Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1919-01-17 · 2 (17.1.1919) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
2 (17.1.1919)
Date
1919-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2827798-2827856-2827858--011-2828013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Freie Tribüne Nr. 2 men, daß jede zum SqHwerte greift, um sich zun OeHung, die gegnerrsdhe Nation zum Falle zu briingvn? Stjnaudernd erleben, wir die neuen- Kriege mit i$id wollen deren, Ursachen nicht prüfen. Ob wir in einem1 Falle entrüstet sind, daß jdte Polen, einen' Raubzug gegen die Ruthenen unternehmen oder im anderen Falte beschämt oder verzweifelt, daß begreifliche Konflikte von beiden Seitein mit Waffengewalt gelöst werden wollem, immer mütesen wir diese Kriege ablehnen. Die Gewalt der. Faust darf nicht erledigen, was dfte Macht des Rechtes zu entscheiden hat und wir werden gegenüber (der Kritik der Waffen stets d>i> Kritik1 der Oeredhtigkett hochhatten. Von der Friedenskonferenz. Der preußische Mtlitarbmus wurde zertrüm'- im'ert, die Madht der Zentralmachte vernichtet und! nun soll einte neue Ordnung errichtet werden. Mit leidenschaftlichem Interesse wird tJiahex auf die •Entscjheiduing der Friedenskonferenz gewartet. Niemand erwartet, daß sie uns die soziale Gerechtigkeit bringen wtr<J, aber Jedermann erhofft eine gerechte, ■iösung der nationalen Frhg-ti. i> o/r .v.;N dieser Entscheidung sehen:' «wir mit Bangen und Ungewißheit entgegen;. Wird das1 Selbstbestimmungsrecht 'der Völker die Mwjhtschnur für die nationale Forderung sein, oderiwiridjJdte Willkür und Ung^rechtig- Jceit imperiaHsttsdher Machthaber das letzte Wort Biprechen? Noch liegt alles im Dunkeln und wir müssen den Verlauf der Dinge abwarten. Aber manche Umrisse werden jetzt schon sichtbar, und sie müissjen uns beunruhigen. Die Zeitungen bringen Mitteilungen über die Beschlüsse des Obersten Kriegsratefo 'die d;ie Teilnahme an der Friedenskonferenz regeln, die aber auch1!die nationalen Fragen direkt berühren. Die Polen sind heute Verbündte djer Alliierten un'd nehmen daher die £ntsprethend(e Stellung in deren Rat ein. Dank ..dieser Stellung der Polen aber rwertfietn nicht nur deren berjechtigte Bestrebungen nach nationaler Selbständigkeit imjterMüfzt, son.derjn auch die gleichen Bestrebungen (der mit dien Polen im Streite befindlichen Ukrainer und Litauer ignoriert. Denn die Polen sind als verbün^«ter Staat anerkannt, die anderen aber existieren formell nicht. Mit an?; •derien Worten: sie' |sinjd d|er Unterdrückung der polnischen Im^rialisten! ausgeliefert. Die formellen •Beschlüsse iüber die Befugnis iur Teilnahme sin|d nodh kein Verd'amm^^ljg;si^rteil, iibjer die von Üfer iTeilnahme AujsigescihlosRenen;. Die meritorischen B,e- . fekftljüs&e der Friedenskonferenz werd(en, anders ausfallen müssen. Dazu ,aber ist notwendig, daß auch •die anldier.en Nationlen Gehör finidjen. Wenn der Völkerlbuinid Tats'adhle werdjen soll1, Jdann müssen; auch die Völker und) nicht bloß die •sichon, jetzt, afe Verbündete aberkannten Staaten mitfeiprechien können. Das! jerfordert die Gerechtigkeit ulrid dies! erheischt <d&s Bedürfnis des jüdischen .Volkes1; Die Zulassung einer Delegation bloß für das zu) errichtenlde jüdische Heimwesen ist eine Etn- Stahränkung unseres Willens zum Leben in unseren jetzigen Siedlungen. Es muß uns als Volk in all^unseren Zentren Freiheit von o!er .Frte'denskonfe-rehz, garantierte _Fre.ihieit und Entwickluingsmöglichkeit gegeben wenden;. Öasl müssen wir gerade jetzt vorbringen, da nur von den „Verbündeten" gesprochen wird!;, Gibt es einen Entente-Zionismas. Diese Frage ist kein Witz, sondern, voller. Ernst, Sie