Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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248 mElLHAÜER, OFFENER BRIlf Hypnotifeur, der niefit nur die Sdiar feiner willigen Hörer fpielend in feinen Bann zieht, fondein — und das iß fein fiärkßer Triumph —- felbß die widerfirebendßen Gegner, das Opfer, das er lähmen will — den Juden .. . Hier wirbt ein Agitator unter dem Vifier der Wiffenfchafilichkeit für eine dunkle Tendenz . . . indem er ihr Vertrauen auf die Gerechtigkeit der Wiflenfchaß und die Heiligkeit der Wahrheit mißbraucht. Man hätte nicht nötig, auch nur eine Zeile von diefem Manne zu lefen, um ihn zu richten/ Leben und Leumund fprechen ihr Urteil über diefen fchon verdächtig populären Modeliebling der Zeit. Iß es am Platze, einem Manne, der »der unvergleichlichen und durchaus eigene artigen germanifchen Treue« in feinen Büchern Heldenlieder fingt und felbß als Sohn eines englififien Admirals in Deutichland während des Krieges an der Spitze der fpezififch england*feindlichen Prelfe fiand und, nachdem er nodi keine fechs Monate feine englifche Nationalität aufgegeben hatte, fein bisheriges Vaterland »ein Nefi von Hehlern, Heuchlern, Lügnern und Falfchfpielern« nannte — iß es am Platze, einem folchen desultor patriae die Juden, die der Welt feit drei Jahrtaufenden das einzigartige Beifpiel nationaler Treue geben, ein »Baßardvofk« nennen zu lallen, das feine Entßehung einem »blutfchänderifchen Verbrechen« gegen die Natur verdankt? ooll man einem Manne aus dem Haufe Wagner, der der Welt das häßlichße Beifpiel der moralifchen Zerfetzung gegeben hat, das je den Namen eines Genies befleckte, die Qualifikation erteilen, das Sittengefetz der Juden als ein »direkt verbreefaerifches Attentat auf alle Völker der Erde« und fie felber als »einen offenen oder verflechten Feind jedes anderen Menfchen«, als »eine Gefahr für jede Kultur« zu bezeichnen? Darf uns bei einem Manne, der über eine der geißig führenden und wie der Gang der Gefchichte bewies, politifch weitfiditigßen Zeitungen Deutfchlands die Ichmählichßen Verleumdungen ßreute, für die er nach dem Urteil des Gerichtshofes nicht den Schein eines Beweifes erbringen konnte«, darf man bei einem folchen Manne bona fides annehmen, wenn er aller hißorifdien Wahrheit zum Trotz das Judentum als einen Herd bezeichnet, aus dem femitifche Intoleranz Jahrtaufende lang allem Edelfien zum Fluche, dem Chrißentum zur ewigen Schmach, fich wie ein Giß über die Erde ergießen follte«, wenn er den Juden den Lehrmeißer aller Intoleranz, allen Glaubensfanatismus, alles Mordens um der Religion willen nennt, »der an die Duldfamkeit immer nur dann appellierte, wenn er fich bedrückt fühlte, fie felbß jedoch niemals übte noch üben durfie, denn fein Gefetz verbot es ihm und verbietet es ihm auch heute — und morgen . . .«. Es iß keine angenehme Aufgabe gewefen, diefe Hinrichtung an Ihnen vorzunehmen. Aber einmal mußte fie vorgenommen werden. Die Wiflenfchaft und die Wahrheit verlangten es. Und das iß das Erfreuliche an dem Werke Fritz Kahns, daß er fidi nicht mit der Richtigßeflung Ihrer zahlreichen bewußten und unbewußten Irrtümer begnügt, fondern die ganze Lehre vom Arier*, Germanen* und Semiten* tum in grundlegender Weife reformiert. Man hätte erwarten mülfen, daß die Irrtümer von der Seite der vielen berufsmäßigen Anthropologen