Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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BLUMENFELD, DER GEIST DES K.J. V. n DER GEIST DES K. J. V/ REDE VON KURT BLUMENTELD INDER ERÖFTNUNGS* SITZUNG DES K. J. V.«TAGES AM 16. TEBRUAR 1919 Sehr geehrte Gäße, liebe Bundesbrüdef! Das K. J. V. war Träger der zionißifchen Entwicklung. Die letzte Stufe der Er* kenntnis, die der Zionismus in Deutfdiland erreicht hatte, lebte bis zum Kriege im Geifte unferes Kartells. In den Jahren des Krieges aber, in denen das Leben unferer Verbindungen fdiwädier wurde, entwickelte fidi in der zioniftifdien Bewegung aus Erkenntnis und Programm zionißifches Leben. Der Zionismus ergriff den jüdifdien Menfdben in allen Beziehungen, die zioniftifdien Forderungen wurden fo tief gefühlt, daß jeder Zionift ihnen durch Erfüllung und eigene Arbeit perfönlidi gerecht werden wollte. Gleichzeitig fetzte lieh die Auffaffung durch, daß der Aufbau Paläftinas durch jüdifche Menfchen und jüdifche Arbeit die Schaffung eines jüdifdien Lebens in allen Ländern erforderlich mache. Ueberfiedlung des Einzelnen nach Paläßina und Wirken im Galuth, damit das jetzige Gefdilecht und kommende Gefchlechter den Weg nach Erez Ifrael dank jüdifcher Erziehung, dank feelifcher und beruflicher Vorbereitung leichter finden das find die Forderungen, die der Zionismus heute an uns ftellt. Iß das K. }. V. heute diefen Forderungen gewaefafen? Vor dem Kriege lebten unfere Verbindungen zioniftifch im wefent» liehen von einfachen programmatifchen Anfchauungen. Zwifchen unsund dem Judentum des Ofiens beßanden nur geringe Zufammenhänge,« man war paläßinenfifdi geßimmt, ohne im allgemeinen die Not* wendigkeit der perfönlichen Ueberfiedlung zu empfinden, und der Standpunkt der Galuth Verneinung ließ uns mit Gelalfenheit den jüdifdien Verhältniffen in Deutfdiland gegenüberßehen. Die Formen unferes Zufammenlebens hatten wir dem deutfehen Studeatentum entlehnt. Und dennoch, auf unfer Kartell fehen wir nicht als auf eine enge, unzulängliche, in allen Dingen zu überwindende Organifation zurück. Wefentlich für den zionißifchen Wert unferer Verbindungen war weder die programmatifche Stellung zum Zionismus noch die entlehnte Maske, in der wir in der Oeffentlicfakeit auftraten. In den Verbindungen lebte ein unverlier* bares menfchlidies Idealbild, das K. J. V. wollte Menfchen erziehen, die beim Aufbau der jüdifdien Zukunft durch ihre Charakterbildung, ihre Zuverläffigkeit, ihre männliche Entfdifoffenheit, durch ihre Fähig* keit, (ich unterzuordnen und .im Dienße der Gefamtheit pflichttreu zu arbeiten, wahre Bürger unferer jüdifdien Zukunftsheimat werden follten. Die Erziehung unferer Bundesbrüder follte jene feelifefae Haltung erreichen, die fie Herren ihrer Gefühle und Stimmungen werden ließ, ihnen die Fähigkeit gab, gefchützt zu fein gegen Ueber* treibungen, gegen die großen Worte und gegen die verführerifche Kraft des Superlativismus. Diefes Erziehungsziel hat unfer