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Der jüdische Wille · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · page 7

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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RIWLIN, GENESIS DES ZIONISMUS 225 Die Werte der Vergangenheit find das Pfand des zukünftigen Erfolges/ die Werte der Vergangenheit find die Werte der Zukunft. Der Arißokratismus des Zionismus iß eine Konfequenz der Be^ wegung, die von Paläßina ausgeht. Der arißokratifche Zionismus iß die Konfequenz der Bewegung, deflen Endideal Paläßina iß. Die Bewegung enthält alle Bigenfchaften, die zur Bewahrung des Heiligtumes gedient haben/ — fei es ein Götze oder ein Gott, man dient ihm mit derfelben Andacht und mit derfelben Liebe. Enthält fie diefe Eigenfdiaften nicht, fo iß die Bewegung dem Untergang geweiht, fo führt fie auf falfdien Wegen zu falfdien Zielen. Das Ideal der Bewegung bleibt das Ideal der taufendjährigen Erwartung. Jedes andere Ideal iß von außen entlehnt, es iß fremd, es iß ein Produkt der Nachahmung. Die Bewegung, die die Zukunft des Judentums errichten wird, muß aus der Vergangenheit fließen. Die Vergangenheit bedingt die Zukunft/ die Zukunft iß die Fortfetzung der Vergangenheit. Der Zionismus wird nur dann die jüdifche Zukunft und nicht etwas anderes fein, wenn er die Vergangenheit enträtfelt. Darin beßeht feine Aufgabe. Sein Ideal iß die taufendjährige Hoffnung, Sehnfucht, Erwartung/ die taufendjährige Erwartung —- das iß die Adligkeitsidee der Propheten. Eine Bewegung, die nach dem Gefdimadk des Tages bauen will, iß ein totgeborenes Kind. Aber der galvanifche Strom kann auch einen toten Frofch in Bewegung bringen. Das Leitende für den Zionismus kann nur jenes Wefen fein, welches die Urfacfae war, daß es nicht den Tod, fondern den Golus gegeben hat. V Der Zionismus firebt die Schaffung eines jüdifchen Staates an. Das iß bloß ein Mittel, eine Methode. Das Ziel liegt anderswo. Der Zionismus beßeht in der Schaffung eines neuen Gefchlechts im Judentum, welches auf fich nimmt, das individuelle Wefen in Leben umzufetzen. Das Ziel iß die Erreichung des Ideals. Nicht der Adel des Bfutes oder der Macht, nicht der Arißokratismus des Verfiandes oder des Gefdes iß diefes Ideal. Ein folcher Arißokratismus beruht auf dem Bewußtfein der eigenen Ueberlegenheit/ er iß Selbßvertrauen, Selbßzufriedenheit, kalte Ruhe und Erfiarrtheit: »Ich bin belfer als alle«. Diefer Gedanke iß immer eine Lirfache des Stillfiandes in der Gefchichte/ er führt zur Finßernis, zur Rückßändigkeit, zur Routine,- er trägt die Verantwortung für den größten Teil der unheilvollen Kataßrophen der Menfdiheit. Nidht diefer Arißokratismus kann den Zionismus locken, wenn der Zionismus die Fortfetzung des Alten, der Vergangenheit zu fein befirebt iß. Die Schaffung eines neuen Gefchlechts im Judentum, eines Gefchlechts, das fäßig und würdig wäre, eine neue Epoche der jüdifchen Gefchichte zu eröffnen, eines Gefchlechts, das nicht in feiner Bruß das Gefühl der Ueberlegenheit, der Selbßzufriedenheit und der Geringfehätzung der andern trägt, fondern feinen eigenen Charakter und

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