Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 6 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sitte 4 Freie Tribüne Nr. ö Möge das jüdische Proletariat in Polen aus der TÖfigkeit seiner parlamentarischen Vertretung neue FÖrdererung in seinem Kampfe für soziale Gleichheit «rtd nationale Freiheit gewinnen. Perspektive und Mlicblieit. (Q e d a n k e n,) „Je finsterer die" Nacht, dfeislo heller dd« Stieme", sajgft ein kluges Sprichwort. Noch nie! war der Widerspruch so hervorstechend zwischen '»tfeüM1'Stern, dfeim Wejgweiser, dien einzeihen Lichtpüpkten, dte aus uneind|licher Ferne funkeln und dleir finsteren blutigen Wirklichkeit d(er Gegenwart. Noch frie war dire Stunde so nahe, in der die Hhnmelstore sich öffnen und 'die Pfbrten des zukünftigen Piaraidiesels — Sozialismus sich breit auftwni sollen. iWeim, trä,umte (vor ,,vier fünf Jahrein von einer sozialfetilschetn Republik? Und dtoeh?. lAjidiererseäts aiber istanb'fen wir noch nie vor jeiftem sölchen Ruin, wie heute: dfre Produktion, die Infcl|ustrie, tue1 Arbeitskräfte, die Landwirtschaft, die Etneiigie, dfiie Ne|riven, der »Mut, der Wo sind wir? Bis (heute warein wir nicht und auch jetzt sind) wir nicht in diemt Ejlemtejntaren. Wir suchen diie Svnthese diefs Elementaren mit dem Bewußtsein, denn unter Bewußtsein versteht man Organisation, Planmäßigkeit. Un!d jetzt ist es klaiejr d|enn je, daß es töricht ist, mit verschränkten Arme^i dazusitzen und! zu warten, bis der elementare Prozeß sfeh zum Sozialismus dlur'chrinlgen wktfl.. Wo man es zu tun versuchte, führte e£ in der Regel zuni praktischen Anarchismus lunjdt (bei uns1 zu!m Güles'-Nih'ilismus^ Su'cht iman tiefer diel Wurzel aller Piarteidafferenzierungein in djer jüjdlis'cheai Afbeitermassc, so finfdiet 'm!an{ unter dföfr sozialflstifsfchen, demokratischen Schale den wahren Kern dies altbekannten nationalen Nihilismus. Sie^glaüben nicht an sich, an diel Klasse, andie Nation; sie glau'befn an c'fes- Elementare, an die Perspektive;, an jene hellen, glitzernden Sternldn. Wir aber glauben, daß mfan jeftzt, nicht so siehir der großen Perspektive bedürfe, jener fernen und glitzernden Stefrne. Wir müssen uns um die nächsten Aufgäben umsejhen, wir brauchen Licht, strahlende Wärmei. Besonders sehwefr und! verantwortlich sind die Momente die(s Stunmes. Es1 eilen die Winde und Glau'be — alles ist ruinieirt, zerbrochen. Der bin ■ ■ . _ . tfte, käptal'istilsiche Imipe(rialismUs hat sich als eiw » eilen dem Sturzwellen nach. Es .geht im Galopp, weit sichreeklicherer Teufel erwiesen, als ihn un- Stunden weiidjeln zu Perioden. Ta<re zu Enochen. sere Pthantasiei gemalt hat. Wahrhaft, wir leben in leiner iZelit, i|n qer es alllen klar ist, dlaß die Bourgeoisie tiiej iWelt nicht weiterhin bieherrsidhen kann, daß sie lums in einen Sumpif warf, aius1 djem sie uns nie mehr herausziehen kann und wflrjdl Aber sind dletin in Wirklichkeit ädhion Kräfte! vorhiandleu. die diie schwere, unid' verantwortliche Arbeit der Wiedieraufri'chtuaig eine,r gesellschaftlichen Ordnung zu übernehmejn imls!tajn)d!e> fcfintll? Es soll hier nicht Wied'er zu tEr'Iäutefrfujnjgien flüihren, dje in /'diesem/ /nteressei sthon vielfach erörtert worden sindl; es »oll (bloß gesagt w£ifdje{n;: vielleicht ßinjdl diejenigen iml Rechte, die, ato ein Vortiian^ensein dieser Kräfte Igjau'ben lokter üiiebe, die ein solches verneinen und Stunden werjdjeln zu Perioden, Tage zu Epochen. hi solcher Stunde Hejgt aber auch die Gefahr nahe: Epochen in den Staub zu trelten. Vorsicht! Der „Schatz" aus Perez's Erzählungen: lockt und ruft, verspricht Bejrge voll GoMj, Aber der gejsunjdle Volksins'tinkt des einfachen Juden (hält an seinejn Prinzipien fest, an seiner kineren; Disziplin. Unjd er wartett, bis d{er SchabeS vorübergeht. Der jüdische Arbiter steht vor einer großen Verführung: glä'rizenkilE Schiätze locken wie Irrlichter — einein Sprung nur und! er ist glückIijchl. Einen Sprung nach rechts und etr sitzt mit dfen Zionisten ami grünen Tisch — im schätzclreichen „Völ- Rerbund!" undi erhält Palästina nach Wilsons For- W-p.;«*«* Kraft die alte M*M, ^Ä^^f^fi ides Kapitals! bleibet •■ ■ : ■ MM ülennoch ist wedielr das eine noch das an dere richtig, wte$ex dieses noch jenes wahr. Ich sehe nicht die» giesehjossenen Reihen d|er zukünftigen Gesellschaft, ich sehe nicht die Einigkeit de6 "iPjroletafiats, welchejs' geschlossen sein neues Lebbien) schafci und s^htmiÄn sioll. Es < ist wahr, tiiaß-wir sehr oft „verelinajgt" schlagen unid; eben deswegejn sind: unsere Hiebe tötlich; aber das Proletariat marschiert in geltrennten Kolonnen und in besctndereV Richtung. Es ist aber eine Erfahrungstatsache, daß man, wenn e£ ans' Bauen, Schaffen geht, zusammen marschiejren, geschlossen gehen knu'ß. Denn, wenn wir keflnie einhieitliehe Marschrichtung halben, können wir nichts, e|infaic!li nichts erziekln. Das ist alt, aber wahr. Und noch bitterer ist die Wahrheit>ra.ls mm mefinA. Des^efeen isit ucrmrc|ne|li „w wn lHiy. im die ReMution in Hotel Continental eine von fast Ü000 Studenten buchte Kommunisten nähe und ets funkeln schon aufg^e- Sipeicherte Schätze sozialistischer Revolutionen, cK« mit eiriemnial &He|m Weh unid allen Sorgen d|er Menschheit eEn;En!d!e bereiten. Vorsicht, Genossen! Ohnei Eile! Wir stehen erst im' Anfang der hefuen Epoche djer Arbeit, des Schaffehs» Und d^s könnt ihr nur an Wochentagein, iml schweren; Alltag dlejs Kampfes' undl der Arbeit, wo wir nicht nach Schätzen suchen, nach flimmeriniden Stefrhlein, sondern Wärme, Licht. Von der Partei. Berichte, Protcstvcrsammlung gegen das Attentat auf die Lernfreiheit. Dienstag, den 11. Februar H"»19 tagte im störunigsarbeit unid so herzreiißenid! zerstörend in ihrer zweittki Pihase — der Phase dies Aufbauens. Ulnkl noch weniger sefhe, ich djiie Mögli'dhkeit einer. Aufrichtung jener altejn, angefaulten Wirtschaft ein uinjd tilie plötzliche Ge|nesuin^ dieses Kranken lin den letztein Zügen, cHer dann sogar alle Gebrechen der heut'igejtt Gesellsthaft m kurieren imstawfcsein ^ifeu'^re. Er bot aber dem deutschradikalen Teile der soll. Soziale Pferspelktive und soziale Wirklichkeit . . Versammlung", die ^egen das unerhörte Vorgehen tlei- Profesfiorenkollegien, gegen den Ausschluß der Ausländer von den Wiener Hochschulen Stellung nahm. Der große Andrang zu den Wiener Hochschulen zeitigte zwar einen .Platzmangel, der aber entsprechend den konkreten Vorschlägen der Studentenschaft bei geringem gnten Willen Nah und fern ... In noch größerem Maßej bemerken wir dasselbe auf nationalem Gebiete. Noch nie hat der nationale Stern deir Völker so hell geleuchtet, wie heute. Unid niei noch schienen die schönsten, na- ,ierai08l.rK tfonalen Befre|iungsträuime ihrer Realisierung näher l^m'JBl^'tr,o denn heutet UniT dennoch? Können wir dennoch "X?en Fonko die Tatsache vetrsehweigen, dlaß das jüdische Volk als solches in seinejn Klassen, als dien Teilen djes nationalen Könpers, noch lanjgel nicht bereit urrtt oirganisiert ist? Objektiv Sozialismus und sub-« jektüve ZeiHbrochenheit, zerfaulte