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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 5

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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322 Bartfi, Juden und Judenpofitik anders zu den Dingen. Er hat nicht nur dem unterzeichneten Hilfsarbeiter für Judenfachen bei der Verwaltung, fondern auch öffentlich präzife erklärt, daß er als deutfcher Beamter lediglich deutfche InterefTen vertrete und deshalb keine fonftige Richtung habe. Auf die Tätigkeit des Herrn Dr. Haas wird noch zurück^ zukommen fein. Sie ifi viel krfrifiert worden, befonders wegen feines Verhaltens zu den nationalen und kulturellen Beßrebungen unter den Juden. Soweit diefe Kritik von nichtjüdifcher Seite geübt wurde, entfloß fie durchaus nicht häufig wohlwollenden Motiven. Meift waren hier vielmehr auch nur die Intereffen des deutfchen Beamten maßgebend und man gelängte durdh; eine Kombination aus Hakatismus und divide et impera^Politik zu einer Be^ trachtung der Dinge, " die ntiir äußerlich wie eine Anerkennung berechtigter jüdifcher Forderungen äusfah; Ausnahmen bildeten Männer wie Geheimrat v. Zwiedfnek^Südenhorfi, Chef der Prefleabteilung Lodz, der Nationalitätenkämpfe aus eigener Erfahrung kannte und deshalb einen klaren Blick für die VerhältnilTe hatte, ^während deutfche Difziplin und Ordnungsliebe eine Unterordnung unter gleichmacherifche Tendenzen der Stäatsobfigkeit forderte. Es braucht ferner nicht betont zu werden, daß dem Deutfchen der Ge* danke nicht liegt, die Juden könnten aüch Sonderbefirebungen habem Gegen folche Sonderwünfche nahm auch merkwürdigerweife dei* Vertreter einer Anfchauung Stellung, der am eheften dafür hätte Verßändnis haben müffen, ein Mann, deffen Name mit Recht von jedem genannt wurde, der an der Warfchauer Judenpolitik Kritik übte. Die Trete Vereinigung für die [nterejfen des orthodoxen Judentums hatte die Zulassung von zwei Delegierten nach Warfchau durchgefetzt, die der Orthodoxie mit Rat und Tat zur Seite flehen follten. Das ifi etwas, wogegen wohl felbfi dann nichts ein** zuwenden gewefen wäre, wenn die pplnifche Orthodoxie beffer organifiert und gefchulter gewefen wäre. Natürlich haben die Delegierten bei ihrer ZulafTung die strenge Anweifüng erhalten, fich jeder politifchen Tätigkeit zu enthalten, fich aber mit Vorliebe gerade als die politifchen Wörtführer der Orthodoxie gefühlt. Zu reden ifi hier nur von einem der beiden deutfchen Rabbiner, dem Difirikts* rabbiner Dr. Pinchas Kohn aus Ansbach, einem ungemein fähigen und gebildeten, perfonlich liebenswürdigen Manne von anfiändigem Charakter, der aber feinen Anfchauungen nach felbfi unter der füd* deutfchen Orthodoxie nöch' einen radikalen Standpunkt einnimmt lind dem »Israelit« ein noch fchärferes Organ entgegenfetzt. Von Dr. Emanuel Garlebachs Tätigkeit dagegen ifi ernfihaft nicht zu reden. Dr. Kohn hat von Beginn an eine grundfätzliche fcharfe Stellung gegen diejüdifch^natiönate Anfchauung genommen Und mit Eifer und Ausdauer überall zur Geltung gebrächt. Diefeh Stand* pünkt hatte er nicht wegen der religiöfen Prinzipien der nationalen Kreife, fondern er war aus der Golus^Pfycholpgie heraus entfianden. Kohn ging fö weit, daß er erklärte, auch wenn kampflos die kulturelle

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