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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 28

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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246 ÜOLDttEM, VOLK Uk£> GEMElNSCttAn nur das muß anerkannt und begriffen werden, daß Zion als Heimfiätte für das gefamte Volk niemals Gemeinfchaffsforderungen, denen beftimmte Wertbegriffe zu Grunde liegen, verwirklichen kann. Audi Zion wird und kann nur Gefellfchaftscharakter tragen, wenn anders das größtmögliche Wohlergehen der Gefamtheit erreicht werden foll, und indi* viduelle und Gruppenideale mülfen dahinter zurücktreten. Nicht darin liegt Unfittlichkeit, daß man Notwendigkeiten anerkennend, lieh in Refignation befcheidet, fondern nur darin, daß man feine Ideen mit allen Mitteln durchzusetzen fucht, ohne den Gefamtbedürfniffen Rechnung zu tragen. Und auch das darf nie vergeflen werden, daß es abfolute Wertbegriffe garnicht gibt, daß der eine gut, was der andere böfe nennt und das eine Vergewaltigung von Volksgenolfen, denen man feine Wertbegriffe aufzwingen will, gewiß eine Unfittlichkeit darfteilt. Und wenn ich unferem Volke eine Befonderheit wünfehen dürfte, fo wäre es die, daß unfere Menfchen duldfamer wären als die anderer Völker, mit mehr Liebe und Ehrfurcht der individuellen Art der Mitmenfchen begegneten und nicht fogleich den aus der Gemeinfchaft der Guten auszufchließen bereit find, deflen Wefenskern zu begreifen ihnen ver* fagt ift. Margulies fagt im erften Satze feines Vorwortes, daß fein Buch keine Kampffchrift darfteile. Aber fein Wert befteht gerade darin, daß es eine Kampffchrift geworden ilt. Es richtet fidh gegen die Strömungen innerhalb des Zionismus, die über eine Entwicklung, deren Notwendigkeit und Fruchtbarkeit kein Einfichtiger beftreiten kann, durchaus nicht hinausgelangen können, beileibe nicht etwa gegen den Kulturgedanken im Zionismus. Seit unferer Bekanntfihaft mit Achad Haam ift die Idee der hebräifchen Erneuerung, der »Wiederbelebung der Herzen«, ift das Bewußtfein unferer kulturellen Verpflichtungen unablöslicher Beftandteil unferer zioniftifchen Vorftellungen geworden. Aber nicht in dem Sinne follen wir »Achad Haamiften« fein, daß wir jede feiner Lehren nachbeten, jeden feiner Irrtümer übernehmen. Das für uns Bleibende an Achad Haam, das, was ihn uns zum Führer, zu unferem zioniftifchen Gewiflen machte, war nicht feine krafle Trennung der beiden »Juden** fragen«, nicht feine Lehre von der eindeutig feftgelegten kulturellen Phyfiognomie des Judentums, fondern daß er uns zu einem neuen jüdifthen Bewußtfein erzog, daß er uns den kritilchen Blick verlieh, die Einfeitigkeiten und Vergänglichkeiten der Herzlfchen Epoche zu über* fchauen. So wie wir in der Wolfffohnlchen Epoche denen, die, dem Neuen abhold, ftreng an jeder Lehre Herzls fefthielten, das Recht abfprachen, fich in bewußtem Gegenfatz zu uns »Herzlianer« zu nennen, vielmehr das große Erbe des großen Meifters getreulich zu wahren uns bewußt waren, obwohl wir uns in wefentlichem von ihm fort* entwickelten, fo bekennen wir uns weiterhin als die Schüler Achad Haams und bleiben in einem höheren Sinne »Achad Haamiften«. Und audi Margulies predigt uns kein Zurück zum realiftifihen Zionismus der erften Zeit, fondern einzig die Notwendigkeit, die Synthefe zu finden. Schon auf dem X. Kongreß, 1911, fiel das Wort vom »fynthe* tilchen Zionismus« und ficherlich bekennt fich, wenn man fie fragt, auch

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