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Freie Tribüne · 1919-01-31 · 4 (31.1.1919) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
4 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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REDAKTION und VERWALTUNG! Wien II, Glockengasse 6 Tflr 17. Erscheint jeden Freitae. BEZUGSPREIS samt Zustellung! Ganzjährig . . . K 15.— Halbjährig . . ,K 7.50 Vierteljährig . . K 3.80 Einzelnummer 30 Heller. Organ dea« jüdischen sozialdemokratischen Partei „Poale Zion" Proletarier aller Völker vereinigt Euch! I. Jahrgang Wien, 31, Jänner 1919 Nr. 4 * Bn die werktätige jüdische Bevolherung Niens! ]fldisciie arbeiter und ünoistellfe! Nach einem Leidensweg desgleichen die Weltgeschichte nicht kennt und in dem alie Völker Opfer ohne Zahl an Out und Blut gebracht haben, werden die Bürger von Deutschösterreich an die Urne gerufen. Wenn der vierjährige Orkan des Weltkrieges, der alle Länder der Erde durchbraust hat, nicht fruchtlos gewesen, wenn die Hekatomben von Menschenleben nicht unnütz hingeopfert sein sollen, dann muß in der alten Welt eine neue Ordnung erstehen, im Zeichen d^r Völkerbefi-tinitg und den Sozialismus. In diesem geschichtlichen Augenblick halten wir jüdischen Sozialisten es für unsere Pflicht, kundzufun, daß wir die Zeit als gekommen erachten, in der die Gleichheit aller werktätigen Mauuei und Frauen ohne Unter chied der Nation gesichert und die notwendigen Vorbedingungen geschaffen werden sollen, um dnrch Vergesellschaftung aller Produktions- und Veikeliibmittel die sozialistische Republik ins Leben zu rufen. Der bevorstehende Wahlkampf soll die erste Etappe im Kampfe um die neue sozialistische Ordnnng sein. Einigkeit der gesamten Arbeiterschaft von Deutsch Österreich tut not, um dieses hoh<» Ziel zu erreichen Einigkeit ist die erste Voraussetzung für den Sieg des Sozialismus, jadische Arbeiter und Angestellte, tut Eure Pflicht, agitiert und stimmt wie ein Mann für die sozialdemokratische Kandidatenliste! Völkerbund und Internationale. Als! die Katastrophe des Krieges über die , Welt hereinbrach, ging auch dt* sozialistische, Internationalie in die Brüche und es wair {dann unmöglich1, sie wieder ins Leben zu rufen, unfrnöjgüfch durch die internationale Solidarität des iRrotletariates1, den Krieig zu beenden. So kalm' es,!daß die MenschenscMädtterei nicht im Zeichen dfex fVöllkerversöhiiiiinig aufhörte, sondern mit dem Steg« kfer Einen und der Niedlerlage der Armieren. Nach dies'etil Ausgange des Krieges solF dt«s Welt! neu aufgebaut werden und nun erst soll die Inte^iattonaile wiederletTsteftn; Werden,, die Steger nicht eher das Schwert in die Wagstchale werfen als das Gewicht des! Rechtes? jWtrd nicht ihre Machtgier, in' mehr oder minder brutaler Weise1 die OruntdJijaJge der neuen jDrdhun'g sein? (Mit Banken harren wir der Entscheidungen, die die triumphierenden All isrten 7tt treffen haben (und erleben die Qual, daß sie eine Aera neuer Ungerecht ig^keiten einleiten könnten, anstatt die alten zu beseitigen. Denn es gibt genug Rachelüsterne und Macht- . hlujragrtge unter den siegreichen Staaten, unter den großen, ebenso , wie den kleinen, unter den a'ten ebenso wie den neugeQwordenen. Sie greifen nach fremdem Land .un'td dursten nach Eroberungen, von dem einzigen Motiv des schrankenlosen Egoismus! geleitet. Es ist nicht auszudenken, welches Unheil der (Menschheit (erwachsen würde, wenn die Raubgtotust« der verschiedentlicihen G'cwaltpolitikcr, die heute bei der Entente und deren Verbündeten bejiso obenauf sind, wie sie es1 früher bei den ^ejitrahnächten waren, Befriedigung fanden. Doch es' ist heute schon auch in vieHen Kreisen der siegreichen; Länder zu offenbar, diaiiß die bisherige Gewaltpolitik nur zum Blutbäde des Weltkrieges geführt hat, als daß die Wiederholung nicht schrecken, müßte. So ist gegen das Machtatreben der Imperialisten, die Ge&entendenz wirksam, die auf <$a!s friedliche Einvernehmen der Staaten abzieht. An Stelle der Rüstungen, Vereinbarungen, anstatt der ständigen Kriegsgefahr den dauernden Völkerbund. . ,. Diese Gedanken verkörpert heute Wilson und darum ist