Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 3 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827077--0567-2827671- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i4& mWKIK DIE ZIONISTISCHE STUDENTENSCHÄ ff IM RUSSLÄtiD In Rußland wird für die zionißifche Studentenfchaft geworben unter jungen Leuten, die das Stadium der Affimilation durchgemädit, die vom Baume der ruffifdben Kultur gegeflen und in der Mehrzahl (ich von der ruffifdi*jüdifdien Lebensform getrennt haben, ohne als Erfatz hierfür irgend etwas Neues erhalten zu haben. Nadidem der jüdifdie Student die übliche ruffifche Art und die ruflifchen An* gewphnheiten in fich aufgenommen hat, kommt er mit diefen zum Zionismus und ordnet ihn der ruffifdien Wirklichkeit unter. Er bringt mit fich die ßudentifche Bündelei, die charakterißifdi für das Gefüge des ruffifdien Geißes iß, der geneigt iß zum Bau von Luftfdilöffern, zur Theoretifierung des Lebens, zum Feilen an feinen Lieblingsideen, zu nicht endenden Streitereien und zum Aufruhr. Er übernimmt vom ruffifdien Studenten das Mißtrauen gegen Autoritäten, das ewige Kritifieren anderer, die negative Art des Denkens, die Leidenfdiaft zur Polemik und zu äußerlichem Effekt. Unmerklich für fich felbß, er* blickte fich die zionißifche Studentenfchaft in Rußland plötzlich in der Gewalt des chaotifdien, aufrührerifchen Geißes der flawifdien Ralfe, der des fchöpferifdien, pofitiven Charakters entbehrt und nur imfiande iß, Mängel zu fehen. Der Wunfeh, die zionißifche fiudierende Jugend von dem ruffifdien Anfiridi zu befreien, iß fdion vor langer Zeit entfianden. Einerfeits die äußeren Aufgaben, die die Aufmerkfamkeit von der inneren Reform ablenkten, anderfeits das Fehlen von Perfonen, die fähig waren, eine folche durchzuführen, hinderten die allgemeine Protefifiimmung gegen die Lebensform der zionißifdien Studentenfchaft, gegen das Fehlen von eigenem Gehalt in ihrer Arbeit daran, fefie Form zu gewinnen. Als nach dem Kriege die alten Mitarbeiter des »Hediawer« wiederkehrten und in ihm eine vollßändige Umwertung der Werte wiederfanden, da wurde das Bedürfnis nach einer Reform dringend. Das Ergebnis war in« Petersburg ein neues Unternehmen, ein neuer Verfudi unter den jetzigen ruffifdien Zufiänden. * Durch eine Gruppe von Begründern des »Hediawer« wurde im Februar 1918 in Petersburg die kleine Organifation «Chedera« ins Leben gerufen. In* dem fie fich zum Ziele ausfchließlidi die Erziehung ihrer Mitglieder fetzt, verwirklicht fie faktilch eine Bildungsarbeit und, was wefentlidi iß, Erziehungsarbeit mit Hilfe ßrenger Disziplin und Einteilung ihrer Mit* glieder in ältere und jüngere. Die »Chedera« will aus ihren Mit* gliedern befdieidene, arbeitsfähige, auf ihre zukünftigen Pflichten gegen* über Paläfiina und dem Volke vorbereitete zionißifche Akademiker machen, die dem hohen Ideal der jüdifchen Wiedergeburt ergeben und fähig find, ihm all ihr Beßes zu opfern. In Rußland wurde immer ein Mangel an Perfonen, die zum Zionismus vorbereitet waren, verfpürt. Immer und befonders in den letzten Jahren verfügte der ruffifihe Zionismus über eine große Armee von Anhängern, aber niemals konnte er fich leitender Kräfte rühmen. Mit nackter Deutlichkeit zeigte fich das während des allruffilchen Kongrefles, als der Erfolg des Zionismus unzweifelhaft war, aber zu gleicher Zeit jeder fühlte, daß niemand da fein werde, um den zum Zionismus gekommenen Malfen Nahrung zu