kapitalistische' Uel^errefete. Objektiver Zionismus und subjektiver Chiles, sumpfige Zerrüttung, Fäulnis. Pogrome und Deklarationen, Dekrete und Hunger, das sind, die Perspektiven und Wirklichkeiten dier heutigejn Gesellschaft. Beide Pfole) — möigen sie auch noch so weit von einander etntfernt sein entspringen (:!och dei'selben Quelle. — dfenv Elementaren. Das große, miächtige Elementare hat die wild<en Formen d;e)r r3ewegung hervorgerufen, die aus ihrer Planmäßigkeit und ZieÜbewulHheit einen vulkaiiischeu Aufstand unrzugestaltein drohen, einen Aufstand dJes Gedankeins, der Intelligenz, aus ihrem bankrotten Humanismus einein Au Ist ami des Instinktes, der Masseln, ihrer aufgeregten elementaren Sedleiiei(genscha:rten. Die einen vereinigen sich, schreiben Dejklarationen, erlassen Dekrete; die anderen wirkejn pöbelhaft, rauben, schlagen, morden. Beidki lehnen sich ai*r. gegen ihre lange 'Knechtschaft, beide spielten ihren letzten Akkortfi. ötiidentenschat't den geeigneten Vorwand, die Ansschlk-ßnnj»- »Amtlicher Auslander, aach aus Jahrgangen und'Fachschulen w\ verlangen, in denen eine Ucbcrfüllnng keineswegs besteht. Die Prot'essorenkollegien fügten sich diesen Forderungen, die nicht nur aller Traditionen der Wiener Hochschulen Hohn sprechen, sondern auch eine furchtbare Härte und Herzlosigkeit für alle Hörer bedeuten, die von ihrer geschnitten, ohne Mittel dastehend, an ihrem kommen verzweifeln müßten. Die Marburg er Vorgilnge zeigten deutlich, »laß der Ausschluß der frcindstaatliehen Hörer — diesmal der Sluvewen — nichts anderes als eine Repressalie bedeutet, die umso schimpflicher ist,;üs durch sie "Wissenschaft in politischen Streit gezerrt wird. Die Versammlung, in der die jüdischen Sozialisten durch den „Akademischem Verein jüdischer Sozialisten Chernt* und durch die „Sozialistische Vereinigung jüdischer Hoehachüler" vertreten war, nahm einstimmig eine Resolution au, in der die Aufhebung der betreffenden Erlässe und Yeriügungon bis Freitag 1 2 Öhr mittags und die Bildung eine? HoehsehulausHchusses nuf Grundlage des gleichen nud geheimen Proportionalwahlrechtes verlaugt wurde. Die Resolution wurde allen in Betracht kommenden StaatNiimtem, den Rektoraten, sowie den Giäsaudtschalten überreicht. * Wir horten, daß dieses energische Vorgehen dift kompetenten Sfelleu endlich zur Besinnung bringen wird. Aus Palästina. Unsere Partei entwickelt, wie uns berichtet wird, trotz aller Diangtsalierungen, dessen Sie während des Kriegszustandes seitens der türkischen Behörden ausgesetzt war, eine überaus rege Tätigkeif. In Jaffa und .Jerusalem sind Arbeiterbüros eröffnet vrtrden. Landwirtschaftliche und industrielle Arbeitergenossnusehaften (besonders für öffentliche Arbeiten) werden ins Leben gerufen. An der Organisierung der palästinensischen .Tadenheit nimmt die Partei lebhaften Anteil. Am 7. und 3. September t'md gioh Partei ksaferen z statt, zu der Delegierte aus Jaffa. Jerusalem xmi den Kolonien, sowie Vertreter dfr aahlieichen Mitgliedt-r ia «leir amerikanisch-jüdischen Lgion erschienen waren. Die' Kaafe-1 ren« befaßte sieb u. a. eingehend mit der Kr*g* der Ver-1 waltung des Landes in den ersten Jahren na. h dem Kri«ge\ und sprach sich dafür aus, daß die Verwaltung in die Hlade einer Macht (England oier Amerika), jedoch unier internationaler Kontrolle gelegt wird. Die KcnlVren« besprach ferner die Tätigkeit der Zionistischen Pal;\stinak<mmission und forderte die Znlassnug von mindestens zwei Vertretern der Poale-Zion zur Wahrung dei Interessen der Arbeiterschaft. Das