Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2827066-2827067-2827071--0218-2827317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
204 Einzelheiten EINZELHEITEN Zum nationafjüdifcßen Jugendtag. Vonr 6.-8. Oktober findet in Berlin ein nationaljüdifcher Jugendtag ftatt. Die jüdifihe Jugend ift fo fihwer wie nur die Jugend eines anderen Volkes vom Kriege betroffen worden, der größte Teil der jüdifchen Jugend fteht nodi immer im Felde und gerade die Beften, die Stärkften und Freielten find erhalten. Und doch hat während des Krieges die nationaljüdifdie Jugendbewegung einen ungeahnten Auffchwung genommen. Vor dem Kriege gab es mancherlei nationaljüdifdie Jugendvereine, Studentenvereine, Turnvereine, Wander* bünde ufw. Gerade während des Krieges aber entftand die einheitliche nationaljüdifdie Jugendbewegung mit eigenen Intereflen, eigenen Zielen. Diefe nationaljüdifdie Jugend will fidi jetzt organifieren, fich eigene Organe fchaffen, damit fie die Möglich* keit -hat, die Ergebnifle ihres reichen Lebens und Erlebens der Öffentlichkeit zu vermitteln und Rechenfchaft abzu* legen über ihr Tun und Treiben. Der nationaljüdifdie Jugendtag wird die, erfte Kundgebung der geeinten national* jüdifchen Jugend fein. Bei den Ver* handlungen werden die Fragen, die heute die jüdifche Jugend am meiften belchäftigen, erörtert werden,- insbe* Jbndere die Frage der nationaljüdifchen Erziehung, der hebräifdien Sprache und die Frage, wie es der jüdifchen Jugend Deutfchlands möglich ift, fich an dem Aufbau eines jüdifchen Gemeinwefens in Paläftina zu beteiligen, wie es mög* lieh fein wird, in Deutfchland eine Hechaluz * Bewegung ins Leben zu rufen. Daneben werden Veranftaltungen der Wanderbünde und ein von der Turnerfchaft ' veranftaltetes Sportfeft zeigen, daß in der jüdifchen Jugend der gefunde Sinn für Körperkultur und Naturgenuß lebendig ift. Der Jugendtag wird — fo hoffen wir — zu einem nationalen Fefttag werden, zu dem die national jüdifthe Jugend Deutfchlands in Maflen er* (cheinen wird/ zu einem nationalen Fefttag, auf dem die ftarke zukunfts* fichere Stimmung der Kongrefle herrfchen und der uns über die Trauer und Nöte der Kriegszeit hinausheben wird. Die Juden und - 1 --Alles, was ich vom OrientaCen gefagt habe, gilt mit befönderer Deutlich* keit vom Juden. Er repräsentiert den motorifchen Menfchentypus in feiner rein* ften Ausprägung. »Sein Bewegungs* * fyftem,« fo habe ich es zu formulieren verfocht, »arbeitet intenfiver als fein Sinnenfyftem, er hat im Handeln mehr Subftanz und mehr Perfönlichkeit als im Wahrnehmen, und feinem Leben ift wichtiger, was er zuftande bringt, als was ihm widerfährt.« Das Tun ift ihm wefentlicher als das Erleben, oder rieh* tiger; fein wefentliches Erleben ift in feinem Tun. Wie der Orientale über* haupt, fö wird ganz befonders der Jude mehr der Gebärde der Dinge als ihres UmrilTes inne, mehr des Nacheinander als des Nebeneinander, mehr der Zeit als des Raumes. »Die malenden Epitheta der Bibel fprechen im Gegenfatz zu den homerifchen nicht von Form und Farbe, fondern von Schall und Bewegung, die adäquatefte künftlerifche Ausdrucksform des Juden ift die fpezifilche Zeitkunft, die Mufik, und der Zufammenhang der Generationen ift ihm ein ftärkeres Le* bensprinzip als der Genuß der Gegen* wart.« Er erfährt die Welt weniger in dem gefonderten vielfältigen Einzel* dafein der Dinge als in ihrer Verbin* dung, ihrer Gemeinfamkeit und Gemein* fchaft. »Er fieht den Wald wahrhafter als die Bäume, das Meer wahrhafter1 als die Welle, die Gemeinde wahrhafter als den Menfihen. Daher hat er mehr Stirn* mungen als Bilder, und darum auch treibt es ihn, die Fülle der Dinge, ehe fie noch ganz durchlebt wurde, im Be* griff zu binden«. Beim Griechen ift der Begriff der Ablchluß eines feelifihen Prozefles, beim Juden der Anfang. Aber weit tiefer wurzelt in ihm des Orientalen elementarer Einheitstrieb, der in ihm, wie ich fchon fagte, eine denkwürdige Wendung genommen hat.--— Der Jude ift Orientale geblieben. Er ift aus feinem Lande getrieben und über die Länder des Abendlandes geworfen worden,- er hat unter einem Himmel wohnen müfien, den er nicht kannte, und auf einem Boden, den er nicht be* baute,- er hat das Martyrium erduldet