenrate Deutsch lands die Aufforderung, Schulter an Schulter mit ihr gegen jede offene' odjer versteckte Vergewaltig gung der Arbeiterundi Soldatenräte anzukämpfen. Die Vollversammlung fordert alle Arbeiterunid Soldatenräte Deutscblanid{s auf, mit ihr gemeinsam) vom Zentralrat der Arbeiterundi Soldatenräte Deutschlands die schleunige Einberufung eines Rätekongresses, mindestens im1 Laufe d(es~ Monats Februar, zu verlangen. Es gilt Euer Sein, es' gilt Euere) Wirksamkeit für Sozialismus* und politische Freiheit, es gilt das. Wohl dies werktätigen Vofkejs'i Seid wachsam und! bietet der drohenden Gefahr die Stirn." (Also einen Rätekongreß und nicht eine Nationalversammlung verlangen die revolutionären Berliner Arbeiter. Und von dfieser Forderung bis zu derjenigen: die ganze Macht den Arbieiterräten ist nur e i n Schritt. Gehet also, Ihr Volksbeauftragten, nach Weimar. Fliehet vor der Revolution, allein bildet Euüh nicht ein, daß Ihr noch im Besitze dlesjenigen Mandates seidl, das Ihr aus der Hand des Berliner Proletariats empfangen habt. Nein! Die Berliner Arbeiter und mit ihnen diejenigen j^anz Deutschlands rufen Euch laut nach : Nicht mehr seid Ihr unsere Beauftragte, nicht mehr' waltet Ihr des Amtes dier Revolution. Was Ihr noch sonst seid, wes Amtes Ihr nodh sonst waltet, das saget Euch selbst. Alexander Scrpow. , Gedruckt auf Grunil d«r l'ivien Diskussion. (Red.) Organisiert Euch politisch und gewerkschaftlich!

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