Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2 ZUM ZWEITEN JAHRGANG lidikeit und Tatfädilidikeit erfüllt fein. Das heißt keineswegs, den Geift verabfdiieden, fondern nur, die Tatfädilidikeit durdi ihn geftalten. Überhaupt ift diefe Sorge um den Geift höchft un* begründet. Er tritt zu Tage, ohne daß man ihn zu rufen braucht. Die menfchliche Entwicklung, die wir unferer Jugend wünfdien, wird durch pfychologifche Autopue nicht gefördert. Das Ziel unferer Erziehung kann nur das fein, Menfchen zu bilden, die den Zweck ihres Dafeins und ihre Befriedigung in ihren Leiftungen für die Gefamtheit fehen. Der Gewinn für die rerfönlichkeit wird fich ganz von felber einfinden. So verliehen wir politifche Erziehung. Darum bemüht fich diele Zeitschrift, den zionißifdien Geilt an Realitäten zum Ausdruck gelangen zu lallen. Es ift leicht und billig, den »Geiß der jüdifdien uefdiichte«, den »Geiß des alten Juden* tums«, den »Geiß der Propheten« zu zitieren; Je kraffer der Dilettant, umfo berufener fühlt er lieh zur Fefißellung hißorifcher Gefetze und zu großzügigen Zufammenfaflungen. Es ift nicht nur fchwieriger, fondern auch dankbarer und notwendiger, einzelnen gefchichtliehen Erfcheinungen nachzugehen und fie mit Sachlichkeit und einiger Gründlichkeit —- eine wilfenfehaftliche Fadizeitfchrift iß der »Jüdifdie Wille« immerhin nicht darzußellen. Die Weisheiten unferer fo zahlreichen Gefchichtsphilofophen lehnen wir uns ab. Deßo höher fchätzen wir den erzieherifchen Wert wirklicher Gefchichts^ ftudien, und wir bedauern es, daß auf diefem Gebiete von dem nationalen Judentum noch fo wenig geleißet worden ift. Der heranwadifenden Generation winken hier überaus lockende Auf* gaben. — Wenn in diefen Blättern von Paläßina die Rede iß, fo iß damit das Land gemeint, das jetzt hoffentlich bald wieder unfer greifbarer Belitz fein wird. Wir wünfdien und hoffen, daß durch die Leiftungen des jüdifdien Volkes der Name Paläßina zu einem Symbol kultureller Leiftung werden wird. Wir halten es aber nicht für fdiätzenswert, wenn die Vorftellung Paläftina bereits jetzt all ihres finnlichen Zaubers entkleidet und ftatt deffen zum Domizil der verfdiiedenften, gewiß gut gemeinten, aber im wahrften Sinne bodenlofen Abstraktionen gemacht wird. Wir fehnen uns nicht nach dem Symbol, fondern nach dem Lande Paläftina! Darum fcheint uns dankenswert jede Betrachtung, die fich mit den Realitäten befaßt, die wir dort vorfinden oder die wir dort ge* ftalten können und wollen. — »Jugendbewegung« ift uns nicht eine Vorftellung von religiöfer weihe. Die Jugend ift ein dienendes, kein autonomes Glied in unferer Volksbewegung, für fie gilt das Gefetz des Zionismus wie für alle andern. Der Zionismus felber aber bedeutet eine Verjüngung des ganzen Volkes. Er iß revolutionär und kennt feinem Wefen nach keinen Stillftand. Darum gibt es nichts im Zionismus, was nur Sache der Jugend wäre und nicht unfere Gefamtheit anginge. DieBeifpiele einer* die Dinge pfeuoophilofophifdi verflüchtigen* den Unfachlidikeit ließen fich mehren. Aber die Gefahr, die in diefer geiftigen Verwirrung — richtiger vielleicht: Verfladiung ~* liegt, ift jetzt, da der Zionismus in das Stadium feiner Verwirklichung