Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2827066-2827067-2827071--0221-2827320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einzelheiten 207 war die Idee, in ihnen der »tätige Geift«, den fie nicht proklamiert, fondern verwirklicht haben. Und damit fteigen fie für uns zu Vorbildhelden auf, zu jetzt fchon faß legendarifchen Gewalten, die unferer Sehnfucht nach Erneuerung durch die Tat Ausdruck verliehen haben. Und in der enticheidenden Zeit, die jetzt, wenn jemals, für uns kommt, foll ihr Geift uns leiten. Das Buch Jiskor hat ihnen ein Denkmal errichtet. Jeder von uns mache es in feinem Herzen zu einem lebendigen Denkmal, das die Kraft hat, :in feinem Leben fortzuwirken. Kr. \ S. J. Agnon: Und das Krumme wird gerade. Aus dem Hebräifchen überfetzt von Max Strauß. Jüdifcher Verlag. Berlin 1918. Das ift die Gefchichte eines Erliegenden, der fich von den widrigen Umftänden diefes Dafeins unterkriegen läßt,- der in der Bruft die Sehnfucht und den Hang zum Aufwärtsftreben trägt, aber der Kraft ermangelt, Tat daraus werden zu lalTen. Er finkt von Stufe zu Stufe und fein Weg wird krumm, aber der Funke in ihm ift nicht erlofchen. Und für das Glück anderer findet er zum Schluß die Kraft des -fittlichen Handelns und des Verzichts, die er für fich felbft nicht aufbrachte. Für andere ftirbt er wie ein Hund am Wege. Und das Krumme wird gerade. Der Träger diefes Gefchickes, Menafcheh Chajim, der kleine Handelsmann aus Buczacz, der durch die Gemeinden Galiziens als ein Schnorrer zieht, verftrickt in alle Niedrigkeiten und Kleinlichkeiten, dabei den Sabbath im Herzen, ift von einem Dichter gefehen. Und deshalb ift er rundherum ein lebendiger jüdifcher Menfch, geftaltet mit der ganzen Innigkeit eines Dazu* gehörigen-und dem abgeklärten Humor eines Darüberftehenden. Hier ift etwas wie der Anfang zu einem Epos des oftjüdifchen Lebens, das, um mehr als ein Anfang zu fein, der Fülle der Geftalten und der Weite des Lebensausfchnitts ermangelt. Es gehört zu dem Allerbeften, was von der hebräilchen Literatur des Oftens bei uns bekannt ift. Es verdient Erwähnung, daß der Jüdifche Verlag hier ein Bändchen von fo gefchmackvoller und forgfältiger Ausftattung herausgebracht hat, wie es im vierten Kriegsjahre kaum mehr auf dem Büchermarkt erfcheint. Kr. Jerußßaaf. Eine Zeitfchrift der jüdifchen Jugend. Herausgegeben und geleitet von Dr. Siegfried Bernfeld. Verlag R. Löwit,-Wien. Erfcheint monatlich einmal. Jährlich 11,20 Mk. Die Zeitfchrift ift beftimmt, »der jüdifchen Jugend zu dienen, fo wie lie felbft es beftimmen und verantworten will«. Damit ift gefagt, daß es fich hier nicht um eine der üblichen Jugendzeitfchriften handelt, die es fich angelegen fein laflen, die Jugend von der Warte abgefchloflener und fertiger Menfchen herab zu begönnern und zu belehren. In den Blättern diefer Zeitfchrift foll vielmehr die Jugend felber zum Wort kommen und hier einen gemeinfchaftlichen Boden zur Klärung ihrer Probleme finden. Junge Menfchen aller Richtungen will fie vereinigen, fofern ihnen nur dies eine gemeinfam ift: die Sehnfucht nach einem belferen, neuen, freien jüdilchen Menfchen und der Wille, fich durch die Tat für das Ziel einzufetzen. Wir werden auf das Programm der Zeitfchrift und die Art, wie fie es zu verwirklichen fucht, noch ausführlicher eingehen. ~r.