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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 82

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 82)
Language
German
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292 -wie die Leitung von Arbeiterküchen nicht in Betracht kommt, ift ein weites Feld gefchaffen, wenn fich die Mädchen nach vorangehender gärtnerilcher Ausbildung im Gemüfebau in Gruppen zufammenichließen. Mädchen, die durch Lehrzeit, InterefTen und die Liebe für Paläftina verbunden find, die fich genau kennen und gerne als Arbeiterinnen dort wirken und in Gemeinfchaft leben wollen, können fo durch ihre eigne Arbeit dem Lande heue Quellen erfchließen. Nicht genug folcher Gruppen wird Paläftina aufnehmen können, um den Zuftrom neuer Einwandrer durch jüdifche Landarbeit zu ernähren. Ich komme nun zu den Ausbildungsmöglichkeiten, die für die genannten paläftinenfilchen Berufe in Betracht kommen. kleinen bäuerlichen Haushalts vorbereiten foll, alfo der Koloniltenfrau, wie den Leiterinnen von Arbeiterküchen zur Vorbereitung dienen foll, exiftiert bisher nicht einmal für die deutfchen Mädchen, gefchweige denn für uns Jüdinnen, die außerdem an diefen Betrieb noch die Forderung ritueller Haushaltsführung, nationalen Gemeinfchaftslebens und der praktifchen Erlernung der hebräifchen Sprache knüpfen. Ich fkizziere kurz den Lehrplan einer folchen Mufterwirtfchaft, deren wichtigfter und nicht zu unterfchätzender Faktor es ift, anftelle bekannter »Gartenbaufchulen« das alltägliche Leben zum Vorbilde zu nehmen. Sie unterfcheidet ftch von großen Gütern durch die Be* grenzung des Kleinbetriebes, der auch der unerfahrenen Frau in zwei bis drei Jahren Überblick und Einficht in die Arbeit vermittelt. Auf fTößeren Gütern herrfcht ftets nur Teilarbeit, und von dem jeweiligen nfpektor, feiner Tätigkeit und Luft zu unterweifen, ift die Praktikantin vollftändig abhängig. Hier jedoch foll der Lehrzweck Lett^ motiv fein, und die Vielfeitigkeit der fpäter geftellten Arbeitsförderungen ift nur in gemifchter Wirtfchaft praktifch zu erlernen. Ein folcher Lehrbetrieb dürfte nicht mehr als zehn Schülerinnen umfalfen/ Haus, Hof, Stallungen und acht bis zehn Morgen Land genügen. Die Ausbildung in Obft- und Gemüfebau, und Inftandhaltung eines Hausgartens nebst Kleintierzucht: Ziegen, Geflügel, Bienen erfordert zwei Jahre. Auch ein paar Kühe find nicht zu vergelTen. Der Haushalt ermöglicht die Verwertung der Produkte und das Konfervieren von Obft und Gemüfe. Ein Haushaltungskurs von einem Jahr Dauer kann als erftes oder drittes Lehrjahr angegliedert werden. Auch follten einjährige Schülerinnen für ländlichen Haushalt und Tierzucht Aufnahme finden. Der Sommer wäre gänzlich der praktifchen Arbeit gewidmet, fowie der Erlernung des Hebräilchen durch die Mitarbeit dner Paläftinenferin. Im Winter fänden theoretißhe Erganzungskurfe fiatt, auch für Hebräifch. Nach zwei*' bezw. dreijähriger Lehrzeit find die Mädchen befähigt, fich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Für diejenigen, die als Jugendgärtnerinnen nach Paläßina gehen -wollen, ift dem bäuerlichen Gärtnerei-Lehrbetrieb ein Jugendgarten felbftändigen Führung eines

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