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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 80

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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290 Effriecfe Bamßus, Möglichkeiten landwirtfchaftlicher Betätigung Natur und für alles Lebendige und Pflegebedürftige. Welch tief eingreifenden Binfluß diefes auf die Kindererziehung unferer paläftU nifchen Jugend nehmen könnte, liegt auf der Hand. Ich möchte nichts wiederholen und begnüge mich mit einem Hinweis auf die Würdigung des Lebenswerkes des unerreicht idealen Kolonielehrers Welkomez in Rofch-Pinat in einem Nachrufe in der Rundfchau und auf den Artikel von Katz in Nr. 11/12 des »Juden«. Es wäre ein Leichtes, daß jede Kolonie in Paläftina, fowie jede jüdifdie Schule in den Städten ihren Jugendgarten <incf. Tierhaltung) hätte, eine Einführung in den künftigen Beruf, eine Bereicherung des ganzen Lebensgefühls und der Schulwiflenfchaften, Wie vielen jüdifchen Kindergärtnerinnen und Volksfdiullehrerinnen wäre nicht damit ein reiches Feld der Betätigung geboten. (Die Verwirk^ lichung in Paläftina ift leicht: Jede Kolonie gibt den wenigen Boden für einen Schulgarten "her, der Lehrkörper wäre nur um eine Lehrkraft zu erhöhen, fonft nichts.) Während der Regenperiode müßten fich für die Knaben Handfertigkeitskurfe (ländliche Holz^ und Papp^ arbeiten ufw.) angliedern und für die Mädchen der oberen KlalTen Koch^ und Haushaltungskurfe. Alle Ärzte und Lehrer würden auf Seiten folch einer Jugendgärtnerin liehen und diefelbe unterftützen. Dies ift ein Gebiet, fo groß ich denke nur an die zahlreichen Kinderheime für elternlofe Kinder, die unferer bedauernswerten Kriegsjugend zu einer neuen Landheimat werden follen —1 daß eine bedeutende Anzahl von Lehrkräften einen Wirkungskreis fände, wie er fchöner und reizender kaum erträumt, werden kann. Wer fich nicht für Kinderarbeit fähig fühlt, aber gern feine Kenntnifle weiter geben möchte, dem bietet lieh ein vielfeitiges Arbeits^ feld auf den Gebieten der Wanderfeßrerin und der Lancfpflegeriu. Um Kräfte als Wanderlehrerinnen und Landpflegerinnen auf kürzeftem Wege für die Paläftinaarbeit nutzbar zu machen, kommen die jungen Mädchen in Betracht, die lieh bisher in der freiwilligen Krankenpflege betätigt haben. Jeder Landarzt in Paläftina, jede kommunale Gemeindeverwaltung wäre begeiftert von Hilfskräften, die neben der Krankenfchwefternausbildung die Eigenfchaften und Kenntnifle mitbrächten, die fie zur Haus- und Landpflegerin be^ fähigen. Pflegerinnen mit feminariftifcher Kindergärtnerinnenvorbildung, die noch ländlichen Haushalt oder Gartenbau oder Tierzucht verbände, um den Landfrauen, z. B. yemenitinnen mit fchwefterlicher Liebe beizuftehn und fie vermittels ihrer wirtfehaftlichen Kenntnifle aus ihrer Verelendung zu heben, wären wie gefchaffen für den Beruf. Sie müßten in praktifchen Vorführungen, bei Hilfeleiftung im Haufe, etwas über Säuglingspflege und Kindererziehung aufklären, den zahlreichen hinzuftrömenden Einwandrerfrauen, wie den Einheimifchen, die der Krieg um jede Initiative gebracht hat, menfehlich beiftehen und ihnen tägfich bei den Alltagsforgen behilflich fein wollen. Dafür bedarf es reifer Frauen und durchaus' nicht derer mit fogenannter »höherer Schulbildung«. Aber ohne die praktifchen

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