sein Auftreten gegen die französischen Raehgelüste gegen die von den neuen Staaten geübte; Politik der kriegerischen Besetzungen ein Erfolg der Demokratie über den Imperialismus. Darumsind seine 14 Punkte das Evangelium der unterdrückten Völker geworden, darum Ist der „gereichte uinjd (dauerhafte Friede4*, ist, die Schaffung des Völkerbundes an den Erfolkr seiner Politik £*- kinüpft, , 4<Nur wen« sie sich stärker erweist als der die Sieker berausichen.de Machtwilte, werden die Grundlagejt d^r Staaten ^id. Völker nicht von vornherein >X(jä#W und Ungerechtigkeit sein. Nur dann werdender wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands'.. kefcve Ketten angelegt, nur dann kann alkn kleinen- Völkern ihr Recht werden. Dann müßte nicht mit der Freiheit der, Tschechoslowakei di* Selbstbestimmung der Deutschböhmen gefährdet, mit der; Einheit Polens die Freiheit der Ukrainer und Litauer vernichtet werden.ö Nur dann könnte auch das jüdische Volk, das überall als Minorität dem Wohl- oder Uehelwollen der herrschenden Na';ioh ausgeliefert ist, auf den Schutz seiner bürgerlictai und nationalen Reefite Hoffen. Wenn so der Völkei^blund und die Schaffung gemeinsamer Organe für üiternationa'e Gesetzgebung,, Rechtsprechung und Verwaltung, die Hoffnung aller/ ist, die eine Welt ohne Kriege und ohne nationaler Unterdrückungen,- herbeisehnen, <■ so^4Jwj«s^%i--'.ÄWir: doch, daß der Erfolg bloß durch die Ueberein;- stimmung der diplomatischen Staatenvertreter ket- (neswegs sichergestellt ist. Denn sie altein genügt jnicht, wenn Wicht a'll'e Staaten und Völker auf gleicher Grundlage steh1 erheben. Der Pazifizmus vor dem Kriege war von allem Anfang unmöglich, weil er die Staaten äußerlich in Freiheit v< rtinigen wollte, obschon,' sie im1 Innern auf Unfreiheit beruhten. Aber nun, da» der zarische ..Absolutismus, die preußische . junkerherrsohaft. und' die habsburgischen Fesseln zerbrochen sind, werden die Völker sich in Freiheit und Gleichheit verbünden?. Wir wissen, daß die politische, Freiheit allein noch nicht die Solidarität aller Nationen verbürgen kann und gerade deshalb bejdarf es 'tatsächlicher Gemeinschaften im ILeb'en der Völker, um die dauernde Verbindung zu erhalten. Diese Rolle kommt vornehmlich dem internationalen Proletariate zu. Darum ist heute die Sozialdemokratie allere Länder die eifrigste Verfechterin des Völkerbundes, der an die Steife des Faustkampfes1 der Nationen den Rechtsgang derselben setzen soll. Darurru muß sie die Kräfte des internationalen Proletariats organisieren, damit der Yö(lkerbun|dr tri der'Tat eimßund all er Völker werkle und nicht eine unheiligc Allianz der Alliierten gegen die Mchtaliiierten. Darum ist es das Bestreben, der Sozialdemokratie, daß der Völkerbund nicht zu einem Werkzeuge für die Machtbefriedigung einzelner Staaten oder Staatengruppen werde, sondern die Grundlage für djas gjleiche Recht aller Völker, So ersehnen wir die völkerrechtliche Demokratie, um die Beziehungen von. Volk zu Volk auf dem Wege des Rechtes zu regeln. Aber selbst w*6nn Wilson über seine imperiaLis.isichen Verbündeten siegt und sein Völkerbund zustande kömmt, so wissen wir Sozialisten, daß die völkerrechtliche Demokratie ebenso wie die innerstaatliche Demokratie; erst dann vollendet ist, wenn die kapitalistisch* Ordnung aufgehoben ist. IDenn, jeder Konflikt zwischen den Nationen wird ebenso wie jeder Kampf zwischen den Klassen erst aufhören, wenn an die' Stelle der bloß politischen Demokratie in dien einzelnen Staaten' und der Stäatenges'e/lTschaft die soziale Gemeinstchaft der Menschen und Völker tritt. Aber wie es kfein. revolutionäres: Zaubermittel gibt, um über die politische Demokratie, im' Innern hinwegzukommen, so gibt es keines, um der» välkerrechtliclien Demokratie antraten &\ können. Auch sie würde einen gewaltigen Sieg der Entwick?