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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 68

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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66 AUS DEN JUGENDORGANISATIONEN unbedingte Notwendigkeit hält Wir fehen aber durchaus auch die möglichen. Schattenfeiten diefes reinen Wolfens, den Mißbrauch, der mit den Kräften diefer ideal eingeteilten Jugend getrieben wird, wenn lie, die körperlich recht oft wenig fähige, in einen Beruf gedrängt wird, der gerade an die körperlichen Kräfte aller* größte Anforderungen /teilt und der, darüber wird man fich klar fein, ihre geiftigen Anlagen vielfach wird 4verkümmern lallen muffen. Wir haben diejenigen unferer Bundesbrüder, die die körperliche Eignung befitzen, durchaus in ihrem Willen zur Landwirtlchaft beftärkt, und in der Tat find es heute nicht wenige, die durch die Erfahrung, die fie mit ihrem körperlichen Können in der harten Kriegsarbeit gemacht haben, beftärkt, zur Landwirtfchaft übergegangen find. Wir Ichließen uns aber dem an, was Rudi Pick neulich in diefen Blättern ausgeführt hat, daß das reinfte und idealfte Wollen allein nicht genügt, um etwa ein Rübenfeld zu bear~ beiten, und daß die Intenfität der Arbeit oft hinter der Intenfität des Wollens notgedrungen wird zurückftehen müflen. Viele Enttäufchungen, nicht nur im Gefühl des perfönlichen Wohlbehagens <das wäre kein ausfchlaggebender Gefichtspunkt) fondern in der Erkenntnis, daß wertvollfte Kräfte am falfchen Platze zer« fplittert worden find, könnten vielleidit heute nodi erfpart werden. Auch in der Gafutharßeit fehen wir wesentliche Aufgaben für uns, die allerdings dann erft in Angriff genommen werden können, wenn die allgemeinen politifchen Verhältnifle fich weiter beruhigt haben werden. Die Fragen der jüdifchen Wirtfchaftspolitik in der Diafpora, befonders im Ölten, in Galizien, werden in unferen Kreifen ftudiert. Auf die Notwendigkeit der Schaffung von Wirtlchaftsämtern im Often, von Wirtfchaftsarchiven und ähnlichen ftatiftifchen Einrichtungen ift aus unferm Kreife, befonders von Heinrich Margulies, vielfach hingewiefen worden. Wir find uns allerdings darüber klar geworden, daß wir, die im Wefentlichen eine Organifation von jungen Kaufleuten find, allein die Fülle des Stoffes und der Ver* antwortung nicht werden tragen und die vorhandenen Probleme nicht werden durcharbeiten können, daß wir für alles dies die Unterftützung und Mitarbeit weiterer Kreife der zioniftifch gefinnten Kaufleute benötigen werden. Wir denken an die Schaffung eine1" Arbeitsgemeinfchaft mit den älteren zioniftifchen Kaufleuten,zu der die Vorbereitungen bereits in die Wege geleitet find und von der wir befonders für die Paläftina*Arbeit viel erwarten. Bei der Befprechung diefes Planes tauchte bei uns auch die Idee der Schaffung eines »Jüdifchen Clubs« auf, der eine gefellfchaftliche Vereinigung weiterer Kreife der an den zioniftifchen Aufgaben enger intereffierten Zioniften bilden müßte^ denen die Arbeit in der Ortsgruppe allein kein ausreichendes Betätigungsfeld bietet. Diefer Club, der vorläufig in Berlin, fpäter vielleicht auch in größeren Provinzftädten entftehen könnte und in den die beftehenden Verbände ihre fähigßen Mitglieder zu fenden hätten und dem diefe felbft korporativ angehören könnten, müßte Zioniften aller Berufe umfallen, die in gegenfeitigen Ausfprachen Anregungen und Pläne für unfere Arbeit durchzudenken hätten und in dem der deutfche Zionismus eine neue Zentralftelle intenfivften Schaffens erhalten könnte. Bei der neuen Befetzung der Ämter, im befonderen der Sekretärpoften. die der deutfche Zionismus in der letzten Zeit zu vergeben hatte, find wir ftark berückfichtigt worden. Nicht nur in Berlin, auch in Städten der Provinz find unfere Bundesbrüder zur Arbeit in der zioniftifchen Gefamtorganifation auf befoldeten Poften herangezogen worden. Wir erwarten von dem Eindringen von Menftheiv die in unferer Arbeit und in unferen Tendenzen erzogen worden find, befonders Wertvolles für die Entwicklung des Zionismus in Deutichland, in dem bisher an. leitenden Stellen das akademifche Element vorhergehend vertreten war. —

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