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Freie Tribüne · 1919-02-07 · 5 (7.2.1919) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
5 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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REDAKTION und VERWALTUNG s Wien II, Glockengasse 6 Tdr 17. / — Erscheint jeden Freitag. BEZUGSPREIS samt Zustellung« Ganzjährig . . . K 15.— Halbjährig . . . K 7.50 Vierteljährig . . K 3.80 Emze nnmmer 30 Heiler. OiPff«*.** der jixdLisoh<an sozialdemokratischen Partei „Foale Zion*' Proletarier aller Völker vereinigt Euch! I. Jahrgang Wien, 7. Februar 1919 Nr.. 5 Der Seelensdioclier der Kriegsgewinner. Das Unglaubliche est 'geschahen. Die deutren1christlichen Großgrundbesitze!;-, die Bergwerks-uii:di Fa'briksherren habeln sfleh mit den jüdischen Finanzharouen verbünde!!, um» mit vereinten Kräften den größten Scie'ensehacher, dvtn je die Welt ge- ' sehen hat, ins Wcirk zu setzen. Nicht genug daran, daß sie dtej ganze Menschheit öhrer Ptroiilfsucht auifopjeirn weiten, daß alle idealen Welrte, alle Kulturgüter sich pros'i uferen mußten für d'as go Idencj Kaüb, nun soll Ichs Geüd;, das* sie im jenein Tagen gewannen, als das Volk1 lau?fntifach gekreuzigt wurde|, 'herhälfen, um dasse be Volk, den gereichten Richter Ahr er Missetat, zu kaufen. Unendlich ist die Langmut delr breiten Massen .der Bevölkerung. Ihr haben es die Auersperg, 'Schoeller und Günthe|r, die Guttmann und Roth"-- . schilld zu veijdanken, d|aß stef nicht den Weg laller, während der I'eCzten vier Jahre Hingemordeten gegangen sind. So groß es iin s.jmer Ge»du 'd ist, so sehredklieh wird das Volk in seinclm Zorne sein, wenn es von allein, die steh während des Kricgiesf gemästet habrjn, Rechenschaft fordern wird für das Blut, das zu ihrer höherein: Ehre vergössen: wfurde. Das ist der Grund, warum1 sich antisem:itis(che| Agrarier mit jüdischen Finanziers zusammengetan; haben, zu einclin Geschäft, das auf nichts geringeres als auf die Korrum'pierunlg de|r gesamten öffentlichen Meinung ausgejrtf. Das einzige Mittel d-er Demokratie, das Wahlrecht eines freien Volkes?, soll mißbraucht werden, um die! Herrschaft einer Obersich ich t van.~Rat:asiteo zu vveir.ewtgen . D i e c]!uir ch; die IntereissenpOiitik derselben Kltque hervorgerufene Notliag.e| des ,Volkles soll ausgenützt wenden. um es zur Prostitution zu bringen. Wir sind davon überzeugt, daß das Unterfangen feh/schlagein wird; aber der Versuch alleiin. ist ein Faustsch.'ag gegem jede' Moral, die ihre* Grundsätze nicht von 3er 'Auffassung der Politik! als käuflicher Ware ableitet. Dieser "Versuch dien moralischen Vergiftung eines ganzen Volkes djarf nicht uiYgesuhnt bl'etbcjn. Die Zeiten sind vorbei, ejnd'gürtig vorbei, da wir uns-cjre Würde mit Füßen! Ureten lassein mußten. Die Herrein selbst haben -lins die Lichter aufgejste'ckt. Wir sinld sehend.ge*- * worden. Nur ein Willef lebt in uns, nur ein Kufi dringt aus unserer Brust. Wefg mit den Blutsiauigeru des Voli'k'ejs! Hinaus mit den 11 Ge Ddw e chs 1 e[rn aus ije mi Tempel ,d,er Menschheit! , Wir h,aben: aber noch besotidjere Abrechnung zu halten mit den jü^ischeiii Ftnanz^as'chas und MU-l lienüren, welchei tu der korrumpierten, volksfrcirreren Kultusgemcin!de als leuchtendes Judentum gelten, deren Wohltätigkeit von der P.rätorianeigarde» des Finanzkapitals, die ja ui scre gegenwärtige Kuiltusgemeindei darstellt, bis in den Himmel gepriesen wird. Die Wohltätigkeit def Inidivic'juen wird das jüdische Volk"bald' zu spüretn, bekommen. Hier gilt leider ein alter jüfdischer Erfahrungssatz: „Was ein jüdischer Baron an Niedertracht" begeht, fällt! auf das ganze Volk zurück." 