ist nicht das Proldtiikt einer Qedankenspielereft {sondern beruht auf einer Tatsache. Diese besteht fdarin, daß in Londpn ein|e Konferenz der Zionisten aMer Länder stattfinden soll, d(a;ß aber, aus Oesterreich und aus Ungarn Vertreter nicht kommen, dürfend . So lautet eine Depesche, die heutei gekommen! %£ Sie fügt hinzu, daß die Delegierten aus Galv zien vielleicht zugelassen werden iwürden. Wir wislisem nicht, ob1 diese Naöhsieht darum: geübt wird), (weit die galizischen Jiuden in ihrer Gesamtheit als zum1 verbünideten polen gehörig betrachtet wer- Iden; wir wollen auch nicht fragen, wie es um das iDelJegierungsrecht der Juden Ostgaliziens steht, tla Idie ukrainische Bevölkerung dieses Landjes zu Polen nicht gjehören [will; wir wollen auf die, Absurdität hinweisen, Idie entstehen muß, wenn man in eine interterritoriale Bewegung, wie es' dqr Zionism,us ist, Begriffe des! Alterweltimperialiisnitis trägt. Ami krassesten träte der Widersinn in 'djer Stellung der bukowinaer Juden zutage, djie dlann ^avancieren würden, rurenh sie an — Rumänien, das. verbündete Ruimänien fielen. Oder kommt auch1 hier die Tragik des zerrissenen jüdischen Volkers. zum1 Vorschein, die Tragik, die aus unserer Lania> losigkeit entspringt und sogar in die Bewegung, kommt, die uns ein eigenes Land geben witl? Auf jeden Fall hatten die Schlagworte djes Krieges im Zionismus nichts zu 'suchen, denn er hat jetzt schon Friedlensarbert zu leisten. Von der Partei. Die Vereinigung jüdischer Sozialdemokraten „P o a I e - Z i o n" erläßt folgenden Aufruf: 3üdiscbe Meiler und Angestellte! Das vier Jahrei fange blutige Ringen hat mit dem; Sturze der alten pewalten geendet. Raum ist auf Wien Erde geworden für d£n Völkerfrieden und die so-, •ziale Befreiung des Proletariats. Was wir in unseren kühnsten Träumen kaum gehofft, wofür viele unserer Genossen von den reaktionären Helfershelfern des Militarismus in den Kerker geworfen wunden, ist erfüllt. Die Bahn ist frei zur vollen Entfaltung der unterdrückten Völker, frei für den Kampt der Arbeiterklasse um den Sozialismus. Als1 Arbeiter und Angestellte sehen wir unseren Weg klär vorgezeichnet: Die Bildung1 einer starken, kampffähigen, jüdischen Sozialdemokratie. Das' jüdische Volk hat längst aufgehört ein einziger sozialer Stand zu sein. Der Kapitalismus hat auch das jüdische Volk sozial gespalten, v'erschiddjenfij Klassen gebildet und /djeni Klassenkampf der jüdischen Arbeiter- und Angestelltenmassen ins Leben (gerufen. Das jüdische Proletariat ist reif, als Kampfoüid Weggenosse mit den: Proletariaten dier anderen Völker für die kommende Welt dies Sozialismus zu wirken. , -_ Unsere sozialistische Auffassung von Menschenwürde gebietet uns1, (uns offen und frei zum1 jüdlisdhien Volk zu bekennen, demi (Volke, das als zerstückelte Minderheit überall von reaktionären Mächten angefeindet wird.; ► Die neue Weltordnung muß uns als gleichberechtigtes Glied in der Völkerfamilie finden; Wir müssen jene Bestrebungen unterstützen, welche das jüdische Volk in seiner alten Heimat wieder bodenständig machen wo Ifen. Notwendig-ist aber auch lfür die in Deutschösterreich lebenden Juden ein gemeinsames Organ, ein vom1 ganzen Volke gewählter jüdischer Nationa!- rat. Es wird dann unisefce Aufgabe sein, diesen jüdischen NationaTrat von den Vertretern der jüdischen Plütokratie und des nurkonfessioncllen Judentums fernzuhalten unid vom1 Geiste der sozialdemokratisch gesinnten jüdischen Arbeiterschaft zui erfüllen. Die öffentliche Vertretung des' jüdischen. Volkes muß aber schon in ihrer Zelle demokratisch1 sein. So fordern wir, daß die „Israelitische Kultjusgemein^ de." ihres! konfessionieHeni Charakters entkleidet und zu einer jüdischen Volksgemeinde weixte, gewählt vonfalllen jüdischen Männern und Frauen*auf Gründl des allgemeinen und gleidhen Wahlrechtes. Dieser Volksgemleinde obliegen die natio-nal-kulturellen uinjtf sbzial-hiimianitären Agjenden. Die religiösen Aingelegienheiten müssen als! 