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Freie Tribüne · 1919-02-07 · 5 (7.2.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
5 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Freie Tribüne Nr. 5; rat sich erkühnt hatte, auf der Universität die frote Fahne hissen zü lassen. Konnten die Pro'cssorcni (Umd Assistenten cltesen"Umsturz taleml-js zulassen? Ihr Trotz erwachte, ihr _ Rebeilengeist erhob stjh' und sie riefen zum1 Streik. Q, sie haben das sonst nie getan, wenn die Fahne der Hohenzo.lern gehißt wurde, sie haben sich unter den Fahnen la.kr Dynastien wollt gefühlt, denn diese galten alle als ein Schmuck für die Wissenschaft, aber die rote Faliine, die ist ihnen eine Schande.' Die Manner der Wißsensehaft faßten Mut, den sie nie zeigen, als Monarchie und Kapital.smus die Uniyersi äten beherrschten. Aber jetzt gibt es ebenste freie Repub!k ui;|d< d!a können auch Prozessoren ihre revoiu tonäre Entschlossenheit beweisen, wenjn es gilt, die Wahrzeichen des Sozialismus zu zerstören. Urid sie schämten steh nicht, zum» Streike zu rui3en gegen* tÜcn. Sozialismus, dier die W.ssrgijs'chaft erst zu voller; Freiheit bringen "kaum. Dfe Hoffnuna der Schwachen. Zur Stunde sind die Ergeibnisse der internationalen Sozialistenkönfeireuz in Bern noch nicht bekannt. Aber es kom'mft uns jetzt nicht auf die Bedeutung an, die sie! für dlas Proletariat a!?er Lämmer hat, wir .denken vielmehr an tite Tatsache, da" auf sie die Bücket aller Völker gewv~nld'et sinjd, d'ie für ihr Sel'bstbefstimmunjgsreicht zittern. Zu ihnen zählt heute auch das ddutech^e Volk, gehören insK'sondlere die, Deutschöisterreichicr, dienen im' Nordlenl und! Süden gewaltsame Amnexionen drohen. Das! d'eutsChe Volk, dessen Bourgeoisie Iis zur Niederlage diem Götzen des Imperiali&mus und ic'ier Fremdherrschaft mit Haut und Hiaaren ergeben war, muß' nun Widerst.'ar.ldslios dem Spruch dter Pariser Konferenz erwarten. Weliche Traigödie, wenn dort ein Machtspruch und kein Rechtsspruch gefällt wird! Nur eine Hoffnuthlg gSüfc es da, die Hoffnung-, daßdie sozia''ist;>S'cTie Internationale stark gemug sein wird, um für aJIe Völker die Freiheit zu behaupten1, die Hoffnünlg, daß die, internationale Sozialistenkonferenz die iinteralj.ertc- Frieidenskonferenz . auf den gerechten Weg drängen wird.!'. ' Darum Ist es selbstverständlich, daß , diel Deutschösterrepcher in der Sorge .'für das Los ihrer Brüder in; Deutsch'böh'me'n und Deutschsüdtirol:sich' an die Berner Konferenz wendeten. Darum ist es audh küar, daß. die dleutsicfiiösterreifchische Sozilaidemokratie mit Selbstbewußtsein vor ihrem Volke behaupten, kann: „Di © Sozialdemokrat Le wirkt für Deutsch Österreich*" Daraus Ist ajber auch ersichtlich', daß alle, die nicht i auf die Macht bauen können; ohne Rücksteht auf den' Gr^^ sich nur an eiat einziges Forum wenden müssen, an das Forum1 der' internationalen Gerechtigkeit, die für alle Unterdrückten diei gMcne ist. Darum w!ird! rite dtutsc'hösterre.ic^hische Sozialdemokratie aus ihrem1 'Appell aii die Internationale auch die nötige Lehre; in! Betreff des; Sellbstbestimmuni^srechtcsi des jiH-: Naüsc'hen Volkes ziehen mussjen, wahlreinW wir "selber sd|äraus nur erneuert Vertraue^ im Ringen für unsere gerechte Sache gewinnen. Denn die deutschösterreichische' Sozialdemokratie, die unserem Volke die freie Selbstbestimmung versagt hat," hat nur den Beweis erbracht, daß sie die-Garantie für die eigene SelibsibestirnJmung vor» derselben Instanz sucht wie wir — vor der internationalen SoztäkienTokratie, die für