Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN UND JUDENPOLITIK IM EHEMALIGEN GENERAL¬ GOUVERNEMENT WARSCHAU I. ANSCHAUUNGEN Wer von uns mit den Juden jenseits der, ruflifdien Reichsgrenzen in Berührung kam, der fah bereits, daß er etwas umlernen mußte, was er vorher überhaupt nicht gelernt hatte* Rußland war immer wie China mit einer Mauer umgeben, und nur wenige »weltliche« Juden waren vor dem Krieg öfilich über Thorn und Illo^o vorgedrungen. Erft die deutfchen Waffen öffneten uns das Land, und in unentdedkte Gegenden blickten wir hinein, als beim Vormarlch nach Rußland hinter dem Bahnhof Alexandrowo ficfa die fremde Ebene dehnte. .. , Schnell und mit ftarker Liebe lernten wir die Menfihen kennen, die uns durch Perez und Mendele Moicher Sforim vorgeßellt worden waren, begleiteten die Kinder in Cheder und Kindergarten, faßen mit den Alten beim Schabbostifch und im Bet Hammidrafch - und trugen die Uniformßücke zum Flickfehneider, damit er uns ein paar eben kunßfertig abgedrehte Knöpfe annähe-, und nebenbei allerhand von Politik und Religion, von dem Zaren und dem Prifiaw;, von Kindererziehung und der weiteren Entwicklung des Krieges und von feinem und feiner Familie bitterem und fröhlichem Leben erzähle. Je länger unfer Aufenthalt im Oßen dauerte, um fp fefier wurde unfere Annäherung an das Kulturmilieu unferer jüdilchen Brüder. Der Prüfßein dafür war unfere Stellung in den politifihen GefchehnifTen. Wir ßeckten in deutfchen Uniformen und fahen 4i? Judenpolitik der Verwaltung mit den Augen des Juden. In diefem Augenblick waren wir uns klar über uns felber. So ging es natürlich nicht allen. Dr. Ludwig Haas, Mitgliecj der fortlchrittlichen Volkspartei im Reichstage, zur Zeit Minifier de$ Innern in dem fozialifiifch^demokratifchen badilchen Kabinett und während der Dauer der Okkupation Referent für jüdißhe An? gelegenheiten beim Verwaltungschef Warfchau, fiand wefentlicfa