Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ZUM ZWEITEN JAHRGANG Der »Jüdifche Wille« ift vor einem Jahr ins Leben getreten, ohne ein Programm zu verkünden. Seine Abfidit war, nidit zu verkünden, fondern darzuftellen, was er fein will. Heute, da er eine beftimmte Phyfiognomie zeigt, darf mit einigen Worten gefagt werden, was wir als unfere Aufgabe betrachten. Mit zwei Worten kann das Programm diefer Zeitfchrift be:* zeichnet werden: fie will wirken durch Sac&ficßfieit und Stofflich Reit. Wir glauben, daß es der national*jüdifchen Jugendbewegung an beidem bisher in hohem Maße gefehlt hat. Sie ift allzu ftark auf das Erlebnis eingeftellt, auf die gefühlsmäßige, inftinktive Er* falfung delTen, was uns bewegt. Gewiß ift es richtig, daß im An* fang das Erlebnis dafein muß, daß die letzten Gründe unferer Überzeugungen und Handlungen im Unbewußten liegen, daß unfer Zionismus unferem undefinierbaren jüdifchen Menfchentum entfpringt. Aber das Erleben ift ein Gefchenk, es kann nicht per* petuiert und darf nicht zum Programm werden. Es darf den Charakter des Einmaligen nicht verlieren. Der Zionismus ift auf die Leiftung feiner Bekenner angewiefen. Und zwifchen Erlebnis und Leiftung fteht die gedankliche Klärung, die geiftige Bewältigung des Rohftoffes, den wir in unferer jüdifchen Perfönlichkeit und in der Welt der Tatfachen finden. Diefe Klärung und Bewältigung fordert eine Auseinandersetzung mit den Realitäten. Kein Künftler kann nur aus feinem Ich fchöpfen, er muß fich des Stoffes bedienen, den ihm die Welt bietet. Erft recht kann eine Jugend wie die unfere, die zwar unbedingt eine befondere Fülle von wert* vollen Menfchen, aber doch kaum bezwingende fchopferifchei Einzelperfönlichkeiten aufweift, nicht dauernd von den Schätzen ihres Innern leben. Aber was fehen wir, wenn wir ihre literarifchen und rednerifchen AuslalTungen prüfen? Immer erneute Verfuche, dem Zionismus durch Selbftbetrachtung neue Seiten ab* Zugewinnen. Es ift-nicht wahr, daß diefes Schürfen in der eigenen Seele zu irgend einer Bereicherung fuhrt. Im Gegenteil! Der lebendige Reiz des Zionismus beruht gerade darin, daß er dem fheologifch fpiritualifierten Begriff Judentum jds ein fozufagen körper* liches gegenübersteht, das feinen Saft und feine Herzhaftigkeit der Berührung mit der Erde entnimmt. Er hat das Judentum wieder in den Kreislauf wirkender Tatfachen eingeführt. Deshalb muß das zioniftifche Denken, wenn es fruchtbar fein foll, von Sinn*