Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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Einzelheiten 205 und, was (chlimmer ift als Martyrium, das Leben in der Erniedrigung/ die Sitten der Völker, bei denen er wohnte, haben ihn angerührt, und er hat die Sprachen der Völker gefprochen,- und in alledem ift er Orientale geblieben. Er hat die motorifche Schrankenlofigkeit des Grundwefens mit ihren Begleiterfchei* nungen, der Herrfchaft des Zeitlinns und der fchnellen Begriffsfunktion, in lieh bewahrt,- er hat den elementaren Einheitstrieb und die immanente For* derung in lieh bewahrt, zuweilen ver* fchüttet, zuweilen entartet, nie völlig erdrückt. Man wird fie im angepaßteften Juden entdecken, wenn man fein Gemüt zu erichließen vermag,- und welcher aus dem Inhalt feines Denkens den letzten Reft des Judentums ausgerottet hat, der trägt es in der Form feines Denkens unausrottbar fort. Aber weithin er* kennbar leben fie in den an Fertigkeiten der Zivilifation armen, aber an Macht des urfprünglichen Ethos und des un* mittelbaren Geiftes trotz eindringender Verderbnis und Zerfetzung reichen jü* difdien Volksmaflen Ofteuropas. Man fehe etwa den epigonenhaften, dennoch auch jetzt noch wunderfamen Chaffid unferer Tage an,-jnan fehe ihn zu feinem Gotte beten, von der Inbrunft gefcfiüttelt, mit feinem ganzen Leibe das gleiche ausfprechend, das feine Lippen fagen, ein grotesker und erhabener Anblick,- man fehe ihn mit königlichen Gebärden und gefammelter Weihe das heilige Mahl des Sabbatausgangs begehen, und an dem die GeheimnilTe der Welterlöfung hangen,- und man wird fühlen: hier ift, verkümmert, verzerrt, dennoch unver* kennbar, afiatifche Gewalt und afiatifche Innerlichkeit. Martin Bußer, Der Geiß des Orients und das Judentum Nein, ~ objektiv fein können auf diefer ganzen Welt wohl nur die Deutfcßen — und vielleicht die Juden. Sollte das aus einem ähnlichen Schickfal hervor* gehen? Diefe Parallele mit den Juden wird man jetzt gar nicht los. Ich habe fie meiner Mannfifiaft am Sonntag vor* gebrächt, — fie haben nachher ftundenlang darüber diskutiert. Affred Weßer, Gedanßen zur deutfcßen Sendung Der Kafviniftengeift ift dem jüdilchea Geifte verwandt, durch feinen Mangel an Verftändnis für die Trinität und feine Hinneigung zum ftrengften Monotheist mus, fowie durch feine Abneigunggetfen. Bilder, Symbole und einen fymbolilcnea Kult. Nun ift doch wahrfcheinlich nicht die Theorie Kalvins die Wurzel gewefen, aus der die Sinnesart <Nüchternheit ilt ihr Hauptcharakterzug) der Schweizer,. Niederländer und Engländer erwuchs,, fondern die reformierte Auffassung des Chriftentums ift als eine Frucht der Volksart anzufehen. Zu dem Bilde, das Houfton Stewart Chamberlain von den; Juden entwirft, habe ich vor elf Jahren bemerkt: »Es ift wunderbar, daß eirt fcharffinniger und weitfehauender Mann,, der als geborener Engländer Engfand doch fozufagen vor der Nafe liegen hat — oder erklärt grade diefes das Wunder? — die Juden fo ausführlich befchreiben kann, ohne zu bemerken, daß es feine Landsleute find, die er abkonterfeit.« Karf Jentfcß, Judentaufen Die Juden eigneten fich bald die fran» zöfifeße Bildung an, die damals (um 1800) Mode war und zu der fie eine-geheime Verwandtfchaft hinzog. Der Jude befaß und befitzt esprit,. Witz, Gefchmack an den feinen Dingea in feiner Form, den mokanten Ton. und die Luft, die Dinge lächerlich zu nehmen, ferner den gefunden Menfthen« verftand, eine Art praktifchen Realis« mus in der Lebenshaltung, der träume« rifche Naturen zur Verzweiflung bringt, da fie ihn nicht verliehen können und ihn leicht verdammen. Der eindringende Verftand, die Intelligenz, die allen fich der Analyfe entziehenden Nuancen fo« wie den unklaren Stimmungen feindlich ift, verraten fich mindeftens ebenfo in ihrem Leben wie in ihrem geiftigen Schaffen. Die Vernunft, die im allgemeinen die jüdifchen Ehen diktiert, der Familienfinn, der diefe Wahl der Ver* nunft heiligt, die Zärtlichkeit der Eltern für die Kinder, der Refpekt und die Liebe der Kinder den Eltern gegenüber,, find Juden und Franzofen gemeinfam. Die edle Gewohnheit einander zu helfen — während die germanifchen Ralfen dem Individuum die Sorge überlaflen, fich aus.