uns alle dli<e völker1 beifreien de ist. Das gute Beifplel , für unser Land könnten dief Tschechen sein. Nicht als ob der tschecho-s!owakis;cfoei Staat den Juden einj gelobtes Land wäre. Wir sind [auch gar nicht" so nimimelstürmend, um paradiesische Zustände zu erhoffen, zumal! wir wilssen, "daß in der Eintwtek- , liÜng unseres ganzen Volkes d'ie.Juüen im tschechischen Staat nur -eines sehr geringe Rolle spielen ' können," weil ihre sozialkulturell'e Bas.s sehr dürftig! ist. Wir w;i:seni au'ch, wie die wirtschaftlcWeii Beziehungen von Tschechien zu Judten oft "vom! Rassenhaß getrübt waren, aber ungeachtet all dessen, tritt jetzt überall die Sympathie" sind die brüderl'tehe Liebe in den Vo^derigrunid, tfiie die tschechts'clie Dembkratie, dem' jüdischen Volk entgegenb^riingt. Dieses' ejrfreuIfche Verständnis bedeutet gewiß nicht bltoß das Interesse, das die Tschechen a!nj der Abwenldunjg d|eir JuLJ|e!n vom Deui!schtv(ii* haben'. Nein, ihre) Herzen haben steh für unserej nationale Aufle'bungf eiröffjnet und vva-rme Freun|dstetoaft strömt aus ihfcien. Die letzte Nummer d!er> Pirjager „Selbstwehr4r bringt wieder als Belege hiefür die ermutigen|den Aeußerungcin von Führern der tschechischen Parteien von Masaryk, dem Präsidenten deir Republik1,- von Klbfaie, dem Vorsttzemd!en der Nationalsozialen uirtd von Nemee, dem' Führer der Sozialdemokraten.*) Kein Miß-? ton ist in ihren Ausführunlgen hörbar, alle überströmen sie von jener herzliicuen Sympathie, dier soztaMemokratische Abgeordnete Kouscha blewies, als or zum Zekhen der brüderlichen Eintracht zwischen der tscfoecliisdhJen und jüdischen» Nation auf dem jüdischen Kongreß in Prag unserem! Genossen Rudolf Kohn die Bruiderhaud reich1, e. Doch wozu die, Tatsachen häufen? Jeder Einsichtige weiß, daß wir das tsch^vische Beispiel! nur anführen, um die deu sdrösterreieUsclien Vvrhäü'nisse ins recht ei Licht zu setzen. W,r wollen nicht oft gestellte' Fragen wiederholen, wir wolH fen jedoch der deutsehösterreichischen Sozialdemokratie den Vergleich mit dem Nach;barlande n cht! ersparen, denn der Geist der Gerechtigkeit w'.rd dieselben Beziehungen überall schaffen müssen. Bibliographisches. Unser Weg 1919. (Ein Jahrbuch des Verlages Paul Cassirer). Man sah sich und fühlte sich auf den Höhen der Kultur. Man ward stolz darob und brüstete sich. Und fühlte nicht, wie immer starker und tiefer, nebelgrauen Leichentüchern gleich, ein gespensterhaftes Ahnen sich senkte, a'les künstlerische Fühlen und Denken, alles Dichten und Sagen, alles Schauen und Tönen umhüllte und alles aus Abgründen auferstehen ließ.. Die Kunst.kehrte ihr Antlitz vom Leben weg. Sah hinter die Oberfläche der Dinge. In das Dahinter hinein. In das Grauen hinein. Unter der schweren Last des Diesseits, im Träumen auf die Spitzen elfenbeinerner Türme, die weit we» vom Leben in die Himmel hin eingebaut wurden, sich flüchtend, fand sie keine Erlösung. Sie suchte das Jenseits. Und fühlte das Nahen der PNeuen Zeit." Der Maler und Zeichner, der Dichfer und Denker, der Bildhauer und Musiker, alle, die im Weltreich der Kunst und der Erkenntnis den Aufstieg der Menschheit ersehnten, sahen die. klaffende Wunde. Das Fleisch weggerissen, die Nerven bloßgelegt. Der feinfühligste Träger der Weltspannurgen vor dem katastrophalen Zusammenbruch. Es war ein Schrei Kündete der unseren Weg 1919? In Ludwig Meidners „Horcher in die Zeit" hat der Zeichner den „Septemberschrei* (S..29) voll ausklingen lassen. Die Welt i$t in Trümmern. Aus Erdfalten lugen Totenschädel. Und ein übermenschlich zerquälter Kopf ist ganz in sich gekehrtes Lauschen. Hört er das kündende Wort?.