Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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4 ROSENBERG, ERÖFFNUNGSREDE ERÖFFNUNGSREDE ZUM L KARTELLTAG DES. K. J.V. GEHALTEN VON EGON ROSENBERG AM 16. FEBRUAR /g/9 Meine Damen und Herren, liebe Bundesbrüder! Als vor faß fünf Jahren der Bund Jüdifcher Korporationen und das Kartell Zioniftifiher Verbindungen fidi zufammenfanden, um ein geeintes Kartell Jüdilcfier Verbindungen zu fehaffen, da erlebten wir Teilnehmer der Tagung eine Stunde heller Begeifterung. was war der innere Grund zu unferer hohen Stimmung? Nidit die Tatfache allein, daß mit der Vereinigung der beiden Kartelle unfer äußeres Anfehen und damit unfere politilche Madit* Wirkung (ich fteigerte, auch nidit die hohen Erwartungen, die wir an die Entwicklung des neuen Bundes knüpfen durften, fondern das ßolze Bewußtfein, daß wir von jetzt ab unfere menfihlidie Verbundenheit auf eine fo ftattlidhe Zahl junger Juden ausdehnen konnten. Was da vor fich ging, war im kleinen Teil die Erfüllung unferes Ideals, Damals war noch der Hauptinhalt diefes Ideals die Vereint gung der Juden durch nationales Empfinden —- das Volkwerden und das vollzog fidi für unfer Empfinden hier in einem kfeinen Kreis. Und nur weil unfer Gemeinfihaftsgefühl fo fchon im Augenblid* feines Bntftehens in unferm nationalen Empfinden wurzelte, konnte es fo fihnell und fo feft in uns verwurzeln, daß es Dauer hatte und fich auf die kommenden Generationen übertrug, obwohl unfere Gemeinlchaft phyfifch unmittelbar danach durch den Krieg aufgehoben und zerilfen wurde. Weil unfere Gemeinlchaft durdi die nationalen Affinitäten unferer Perfonen zufammengefügt iß, könnte fie eben nur durch Erichütterungen gefährdet werden, die aus unferem jüdifchen Wefen flammen. Der Krieg uncf alles, was er mit fidi gebracht hat, die räumliche Entfernung, die politißhen Entwicklungen, die aus ihm flammen oder durch ihn ausgelöft wurden, fie alle konnten und können ihr nidits anhaben. Umfo tiefer aber empfinden wir die fchweren und unerfetzlichen Verlufte, die unfere Gemeinlchaft felbft durch den Krieg erlitten hat. ^ler von uns trauert um jeden einzelnen der uns Entriffenen. icht nur um die, die ihm menlchlich naheftanden, um teure, liebe Freunde,- auch um die, die man perfönlich kaum oder nicht gekannt hat, weil jeder von ihnen ein Bruder war, weil er mit uns das werdende jüdifche Volk geliebt hat, mit diefem Volk leben und für es wirken wollte. Die Treue zu unferem Volk, die fie zu uns geführt hat, wollen wir ihnen für alle Zeit wahren und wollen ihr Andenken in unferem Kreise lebendig halten! ~- Ihr, meine lieben Bundesbrüder, die ihr heute zum erften Kartelltag hier zufammenkommt, follt auf der Gemeinf&aft weiter*