Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 4-5 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ANTISEMITISMUS Sich deutfcher Staatsbürger jüdilchen Glaubens zu nennen und nach wie vor, es fei wie es fei, wacker und fortfchrittlich das alte Panier zu entrollen — das muß in heutigen Zeiten ein überaus Ichwieriges Gefihäft fein. Bekanntlich haben die Juden den Krieg ver* urfacht und ihn dann böswillig verloren,- bekanntlich haben fie hierauf die Revolution gemacht und gleichzeitig als Kapitalißen im Trüben ge* fifcht. Ebenfo lieht für Einfichtige feft, daß ohne jüdifches Geld Herr Kapp nicht nach Berlin gekommen wäre und daß ohne jüdilche Agi* tation die radikale Linke fich nicht aufs neue erhoben hätte. Kurz: es liegt, von jedem Gefichtspunkte aus, foviel belaftendes und durchaus einwandfreies Material gegen die Juden vor, daß es fchon all der Liebe und Sanftmut eines chrißlichen Volkes bedarf, fich mit der wahrheitsliebenden Feftßellun^ diefer Fakten in Druck und Rede vorläufig zu begnügen und zu Tätlichkeiten erft überzugehen, wenn die Mafle des Volkes über den wahren Tatbefiand hinreichend aufgeklärt iß. Diefer Aufklärungsarbeit hat nun der beregte Staatsbürger zu begegnen, indem er feinerfeits aufklärt. Er beweift in Verfammlungen und Brofchüren, oder wie man fonft die Seele des Volkes erreicht, die Lügen* haftigkeit aller gegen ihn vorgebrachten Behauptungen und tut ein übriges, indem er die Stärke feines deutfchpatriotikhen Empfindens mannhaft betont. Diefe Taktik befolgt die deutfche Judenheit jetzt feit einem guten Jahrhundert. Und wenn fie auch felbft zugeben muß, daß ihr ein be* fonders üppiger Erfolg bisher nicht befthieden war, fo tröfiet fie fich, fcheint es, in der Erkenntnis, daß Gottes Mühlen langfam mahlen, und in dem Glauben, daß doch Ichon eines Tages das Reich anbrechen werde, das da kommen foll. Lieber den Umßand, daß fie für diefe zweifelhaften Ausfichten bereits einen fehr namhaften Preis, nämlich den der völligen Entjudung, eingezahlt hat, macht fie fich weiter keine Gedanken, da ihr das Judentum als ein Kapital erlcfaeint, von dem man fich nicht fchnell und gründlich genug befreien kann. Und tat* fächlich find wir fchon auf dem bedenklichen Punkt, wo ihr diefe Be* freiung zwar beinahe refilos gelungen ift, der erfehnte Lohn aber, die Liebe der Andern, verfagt bleibt, fo daß fie nun vor dem Nichts fieht, hier nicht mehr wurzelnd und dort zurückgeftoßen, und daß fie nun all die verhängnisvollen Folgen, die einer Gemeinlchaft ohne Lebens* grund drohen, zu tragen hat. Ab und zu dämmert in Einzelnen ein Begreifen von dem Ver* zweifelten diefer Situation. Man wird fich des Falles erinnern, der vor nicht langem durch alle Blätter ging. Da hatte ein junger Student