- Der „Horcher in die Zeit', hört er auch ihr qualvolles Werden? Die Qual hat al/e Geister umnebelt. Sie alle, die da in diesem Jahrbuch des vornehmsten Berlin W. Verlages Revue passieren, erbeben horchend in die Zeit. Reue Schickele (rEr, ein Mensch wundre sichauch nicht mehr über die Fähigkeit, ja die Freude, mit der die verehrten Anwesenden und ihresgleichen so viel Qual ertrugen, wäre es auch nur durch ihre außerordentliche Selbstverachtung. . ... Ueberdies spreche er mit der Höflichkeit des.Verzweifelten.") und Oskar Kokoschka, Kasimir Edschmid und Ludwig Meidner, ihre Worte und ihre Linien, es sind bloßgelegte Nerven der Zeit. Und deren Wurzel liegen npch in einem Erdreich jenseits des Herbstes 1914 in einer Kultur der Maschine, die ihr Menschen im Weltkriege „über euch erhobt und sie zu einem schöneren Ebenbild machtet, sie dämonisiert, sie zu eurem Götzen machtet. Alle Götzen *sinp! Kriegsgötter. Sie leben von Blutopfern und sind den Menschen feind. Im Götzen frißt der Mensch sich selber auf4 (Rene Schickele : Im Cafe). Die Wurzel quälen sich , dort unter den giftigen Säften und lechzen nach denen des neu werdenden Lebens. Den Weg dorthin kündet Kurt Eisner. „Die Neunte,*) das Werk der Zeit" spricht er mit hellem, stolzen Klang (S. 26). „ . . . Siegesfanfare des zur Menschheit erwachten Proletariats! Die große Kunst flüchtete einst zu Wort und Ton, um das Leben vergessend ertragen zu können. Das Idealreich der Kunst stand fremd und verabscheuend neben dem Leben, das nichts mit ihr gemein hat. Die Kunst ist nicht mehr Flucht aus und vor dem Leben, sondern das Leben selbst In dem gewaltigen Klassenkampf des Proletariats glüht der Götterfunke der' Freude, der aus der Gesellschaft des Elends und des Zufalls zu dem Kunstwerk der neuen Gesellschaft leuchtet Wenn die Menschheit durch den Kampf des proletarischen Sozialismus befreit und gereift, dereinst an dem Welthymnus der „Neunten" erzogen wird, wenn sie zum Katechismus ihrer Seele wird, dann erst ist Beethovens Kunst zur Heimat zurückgekehrt, aus der sie floh: zum Leben " So klingt es in „Unseren Weg 1919" hinein. Die Klänge der Revolution! . Schickele, Kokoschka, Edschmid, Meidner, sie stehen vor den Pforten der Zeit „die Griffel unerforschlichen Gottes, der mit ihnen seine Marginalien malt." (L Meidner ,.Malers Tag-Gesang"). Es wird ihnen zugerufen: „Reiß von den blutigen Fahnen das Tuch. Kochend, in weißer Glut spann es auf und mal* das Leid. Mal' dein Menschenherz auf das blutige Tuch------—« (S. 28). Und jenseits der Pforte, wo das neue Leben, von den Wellen der Revolution getragen, gehoben, aufsteigt, hört mans erkennend und frohlockend:. „Lauscht in der »Neunten" der Mär eures Schicksals un,d ihr findet euren Glauben, eure Bestimmung, eure Menschheit wieder!" (S. 26). N Höret auch auf die Wegebahnec und Hämmerer unseres Weges. Sie gehen an euch vorbei und grüßert auch mit ihrer Erkennlnis ,.von dlm zernagenden, qualvollen, aber schöpferischen Geist der sozialen Verantwortlichkeit (Wlaiümir Korolenko „Mein Vater der Richter)". Sie wagen kampfes- und opferfreudig die. persönliche Verantwortung für die ganze Gesellschaftsordnung: Rosa Luxemburg und Wladimir Koro* letiko,. Friedrich Adler und Eduard Bernstein, Kurt Eisner und Karlkautsky, Peter Kropotkin und Ferdinand: Lasalle, Gustav Landauer und Else Laskorr-Schüler^ sie alle: „Auf den Lippen den Trotz und den zuckenden Hohn, Noch im Sterben rufend: die Rebellion 14 Selten