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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 8

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1 _ROSENBERG, ERÖFFNUNGSREDE_ Zwilchen damals und heute liegen nicht nur fünf Jahre, nein, da* zwifihen liegt die Zeit der Reife der zioniftifchen Hoffnungen. Unfer Kartell war damals die geiftige Heimat junger Zioniften, dieffich geiftig einen Anteil am Leben ihres Volkes erringen wollten,- aber unfer eigenes Leben war doch nur darauf eingeftellt, es hier zu verbringen; zwilchen uns und dem Oftjudentum war eine Wand, und zwilchen unferm Leben und Erez Ifrael war nicht nur das Meer, fondern ein Ozean unüberwindbarer HindernifTe. Und deshalb war unfer K. J. V. damals noch ftark verknüpft mit den Lebensformen unferer Umgebung, Das heutige K. JL V. fucht im Tempo der allgemeinen zionifti* ftfien Entwicklung Anfthluß an das entftenende jüdifche Geiftesleben; die K. J. V,*er wollen nach Palältina gehen und fiellen ihr Leben, ihren Beruf darauf ein, und deshalb können die Formen ihres Lebens nicht die alten fein, deshalb mülTen diefe Formen fo befchaffen fein, daß fie nicht nur den Kommenden hier, fondern auch dem künftigen Leben in Palältina, in der jüdißhen Volksgemeinlchaft, entfprechen. Wenn dabei die einheit* licheLinie nicht immergewahrt wird, wenn Altes, das erhaltenswertift,mit Ueberlebtem zufammen über Bord geworfen wird, fo liegt das in dem Tempo der Entwicklung. Den Bundesbrüdern aber, die Führer und Träger der neuen Ideen find, möchte ich fagen, daß fie nicht auf eine frühere Zeit herabfehen follen und dürfen, die den Zionismus der Tat noch nicht kannte und die von Paläftina nur träumte. Herzl fagt: Traum ift nicht fo verfihieden von Tat. Ich meine, ebenfo groß wie die Zeit der Tat ift, war die Zeit des Traums. Der Gedanke des Zionis* mus war auch Ichon Tat und hat diefelbe feelilihe Erhöhung ver* liehen, hat ebenso über die Niedrigkeit des Alltags hinweggehoben, wie heute die zioniftifihe Tat. Die zur rechten Zeit den rechten Traum träumen, das ift diefelbe Art Menfchen wie die, die zur rechten Zeit die rechte Tat vollbringen. Unfere Aufgaben find fchwierig, aber fie werden gelöft werden, wenn wir uns bewußt find, was uns unfere Gemeinfihaft bedeutet. Noch leben wir nicht in Paläftina, noch hat nicht das ganze Volk fich das Bewußtfein feiner Einheit errungen, und gerade wir leben in einer jüdifihen Umgebung, die von der Volksgemein* fchaft noch weit entfernt iß. Wir haben eine jüdifche geiftige Heimat hier bitter nötig, eine Gemeinfihaft, die uns wenigftens einen kleinen Teil deflen gibt, was das bewußte und freudige Leben inmitten des eigenen Volkes zu geben vermag. Diefe geiftige Heimat foll uns das K. J.V. fein. Wie immer feine Formen fein mögen, das Ge* meinfchaftsgefühl wollen wir nicht verlieren, es foll die Bafis unferer Arbeit und die Begründung unferer menfchlichen Verbundenheit fein. Mit diefem Wunfdie erkläre ich den erften Kartelltag des K. J.V. für eröffnet!

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