1 An uns liegt es nun, offein den "Krieg zu verkünden, zwischen dem jüdischen Kapi al.sten und den breiten Masscjn des jüdischen werktätigen Volkes!, dias unter demseHben Joch der Ausbeutung schmrefotet, wie die; arbeitenden Schichten analerer Völker. Denn brennclnd empfindein wir die Schmach, dfte Kulturvölkern angetan wufdcj, als sich jüdische Kapitalisten mit antisemitiSL-hein ^Agrar.'ecn verbanden, um die Demokratie; für Siherliinge zu kaufen.' Unsere Losung am 16. Felbruar wird sein: Gegen die; kapitalistischen Sedlenverfräufer! Für die völkerbefreie|nde SoziaMemokra'.ie! Das'werktätige jüdische) Volk von Wien möge, beweisen, daß es in unserer R-migungsarbeit geschlossen hinter uns stejht. Es gilt zu .zeigen, daß daS jüdische Volk nichts gemein hat mit seinen Schiändern. '; Darum1 ruft d'as Lokalkomitee dqr jüdischen!,! sozialdemokratischen Partei „Poale Zion" die arbeit endein jüdischen Massem zur VOLKSVERSAMMLUNG mit der Talges Ordnung: . * . „DerWahlbetrug unserer Kriegsgt winrtei" für Sonntag, den 9. Febr., halb 11 Uhr vorm., in das Restaurant z König David, II.'Unit. Augartenstr. 8. Dbp Weg der Revolution. , Urplötzlich wurde Dentschösterreich eine Republik. Und die Hauptsache, ohne jeden .Kampf, ohne jede Meinungsverschiedenheit. Ein einig Volk von Brüdern gebar ohne Geburtswehen die freie Republik. Kann man sich schöneres, Besseres vorstellen? Eine freie demokratische Republik ohne Blutvergiessen! JDenn was könnte < das österreichische Proletariat sogar nach den siegreichsten Barrikadenkämpfen erhoffen,' als eine demokratische Republik mit den Genossen Seitz und Renner und mit den Bürgern Sylvester, Wolf und Hauser (welch sonderbare Revolutionäre) als „Revolutions-Exekutive". Und genau wie wir von der Knechtschaft in die Freiheit kamen, ohne den Pharad im Meere zu ertränken, wie wir den gefährlichen Sprung von der militärischen Monarchie zur demokratischen Republik machten ohne einen Fuß dabei zu brechen, genau so erwarten wir, daß es uns gelingen wird, die kapitalistische Wirtschaftsordnung in eine sozialistische umzuändern, ohne jemanden wehe zu tun. Das Proletariat muss nicht Barrikaden bauen, die Burgeoisie muss nicht erzitUrn vor dem bolschewistischen Gespenst. Friedlich und ruhig können wir die demokratische Repuolik aufbauen, welche mit der Zeit von . sich selber ein sozialistisches Paradies werden wird. Höret Proletarier und freuet euch! Nicht Klassen-' kämpf und nicht die Diktatur des Proletariates ist notwendigem den Sozialismus zu verwirklichen; demokratischer Volksstaaten bedürfen wir nur und dann wird aus der Demokratie der Sozialismus schon erwachsen. Also seid ruhig, geht an eure Arbeit, sehet, daß, behüte Gott, niemandem von den alten Volksfeinden ein Haar gekrümmt werde. Schlafet ohne Sorgen, denn wir wissen schon, was wir tun « Die Burgoisie haben wir in unseren Sack gelockt. Sie schwört auf die demokratische Republik: Wessen bedürfet Ihr noch? Höret Arbeiter und freuet euch! Und die Hauptsache, seid ruhig und verlasset euch auf uns! So läuten jetzt alle sozialdemokratischen Glocken. « Ruhe,Ruhe und noch einmal Ruhe wiederholen alle. Und die „Linke" steht wie der Arme auf der Schwelle und stammelt: „Sehr schön, sehr gut", wir wünschen nichts Besseres. Nun, es ist ohne Zweifel wahr, daß wir eine große historische Umwälzung erleben. Aber man muß sehr ernst darüber nachdenken, ob das klassenbewußte Proletariat jetzt keine andere Pflicht hat, als Ordnung zu machen. Man muß sich auch klare Rechenschaft darüber abgeben, ob die Interessen des Proletariates es erfordern, daß das neue Deutsch- Österreich in Einigkeit mit der Burgoisie und somit ,für die Bur«oisie allein aufgebaut werde, oder ob der Geist und die lebendige Kraft der.ArbeiterkIasse es gebieten, daß der neue Staat aus einem zielöe- - wußten und auf siVh selbst bauenden Klassenkampf' erwachse. Und die Hauptsache, man muß wistNen, was man will, ohne sich vom unbarmherzigen Gang der Geschichte stoßen zu lassen. Etwas weniger klugen Opportupsmus, und etwas mehr revolutionären Mut un^Äozia'li&ffschen Willen. Schauen wir Wh auf die Taten der deutschösterreichischen Sozialdemokratie und hören wir\ ihre eigenen Worte, damit wir vielleicht eine klare Antwort auf die obigen Fragen finden. Feuilleton. Der Taube. Von Duwed B e r g e 18 o n. (S. Fortsetzung.) -Tag und Nacht rann der