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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 10

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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8 ZLOCISTl GEDENKREDE Vergangenheit ftellt fich vor unfere Seele, da (ie, zum Zeitlofen drängend, die Zukunft nur als ein Gegenwärtiges empfinden will, das %iel als Antrieb, die letzten Verheißungen als die Verpflichtung. Da Wir uns fefter aneinanderfügen wollen, fühlen wir deut* licher die Lücken. In den Auffdirei nach unferer Brlöfung klingt der gebrochene Ruf zu frühe Zerbrochener hinein: Mehr denn hundert Freunde find von unferer Seite in den Staub geriffen worden. Viele leiden noch in der Fremde das Leid der Vereinfamung bitterer in diefen Entfcheidungen, für die im Wert des anderen der eigene Wert fich höhern will. Uns verloren und verfprengt, find'fie Opfer jenes Geißes, der nur Macht oder Knechtfchaft weiß, in Tod und Leid Zeugnis, daß das Wort von Sinai und die milde Rede von dem Ufergelände des Genezareth in den Jahrtaufenden nur auf verkrußete Seelen traf und alfo ein Gefpött frivoler Lippen ward. Deutlicher denn je empfinden wir, was wir verloren: der Kreis und jeder Einzelne,' Bande find zerriflen, die Verzagte hielten,- Bande, die uns feffelten, um uns frei zu machen,- Bande, oft hart und dornig, und fchmiegfam in der Luß der Wahlverwandtßhaft; Bande find zerrilTen worden, fo feß in ihrer Selbfiverßändlichkeit, daß wir fie erß empfanden, als fie fanken. In den Jahren des Ringens um uns und unferen Sinn, in den Sucherfiunden der Werdenden traten sie in unser Leben, hinein,- nichts Anderes, Befferes als wir: aber gleich uns als Ringende und Suchende,- gleich uns in jener heiligen Lohe, da Ererbtes und Erworbenes, das Blut der Ahnen und der Geiß der Stunde, die Unfreiheit des Gegebenen und der junge Wahn des freien Willens im Scfamelztiegel unferer Seele wallte. Sie find von uns gerilTen worden, und jeder fühlt, daß irgendwo irgendetwas aus ihm heraus* gelchlagen wurde: oft nur ein hafiiges Wort, aber es fenkte fich in uns als die Keimzelle einer Offenbarung/ oft nur eine Geße, die uns fiolz machte, oft nur ein filbernes Lachen, das uns folgte und fich wie ein Schild vor eine Wehmut fiellte. Sie ließen uns diefes erfahren: wo die Bewunderung vor dem fchöpferifchen Genius, vor der Größe der Führernaturen oft nur quälerifche Abhängigkeiten gibt, iß es der Raufch der Gemeinfchaft, die Exfiafe der Ziel* Verbrüderung, daß die Flammen fieigen aus dem Kleinen und Unfcheinbaren des geweihten Alltags, aus Blick und Händedruck heller denn aus weifer Rede. Sie find von uns geriffen worden, die, Empfangende zugleich, uns folches gaben. Wir trauern um fie,- Verwaifie und Verarmte trauern wir um uns. Sie find von uns geriffen worden, fortgeweht durch eine Seuche, die ungebändigt über die gelchändete Erde jagte, nieder* geworfen von den fiürzenden Quadern der erfchütterten Ordnung, hingefchlachtet aus dem Willen der finßeren Mächte um die fieile Höh7 und der gepanzerten Herzen. Hingefchlachtet! Und wofür?! Daß wir das Furchtbare nun ahnen, faß wiflen, gibt unferm Schmerze die taufend Stacheln. Wofür? Um ein Trugbild aus Wahn und Lüge, für den Fluch

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