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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 31

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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THEILHABER, OFFENER BRIET 249 und Fachgelehrten zurückgewiefen worden wären. Es wäre anfprechend gewefen, wenn vorurteilslofe Chrifien Ihre felbfigefällige und über* hebliche Sdirift richtiggefiellt hätten. Nun hat ein junger Arzt die Materie gemeifiert, die ibviefe Philologen und Raflenforfcher, Politiker und Tagesfchriftfieller nur noch komplizierter gemacht haben. Ich bin wirklich neugierig, wie und ob Sie und Ihr Klüngel der Rfaren, unfagßar feicßt faßficßen Darfegung der Raffenentfteßung, Raffenwerte und Raffenßedeutung Fritz Kahns zu begegnen wiflfen. Und ich hoffe, Sie werden wenigfiens den Mut haben und Fritz Kahn nicht fo ausweichen, wie Sie manchem Steuerbeamten des Reiches in fchweren Zeiten auszuweichen verßanden <wo* bei ich Ihnen gegenüber wohl kaum noch deutlicher zu werden brauche!). Um es übrigens denen zu verraten, die das Buch Fritz Kahns noch nicht kennen: jenfeits der zitierten Einleitung liegt ein wunderfames literarifches Reich, ein glanzvolles Buch, in dem ein Kenner und Bewunderer der Kulturen fernerer und neuer Zeiten, ein literarifiher Feinlchmecker und ein fozial verantwortlichkeitsvoller Kopf die fchwerßen Probleme der Menfchheit zu deuten verßeht. In jüdifchen Kreifen iß es wohl nicht nötig, auf den Inhalt des Buches einzugehen. Es wird Geh durchfetzen, weil kein anfiändiger Jude an diefem bedeutfamen Ereignis wird vorbeigehen können. Aber ich fürchte, die deutfehe Prefle wird es totfehweigen. Weil Männer —' wie Sie Herr Chamberlain —- die nationale Verhetzung fo weit getrieben haben, daß jedes offene Wort zu allen diefen Fragen von jüdifcher Seite von vorneherein diskreditiert iß. Und weil die zeitgenöffifche hochßehende deutfehe Tagesliteratur, das heißt die ganze Prefle, für fo großzügige hißorifche Fragen, Weltprobleme, für die Schöpfung eines Schriftßellers und Gelehrten keinen Raum übrig hat. Sie muß die Spalten mit Berichten über Raubmord und Diebßähle, mit nichtsfagenden Skizzen und Wortklaubereien ausfüllen. Fritz Kahn fleht nicht einmal Ihre Warenhaus-Reklame^Technik zur Verfügung. Und auch die kann es nicht hindern, daß im Zeichen der »gerinanifcßen Knftur^ jedes zweitklaffige Rennpferd und fein Jockey wichtiger erfcheinen. Trotzdem, die Größe der Verbreitung gilt nicht allein. In gewiflen Kreifen der gelehrten Welt wird das Buch Eingang finden, weil es die Erlöfung von der Phrafe, die Aufklärung des Irrtums bedeutet <die wenigen flrittigen Punkte find nichtsfagend in der Fülle der großartigen Ideen, Löfungen und Perfpektiven, die Kahn gibt). Es iß geradezu wundervoll, wie Kahn auf den 220 Seiten den Kreis der Babylonifchen —- Hebräilchen — Arifchen — Griechifch-Römilchen *— Germanilchen Kultur wiedergibt, wie er der Zufammenhänge gedenkt, ihrer Bedeutung nach* geht und uns den Werdegang der Gefchichte in markanten Zügen zu umreißen verßeht. Und das, obgleich Kahn kein Hifioriker iß! Und letzten Endes kommt er zu dem verföhnlichen Ergebnis, das fchon Alexander von Humboldt einmal prächtig charakterifierte: »Es gibt keine edleren Volksfiämme, es gibt nur bildfamere.« Das bildfame als anders aber gleichwertig verßanden. Und es wird ihn freuen, wenn er hört, daß er fich in feinem Weltbild mit einem Manne wie Humboldt trifft.

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