'Privatsache ausgeschieden •werden, denn auch wir verlangen die Trennung von Kirche und Staat. / 1 Wir und unsiere^ Vertretungen haben die Pflidht, turseren Brüdern in Osteuropa in ihrem1 Kampfe gegen die barbarische: Gegenrevolution beizustehen!. Zu viel jüdisches Blut isjt üi diesem! Kampfe geflossen; zu viele jüdisldhiei Werte vernichtet^worden, als' daß nicht das Gewissen d£r ganzen zivilisierten Welt aufgerüttelt werden 'müßte angesichts des Martyriums der Juden in Polien1, Indem wir diesen JCampf gegen jegliche Barbarei und alle reaktionären Umtriebe als organisierte jüdische Soziaidiembkratie(führen, sind; wir der B un des ge nossensdhaft aller rechtlich dem kendjen Sozialisten der Welt gewiß. Die allgegenwärtige un,d stete .internationale / Solidaritiät ist ein Eckpfeiler \uiseres Programms. Wir erachten als'erste Voraussetzung des Sozialismus die vollständige-Einigkeit efes Proletariats in Gewerksdhaft, parlamjenjta'rische'r Vertretung und allein Phasen des;Klassenkampfes'. Wir sind diaher gegen jede gewerkschaftliche Sonderbestrebung( Unsere Aufgabe wir,d es sein, bis . in den letzten Winkel der jüdischen Gassie für d£e Organisierung der" jüdischen Proletarier in den zentralen Gewerkschaften zu werben. iWirplbren so dem' internationalen Prolie,- tariat"den jüdiscihen Arfbieiter als Kampfgenossen zu, auf dem1 gemeinsamen) Wege zum Sozialismus. Die Vereinigung jüdischer Sozialdemokraten1 ,,!Poale-Zion" wirkt also nach zwei Richtungen: 1.. Der jüdische' Proretarier soll sich1 frei zu seinem! Volke bekennen, er soll eine moralisdbe Stütze sein für die Konstituierung der jüdischen Nation auf eigenem; Boden! als soziale Republik und (soll mitarbeiten an der Schaffung eines jüdischen Vertretungskörpers zur Verteidigung! der Rechte und Freiheiten des! jüdischen Volkes. 2. In allen Kreisenides jüdisdhen Proletariats soll1 durch' zielbewußte Aufklärungsarbeit dahin gewirkt werden, diaß d{er jüdische Arbeiter ein vollwertiger Klassenkämpfer und Weggenosse zum Sozialismus werde. An alle werktätigen Juden, mögen sie nun in Werkstatt,,Laden, Kanzlei oder Büro als manuelle oder geistige Arbeiter dem' Kapital frohhen, ergeht unser Ruf sich zusammenzuschließen zu gemeinsamen Wirken für unsere nationale Freiheit und soziale Gleichheit. Jeder Gleichgesinnte bekenne sich mutig als jüdischer Sozialdemokrat und; (trete bei, der Vereinigung jüdischer Sozialdemokraten „Poale Zion" Vereuislbkal: Wien, l., Schottenring Nr. 12 (Cafel Adler). Mitgliederaufnahme täglich von 5 bis 7 Uhr.) Berichte. Verein jüdisch - sozialistischer Hochschüler „Cheruth". Vorigen Sonntag fand ein Referat des Genossen Juris über^Dic* Stellung des jüdischen Proletariats in Deutsdh- Oesterreich" statt. Nach) einer eingehenden Diskussion wurde der Beschluß gefaßt für die deutsch'e sloialdemor krtatisdhe K an d id a t en lüs'tfe zu stimmen und tatkräftigst z u a g i t i< c f 'e n. Jeden Mittwoch^, 5 Uhr abends findet im Cafe Jägerhof/ IX., Porzellangasse 23, das Ma r x-Seraiti tar statt. Gelesen wird „D a, s: K p itjal". Jüdischer, soosiafetischer Arbeitervehi „Poafe-Zion", Veremslokal, IX., Waf/enstemstraße 62, Trotz der kurzen Zeit, die seit der Gründung unserer Bezirksorgantsation verstitchcu ist, können .wir imii-Frcude feststellen, daß unser Vercti» unter den jüdischen Arbeitern einen tinmcr größeren Anklang findet. Unsere Mitgliederzahl ist so angewachsen, daß ^vir ein eigenes Vereinslokal mieten konnten. Dienstag, den I4.