Leichenbegängnis des Gen. Max Roseofeld findet Sonntag, den 16. Februar um halb 10 Uhr vor«, statt. Die Genossen treffen sich um 9 Uhr vormittags am Zentralfriedhof 1. Tor. Voranzeigen. Vereinigung judischer Sozialdemokraten „Poale- Zion'4 in Wien. Voranzeige zu der am Samstag, den 22. Februar 1919 in den Lokalitäten des „Cafe Indnstriell«na, Wien, I., Konkordiaplatz 4, stattfindenden liferarisch-mnsikalischen Akademie. Beginn 6 Uhr abends. Karten im Vorverkauf K 2.50. An der Kassa K H. - . Karten sind zh haben : Cafe" Adler, f., Schottenring 12, Cafe* Industrielle«, I, Konkordiplatz 4, Buchhandlung Löwit, I., Rotentnrmstraße und bei der Verwaltung dir „Freien Tribüne." Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein „Poale-Ziou.** Dienstag, den 25. Februar 191« im Verunsfokal des Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, Mitgliederversammlung. Beginn halb 7 Uhr abends. Achtung, Genossen! Mittwoch, den 19. Februar .1919, 6'/, Uhr abends, findet eine wichtige Parteiversammlung statt. Ort : II., Stefaniestraß« 2, Tür 34. Das Lokalkomite». Sozialistische Vereinigung jüdischer Mbchschüier Mittwoch, den 19. d. M. um 6 Uhr abends im Ringkaffee I, Stnbenring 18, DiBkussionsabend. Referat: ^Die Eigenheiten des jüdischen Wirtschaftslebens.44 Referent: Dr. Bienenzucht. Selbst kommen! Gäste mitbringen! Der jfid.-soz. Arbeiterverein „Poale-Ziön" XX. Bezirk veranstaltet Dienstag, den 18. Februar 1919 um 6 Uhr. abends eine Theatervorstellung im „Hotel Post," I., Fleischmarkt. Aufgeführt wird „Familie Zwi" von D. Pinski unter Mitwirkung der Lemberger Theatergesellschaft. Regisseur: Josef Guttmanu. Der Reinertrag ist für die Arbeiterbibliothek bestimmt. Karten sind im Parteisekretariat, Wien, IL. Glockengasse 6(17 zu haben. Nachrichten des Palästina-Komitee Poale-Zion Wie« Ks wird hierait bekannt gegeben, dass das PalHstina-Komitee Poale-Zion mit dem Site in Wien, II, Glockengasse G/17 y»büdet wurde. Das Palästina Komitee hat folgend« Aufgab««: 1. Förderung de« Palästina-Arbeitc.rfon les. 2. Aufklärungen über Pal5»«tina durch Herausgabe und; Verbreitung von Broschüren, Flu^schiiften, Abhaltung von Versammlnngen, .Vorträgen, Kursen u. r. v. 8. Errichtung eines Arbeiter-Iniorniatinjishüros zweeks Erteilung voa Auskünften. Fmiirilung und V»rmhtinng vo» Arbk-iumöglichkeiten in Palästina und w-fhgeh«nd»te \'erbr«itung und Publizieinng de)Sf.-ib*>n. Dae Palästiua-Komitce hat die *nr Durchführung dieser Anfgabwn notwendigen Verbindungen mit dem Anslaade und Palästina angeknüpft, beziehungsweise entapwik«'»ie Schritt.« unternommen. Auskünfte Wie«, IL, Glock«ngasse li/17. €rf abr^acr jHdtscfcer 5ch«ffer und 5 jüdische Kutscher für schweres Fuhrwerk, nur verlässliche, treue Leute auf guten Posten gesucht. Vorzustellen Sonntag vormittags zwischen* 10—12 Uhr, Ii. Obere Donaustr. Nr. 7, Tür 6. Soeben erschienen! U „Lider fyn der Frajhajt (ftodigieit von '.VUd»*<-h R »witsch) 30 originelle und übersetzte Beiträge. Schöne Ausstattung Quart-Format. Preis K 1-50. Der ganze Reinertrag fällt dem Borochow-Fonds zu. Bestellungen an Oest. Borochow-Fonds, Wien, II., Glockengasse 6/17. üb die Benoaien ttnd BeasssinneB in Min und in der Provinz! W«r den direkten Vertrieb der ,,Fi*«i«» Tribüne" öbernehmen wSII Cgege« Zahlung), «voll« sich an die Adminlatration, Wien II, 6lockengas»e Nr. 6, T. 17 r^£nd«n. Genossen und Genossinnen sammelt für den Pressforcd l Hera«sgeker ud terantw^rttUker Redakteur A»«lii •«uts«k. •ru«k v«« Jteef I j e r. Wie», IX., LiecWensteiMfcrai« S