Regen, rann regellmläßig und unverdrossen, als bitte ihn jemand aufzuhören, er aber murmelte trotzig vor sich hin: . So wilil ieh's . . . So will t-dh's . So will ich's . > Sek'mutztge Herbsttränen rannen über ctie nassen, farblosen Scheiben, schlängelten sich langsam und faul) und versickerten in dem nassen umd buckeligen KKichenwänden. " , - Wer bedürfte der Tränen? Alles rin'gsu'm hing so verdrossen^ sogar de,r krumime und zerschlitzte Baekofein, der dem1 Tauben Tag und Nacht ins Antlitz sah. So stum'm war alles ringsum. Es fiel i dem Tauben sogar auf: % — Hörte er doch wenigstöns irgendeinmal1, wie beim1 Trödter die Nähmasdhinevratterte. Stundenlang saß er auf dem1 Bett mit herabh'änjgenden Beinen, ersaß schwermütig und schweigernd unid warf flehenidei Blicke nach der Trödlerin, die jedesmal im die' Küche kam und! s(j:h('beim' Badeofen) mit nassem Holz zu schaffen mächte'. Er wollte sie ja nur um1 eine Kleinigkeit (bitten iuidisdoch verzerrte sichAbettlergleich sein blasses1, leidenldes Gesicht: * — Ja, wollte si'e einige Worte nur in £eine tauben Ohren hineinschreiier^, —- er würde unlerfccnetdeni können, um wieviel1 seine Taubheit zunahm. War aber die Trödlerin eine solch' verdammte Schlange; sie ging jedesmal an seinem Bett yorbH streifte sogar seine herabhängenden Beine unid würdigte ihn. nicht einmal' eines Blickes. So schlechtwa.r sie, diese Trö'dferin unld er konnte ihre Aufjmerksämkeit nicht einmal! mit seinem bettlerhait' verzerrtem' Gesicht auf sich lenken. Würde er ihr einen Fuß vorhalten und sie an sich reißen — sie würde vor, Aggst zittern und sich wundern: — Sieh da, er lebt hoch, der Taube? Er ägerte sich über dje Tröfel'erin und schielte . schon mit schiefen Aulgen nach ihr, vor Zorn (brummend. So pfl'eigtej er einst Leäh, seine Frau, ianzun schielen: und hinterher zu brummen. Sie legt* s.fcih' d(ann absichtlich in dem 'Kl'ejdeirn schlafen uufdi erl riß die Schüssel! mit den Speisen vom: Tisch* ün;d schleuderte siei jäh zu Boiden1. Einimal kam Esther und stritt lange seinetwegen mit der Tröd^elrin unid' er lag im Bett und' hörte nichts und dachte wieder über jenes ernste und wichtige Wort nach, das er der Esther sagen' wollte. Das Wort irrte, lange in seinem1. Kopf herum und kamendlich weich und1 töricht, nicht so, wie er es formte: —" ja, siehst Du, wenn Deine Mutter >!ebert wiü'rd'e ... . Er sagte* dies so hart und schwerfällig urVd schon begannen se'inet Augen vor sich selbst und ^yor ihr sich zu s/chämen, vor \W, der Sichl'ainikein; und Nervösen, diet sich nicht mehr erinnern künnte^ wie ihre vor Jahren gestorbene Mutter aussah. Sie . blickte ihn so verwundert an, als wollte sie ihp fragen: — Was nützt sie ihr denn jetzt, di:se gestorib'enle Mutter, die* draußen am1-alten Friedhof liegt? Sie entnahm' ihrer Tasche ein Stück Buttergebäck und reichte e's ihm/ Er kostete, spürte deit guten Geschmack und begann es von allen Seiten zu, betrachten. Bick weiß, was gut ist . . . Und plötzlich erstanjd es ihm1 das nötige Wort, nach dem« er so lange suchte': / Es ist töricht . . . Jenes, d^s die Arbeiter inj der Nacht bemerkt hatten'... Und was noch? Er traue ihnen nicht, iwede'r' Bick, noch seinem Sprößling. Er traue ihnen überhaupt' nicht. Mit" den ersten Frösten kamauch seine«: Schmerzen Linderung. Die Küchenfenster wären schon von Schnee verweht und im Ofen.der Trödlerin triefte das Holz vor Nässe. Er empfand die' Kälte und da zo|g er die Sttefel an,< hüllte sich in dlasl Watte-Leibchefn, schnürte sich hart mit dem roten] Gürtel und schob die Futtermütze tiefer über dt« tauben Ohren. Diet Trödlerin überkam Staunen i — Wohin, wohin wollte er defnin, der Taube?! —- In die Klaus — bedeutete er ihr still und schwermütig er gehe pjch wärmen ... in d4e Kliaus. - , , ' Der Trödlerin fiel etwas rasch aus dem'Mund', Vielleicht fluchte sie ihm1. Er hörte es nicht und ging seines Weges. Am 16. Februar gebet Eure Stimmen für die sozialdemokratischeKandidatenJisfe

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