haben Verlegerjahrbücher einen organischen Zusammenhang, bind auch im allgemeinen nur Dokumente verlegerischer Tätigkeit. Ohne tieferer* Bezug zum Wachstum der künstlerischen Idee. - In dem Jahrbuch: ..Unser Weg 19194 ist jedoch ein roter Faden, der das scheinbar Widerstrebende und Heterogene zusammenschweißt: die Revolution*. Lanag. Berichte. Vortrag „Die Zukunft Palästinas." Dieser Tage sprach Herr Jakob Landau, Leiter des jüdischen Korrespoudenzbüros im Haag in einem kleinen Kreise von Gesinnungsgenossen über ^Die politische. Situation im Zionismus" unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in den Enteute-, den neutralen Ländern und Deutschland. Die Ausführungen des Referenten, der mit allen politischen Vorgängen infolge seiner Stellung gründlichst vertraut ist, fandm ihres scharfen kritischen, aber doch rein sachlich gehaltenen Inhalte^, das größte Interesse der Anwesenden; Am Schlüsse der Versammlung wurde von einigen Teilnehmern an Herrn Landau der Wunsch gerichtet^ der zionistischen Oeffentlichk it aneh über die nächste zionistische Zukunft zn referieren. Diesem Wunsche Rechnung tragend, veranstaltet die „Wiener zionistische Vereinigung" Montag am 10. Februar 1919 um ya7 ühr'abends im Festsaale des Hotel Post, XL Fifischnoaikt 2", einen Vortrag Heim Jakob Landaus „Die Zukunft Palästinas." Karten zu K 2*— und T— erhältlich bei Rudolf Löwit, Buchhandlung, Wien I., Rotenturmstrasse und an der Kasse. . Voranzeigen. Sozialistische Vereinigung jüdischer Hochschüler. Jeden Sonntag 10 Uhr vormittags und jeden Mittwoch 6 Uhr abends, finden im Souterrainlokal des „Wiener RingcafSur I. Stubenring 18, Zusammenkünfte statt. Sonntag, den 9. d. M., 10 Uhr . vormittags Vortrag- Dr. Nagler: „Was bedeutet un's Palästina". Mittwoch, den 1.2. d. M., 6 UhV abends, beginnt Dr. Eduard Bloch ein Seminar: Lesung und Besprechung sozialistischer Sclniften.. W eiteres Programm: Sonntag, dtn 16. d. M.; 10 Uhr vormittags. Fortsetzung des Seminais. Mittwoch, den 19. d. M. Vortrag Dr. Bienensucht: Die Einheiten des jüdischen Wirtschaftslebens.' ' Zu allen Veranstaltungen sind Gäste herzlich willkonVnien.. Vereinigung jüdisch. Sozialdemokraten „Poale-Zion". Samstag, den 8."Februar 1ÖI9, findet im Saale des „Cafd City", Wien, IX , Porzellangasse 1, eine Vereinsversammlung statt, mit Vortrag von Gen. Spitzer, „Die Not der Stunde". I>eginu (5 Uhr abends. Vortragssprache deutsch. Gäste willkommen Kein Trinkzwang. fln die Genossen und Genossinnen in Wien und in der Provinz! Wer den direkten Vertrieb der „Freien Tribüne" übernehmen will Cgegen Bezahlung), wolle sich an die Administration, Wien II, Glockengasse Nr. 6, T. 17 wenden. ^«■■■■■■□■■■■■■■■■■■«•■•«.■««»»■■■»■•••»••»«■■■»aMi«»^ Soeben erschienen die Januar-iSUmmer der jüdisch - literarischen Monatsschrift in jüdischer Sprache „Nailand" (Redakteur-Herausgeber: S. J. Imber) mit folgendem Inhalt: S. j. Imber: Gott vun Awrohom; Heimlieder. Dr. F. Korrigrün: Ziele und Weg-e. J. Mestel: Aus „der Prophet". Peter Altenberg: Skizzen. M. Ghmielnicki: Gedichte. Jakob Wassermann: Die Kunst der Erzählung. S. J. I.: Polen. Bezugspreis: Halbjährig 15 K Das einzelne Heft 3 K. Verlag „Nailand", Wien, U., Sterneckplatz 4;* *) Dessen Ausführungen werden wir gelegentlich wiedergeben. *) Symphonie von Beethoven. «*■■•■•< Genossen und Genossinnen sammelt für den Pressfond 1 Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch. Druck von Josef H o y e r, Wien, IX., Uechtensteiiutraße 8

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