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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 12

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Bart/), Juden und Judenpolitik 323 m> Juden, nichts vermochten angefichts der fortwährenden Verletzungen des jüdilchen Ehrgefühls? Und es war, als follte es unfern Brüdern recht deutlich zu Gemüte geführt werden, wie ausfchließlich man fie nur als Schach* figuren betrachtete, die hin* und hergefchoben, geßhlagen und vom Brett heruntergenommen werden, wie es den nicht gerade gelchidkten Spielern gut fchien. Wir wollen uns nicht lange bei der Anomalie aufhalten, daß man offiziell die Juden Litauens als Nationalität, die polnifchen als Religionsgemeinfdhaft behandelte, fo daß die Juden nördlich von Malkin eine Nation, die füdlich davon eine religiöfe Gefellfchaft waren. Man gab ihnen erlt eine Zeitung in ultra*» nationaliftifchem Stil, deren Kontrakt dann, als ein anderer Wind wehte, einem Blatt in frömmlerilch^antinationalem Geiß übertragen wurde. Agitationen gegen das Organifationsßatut wurden in der Verordnung mit Geldßrafen bis 100000 Mark bedroht,- als aber die Hetze feitens des orthodoxen Organs losging res war der zionißifche Prediger Braude in eine Rabbinerzeugnis*Prüfungskom* miffion ernannt worden — gefchah nichts, und als dann die Äfft*» milanten erß unter fadenfcheinigen Vorwänden die Wahlen hinaus* fthoben und fie fchließlich, als ihnen die Zeit gekommen fchien, ganz verhinderten, gab man nach. Es wäre in diefem Zufammenhang viel von Dr. Kohns Tätigkeit zu fagen, der die orthodoxe Vereinigung als die politifdi am leichtefien zu behandelnde Gruppe bezeichnet hat, die durch ihn politifiert fei, und zwar in propolnifchem Sinn! <Zahlreiche Männer der von ihm propolnifch politifierten Orthodoxie haben immer wieder gefagt, daß fie zur Auswandermng getrieben werden würden, wenn die Polen autonom zu regieren hätten.) Wir können uns die Kritik diefer politifierenden Tätigkeit indelfen mit Rückficht darauf erfparen, daß fie von den Blättern der verfchiedenßen Richtungen, auch orthodoxer in Deutfchland, verurteilt worden iß und daß wohl auch die Frankfurter Vereinigung es heute bedauert, fie fo lange mit ihrem Namen haben decken zu mülfen. Aber betont muß werden, daß Dr. Kohn feine Wirkung nur ausüben konnte, weil die deutfche Verwaltung ihm feinen Nimbus verliehen hat. Er war Vertreter der Verwaltung bei Kreisrabbiner-Konferenzen, bei den Befprechungen zur Erhöhung der Rabbinergehälter und zur Feft* fetzung der Schächtgebühren, offizieller Vermittler bei Streitigkeiten zwifchen Gemeinde und Rabbiner oder zwifchen Rabbiner und Hilfs* rabbinern ufw. Kein Wunder, daß die an fich fchon einflußreiche Stellung Kohns von den offiziellen Vertretern der Gemeinden noch überfchätzt wurde und fie ihr materielles Wohl und Wehe von dem größeren oder geringeren Grade des Wohlwollens des Dißrikts* rabbiners abhängig glaubten. Es hätte unbedingt vermieden werden mülfen, daß jemand, der in fo ausgefprochener Weife politifih tätig war, eine Stellung bekam, in der er, ohne Beamter zu fein, der* artig einflußreiche offizielle Mandate ausübte.

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