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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 14

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Rosenßaum, Über jüdifihe Gemdn(^afts*Efzjchüng # in DeutfAIand, 331 ÜBER JÜDISCHE GEMEINSCHAFTS¬ ERZIEHUNG IN DEUTSCHLAND Zwei Pole gaben von Anbeginn dem Blau*Weiß die Richtung: das Streben nadi natürlichem Sinn auf der einen Seite, das Streben nach jüdifcher Stimmung auf der anderen. Hier fchnitten fich die beiden Kreife, aus denen der Blau-Weiß feinen Urfprung nahm: Nationaljud^ntum und deutfcher Wandervogel. Es war eine un* gemein fchwere Aufgabe, dem jüdifchen Nachwuchs zwei Dinge, die ihm in Deutfchland gleich fern lagen, in einem und ohne Gönner* fchaft von Schule und Gemeindeltube darzubieten. Eine Aufgabe, die mangels Erfahrung und planvoller Vorausficht jedesmal an die Persönlichkeit des Führers gebunden war, ohne folche von Anbeginn auf den toten Punkt kam und mit dem Abgange des ort* liehen Begründers oft genug auch ihr zeitweiliges Ende erlebte. Um fo größer ift das Verdienft der wenigen, denen die Schaffung eines lebendigen Wanderbetriebes gelang,- ihnen verdanken wir den größten zioniftifchen Werbeerfolg in Deutfchland,- fie haben manchen* orts gerade den wertvollften Teil der jüdifchen Jugend in die Bahn jüdifchen Empfindens und natürlicher Denkart geleitet und haben uns ein Beifpiel gegeben, aus dem eine planvolle Geftaltung jeder künftigen jüdifchen Gemeinfchaftserziehung herzuleiten ift. Man nahm, was man hatte: das Wandern vom deutfehen Wandervogel, das Erlernen jüdifchen Willens vom eigenen Jude* Werden. So follte fich der Blau*Weiße feine Natürlichkeit er* wandern, feine jüdifche Seele erarbeiten. Der allgemeine Erfolg blieb, aus. Auf der einen Seite fehlt die Malfenwerbung, die heute, wo lieh in jedem eine Entfcheidung über Nationalifierung oder Affimilation für fich und feine ganze Nachkommenfchaft vollzieht, für unfere Sache notwendig ift. Auf der andern Seite fehlt der Erziehungserfolg im einzelnen: die Paarung von naturfrohem, arbeitsfreudigen Sinn und felbftverftänd* lichem, felbftbewußten Judefein. Die Freude an der Natur blieb die Neigung des Kranken zur Gefundheit, die Sehnfucht nach einem Ichon von den Vätern verlorenen Besitz. Das Judentum blieb eine unglückliche Liebe, die immer wieder umkämpft werden wollte, die nie Eigentum wurde und kaum einem Blau*Weißen zur Ganzheit geworden ift. Natürlichkeit läßt fich eben nicht erwandern, und die jüdilche Seele nicht erarbeiten. Der junge deutfehe Städter hat eine viel engere Verknüpfung zum Lande als der junge Jude. Verwandtenkreis und Bekannt* fihäft ziehen den Deutfehen immer irgendwie zum Landleben zurück. Der deutfehe Tatfächlichkeitsfinn fieht auf Wanderungen Scholle und Ackergerät. Jüdilche Irinenbetrachtüng fühlt nur den Eindruck von Wiefe ühd Wald. Dennoch braudien wir den Jungbrunnen der Bodenverknüpftheit für ünfere Erziehung, brauchen den Sinn für

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