\ Jänner 1Ö19 fajid die feierliche Uebernjahme desselben, uriter zahlreicher Beteiligung von Parteigenossen aus allen Bezirken statt. Im' festlich geschmückten VcreüTsIokale sprachen die Genossen Fcldschuh, Hytuik, Dr. Wattenberßy Dr. Nagler, Juris, Sieger und David. Die Begeisterung üuiter den Genossen war groß; Wjas' bisi jetzt geleistet wurde, läßt uns für die Zukunft unserer jungen Organisation nur da«? Beste erwarten. ' Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein „jPoale-Zfon". Während der ganzen Woche fjanjden allabendlich' lebhafte Diskussionen über unsere S 'eÜung zur ..jFödet aiion-Interr atioaaU^* und zu tdeji Wahlen statt. Es wurde geschlossen an den Wahlen aktiv teilzunehmen, f ja r die Kandidat; n - liste detr deutschen S ozi aldeim ok r atie zu stimmen und unte,i' den jüdischen Arbeitern eine lebhafte Agitation zu entfalten. Voranzeigen. Vereinigung jüdischer Soäteldemjökraitie „Poate-Zkm". Die Diskussion über Pol it isichef Tagest"ragen findet aus technischeil Gründen erst Montag den 20. d. M. um halb 6 Uhr abends im Cafe Akllcr, Wien, I., Schottenrhig 12 statt. Gäste willkommen. Allgem. jöd. Arbeiterverein „Poale Zion", Wien, IL, Sefaniestr. 2 (Cafe Stefanie). Montag-, den 20. Jänner 19ll>7 um G Uhr abends, Versamnihing mit der Tagesoidriung: Die i"nteinat. Sozialistenkonferenz in Lausanne. Redner: Gen. Dr. So k ai IL Donnerstag den 23. Jänner 1919„ 6 Uhv. abends. Ve re-i ns vers.|am m tun g ü b ef pofi!,t isi c h'.e Tl(ag es f r a g e n. Redner Gen. Singer. Mittwoch, den 22. Jänner 1919, 6 Uhr abends, finde* im Saale ües Cafe Adler I.,, Scjiottenring 12, ein Gcdcul^abeadl anläßlich des eisten Jahrestages des Ablebensi des jüdische« und andere. Karten im Vorverkauf Parteilokal: II.. Glocken« Dichtei-s Mein d.a li.e M,och'er Sfiorim1 statt. Mit wir« kende: Gen. Sin gcr, Prof. EVh y \ i ch, Gen. Lubi« gasse Nr. 6. ~ " , Jüdlsch-soz. Arbeiteiverein ^oale-Zion", XX., WalTensteh^straße 62. Sonntag den 19. Jänner 1919, 3 Uhr nach: mittag, Versammlung mit Vortrag von Gen. Dr. N agj fer über „Die internationale Sozialistenkonfereuz in Lausanne)". Samstag, den 25. Jänner 1919, 9 Uhr nachmittags Gene \ r a 1 M e r s.,3, m m lun g. Verein jüdischer, sozialistischer Hochschüler „CherutV, Sonntag, den 19. Jänner 1919, 3 Uhr hachmittags Vortrag de$ Gen. Dr. S t e i g 1 e r über P o a l'e z i o u i s! m us e i n s1 v und jetzt". Sozialistische Vereinigung jüdischer Hochschüler. Sams? tag den 18. Jännej- 1919 um' 5 3Jhr abends findet in den Reichsballen, 1., Dorotheergasse C. eine Versammlung jüdischer sozialistischer Akademiker statt. Tagesordnung: Der j düsdh-c I ^t-te; llek tu^-llc jund der Soziali #* mus. Redner: Dr. Sokal, Dr. Nagrer. Lokalkomitee »,PoaIe-Zion44 Wien. Dienstag den 21. »Jänner 1919 jum- 6 Uhr abejnjds fuidet im Saale des Gasthaus „Zum König .David1", II., Untere Augart^sü-aße 8. eine öffent* liehe Versammlung statt, mit der Tagesordnung: D i) e W a; fc. le n zu r d ej ru ,t schösterre|ich ische n N a tto * n al Vi er. s am ml ung. Redner: Genosse Dr. SokaL Verein jüdischer sosfalbttscher Hochschüler „ChejrüÄ4*. Freitag den 17. Jänner 5 Uhr nachmittags im Caf6 Adlei^ I„ Schditenring ^12 (Soutexi-ain). Vortriag des Gen;. Dr. Max Roj s ej n He^d über: ^,Der Kampf um die autonomen Foc« men des Judentums. \ Arbeiter und Arbeiterinnen gebet Eure Stimmen für die Kandidatenliste der Sozialdemokratie! Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutßck. Drack ron Jose! Uoyer, Wien, IX., Liöchtensteinstraße 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.