« hing bedeuten und auch1 der 'Völkerbund wäre, wenn er nur ein Bund a l l e r Völker würde, trotzsei; nem bürgerlichen Charakter ein großer Fortseih itt. Dazu bedarf es vor allem der Geschlossenheit, der sozialistischen Internationale, deren Gliedert! durch den Krieg nicht nur auseinandfergefallcn, sondern auch entfremdet worden sind. So ist nicht bloßi der äußerliche Zusammenschluß notwendig, sondern aiuch, und vor allem die Herstellung der gleichen Anschauungen. Erst wenn unser aller Schuld; und Mitschuld von einer Läuterung des Bewußtseins getilgt ist, wird die sozialistische Internatjonale die Kraft haben, die Diplomater arbeit zu be;- einflußen und bei der Neuordnung der Welt mitzuwirken. {'\ ■ Dann wird sie einen Völkerbund erzwingen, der der internationalen Gerechtigkeit dienen kann, dein sie wird sein leuchtendes Vorbild sein, das Muster, jnach welchetm die Völker, die großen und die kleinen, die geeinigten unjd die zersprengten zu organisieren sind, dann wird die I in t e r n a t {oji a 1 e die Menschheit sein. . , . Oer Heg zur jiidisciiBn lfolhsgeniBindB. Zar Anmerkung der Redaktion in Nr. 2 bemerke ich zunächst, daß der Redakteur, mir wohl schwerlich zumuten kann, daß ich „laitiklos" die wirtschaftlichen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde überweißen will, weil mir, wie dem kritischen Redakteur bekannt ist, dies niemals eingefallen ist, wofür meine Schrift wohl Zeugenschaft ablegt. Hingegen ist es auch für mich ganz unstrittig, daß von einer obligatorischen Erfüllung der religiösen Bedürfnisse durch die jüdische Gemeinde keine Rede sein kann", wie aus den angeführten Thesen sjum Gemeindeprogramm der Poale Zion^ öUe ich. als damaligerReferent antdjBni ..IY. Parteita'ge an^esteTlY'iiabe, doch m ersehen ist. Gleich in der: Begründung heißt es ja, „die Kultusgemeinden müssen ihre» religiösen Charakters entkleidet; in nationale Körperschaften umgewandelt werdene. Auch in den von mir entworfenen Leitsätzen betreffend das Recht und .den Schutz der jüdischen Minderheit heißt es in der Anmerkung au Punkt I 4: „Die jüdischen religiösen Angelegenheiten weiden dun RahbJnat zugewiesen, unter dessen Aufsicht lediglich die rein religiösen Anstalten stehen. Das Rabbinat untersteht der Sektion für die religiösen Angelegenheiten beim Nationalrat. und hat keinerlei Einfluß auf die Agenden der Gemeinde". Dies wird, glaube ich, genügen, um mich vor dem versteckten Vorwurf des jüdischen KlerikalismuB, hingegen . . . unstrittig" zu schützen. Im übrigen muß ich unterstreichen, daß meine Ausführung in der Nr. 2, daß der jüdische Nutionalk ongrtß des tschechoslowakischen Staates, die richtige Form,für die jüdische Gemeinde gefunden habe, was augenscheinlich die Anmerkung der Redaktion herausgefordert haben mag :— falsch . aufgefaßt wurde. „Die richtige Form* — von der ich geschrieben habe, ist eben die.Form,.d. h. das frjjnelle Orgä» nisationsprinzip, welchen ich mich zuwenden will. i)io jüdische Geminde muß — wie bereits betönt — inhaltlich u n d formal rokonstruiert werdeü: sie muß also klarer umschrieben, dia vollwertige Gemeinde der Juden innerhalb eines zu fixierenden Gebietes sein. Wir wenden uns der formalen Frage zu, svetf sie — wer würde es glauben —' jdafl) wiesentlfjch^ der Frage zu bilden im Begriffe ist. 0m Mißdjeut^jnjgen vorzuheujgen, heißt es einfach1, daß 'dfc Frtge der Gemeindeziigehörigkert mehr Kampfob.^ jekt ist, bezw. Kamipfsfeoff bietet ^a''s die Frage des! Jhihalltes, der Komipetenz der^Gemeinde. Der;Grunldi liegt darin, daß die bisherigen ungebetenen Gestören der „Judensfchaft" des mörsöien Habsburgerstaates ihre Politik zum Vorteilt der „Wirtsvotker", der Mehrheitsnationen und der jeweiligen Regierung einrichteten und indem sie st*ts ihr nationales Alibi beteuerten; die anderen, d. b. die ,^V7trtsvö^iker4S dte Mehrheitsiiattönen Und die jeweilige Regierung glayben ließen, d*r jüäi&jehsf Vöflksorganismus beginne und endige, mit dem jüdischen Kultus, weshalb wohl Kultüsg:e*melnden genügen. So kam; es, diajß die konfes^sionelilse. Lüg« lange Zeit die nationale Walhrhe.it ni|cht zu'/Wörte kommen ließ, eine Erschejnuug, die.,.den ungtibetenen Oestoren, den reaktionären Vertreteder Politik der Me^rheftsnatioue^i, — die r^plriis^hten unddeutschen Sozialdemokraten. leidter nicht avisgenom - Am lö. Februar gehet Eure Stimmen für die sozialdemokratischeKandidatenliste!

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