Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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184 jampef, Eine unbenutzte Waffe gegen den RalTenantifemitismus EINE UNBENUTZTE WAFFE GEGEN DEN RASSENANTISEMITISMUS Eine Selbftanzeige Der felbftbewußte Antisemitismus, der mindeftens bis in die nachbiblilche Zeit hinaufragt, hat in den verfchiedenen Perioden, je nach Zeit und Umftänden, eine andere Geftalt angenommen, feine Entwicklung jedodi bewegte fich ftets in demfelben Gefeife. Erft die letzten Jahrzehnte haben diefer Bewegung eine neue Wendung gegeben. Der feit Jahrtaufenden eintönig und einförmig dahin^ fließende Strom ift jetzt in ein enges Bett geleitet worden, das ihn wohl etwas verengert, ihm aber dafür einen tieferen und reißenderen Lauf gibt. Als das Hauptunterfcheidungsmerkmal zwifchen den judenfeindlichen Strömungen der Vergangenheit, die übrigens heute noch in dem Straßenantifemitismus ihre Fortfetzung haben, und dem neuen Raflenantifemitismus kann wohl folgendes Moment gelten: Der allgemeine Antifemitismus hetzt den Nichtjuden gegen den Juden, der Raflenantifemitismus dagegen hetzt den Juden gegen fich felbft. Denn diefe neue Lehre ftreut diefe judenfeindliche Saat auch in das Herz des Juden, macht ihn fo zum Gegner feiner Rafle und erfüllt ihn mit Erbitterung gegen feine Abdämmung, gegen fich felbft. Während fich der feitherige Antifemitismus von unten nach oben, von den rohen ungebildeten Malfen zu den vornehmeren, belferen Kreifen bewegte, die ihm daher, äußerlich wenigßens, nicht angehören wollten, wenngleich fie ihm innerlich zugetan waren, — nimmt der Raflenantifemitismus feinen Weg von oben nach unten, da er eine Kathederblüte ift und als wiflenfchaftliche Lehre fich kundgibt und dadurch das Intereffe jedes Gebildeten feflelt. Kein Wunder, daß die Ralfenliteratur in jüdifchen Kreifen nicht minder populär ift als in arifchen. Daß diefe Theorie durch ihren gefchickten Aufbau felbft dem Wiflenfchaftler imponiert, ift im Hinblick auf den Stand der femitifchen Altertumsforfchung, wie fie bis vor kurzem noch betrieben werden konnte, nur zu begreiflich. Die älteften Denkmäler der arabifchen Literatur, die bis vor nicht langer Zeit den integrierendften Beftandteil der altfemitifchen Kultur darftellten, reichen nicht über das1 vierte ^Schriftliche Jahrhundert hinaus, und das intereflantefte an ihnen ift zweifellos ihre Ur^ wüchfigkeit und ihr primitiver Charakter. Viel fchlimmer noch ift es mit den Kulturreften der fonftigen bislang bekannten femitifchen Völker, der Syrer, Äthiopier ufw., die noch nicht das Alter eines Jahrtaufends aufweifen und deren kultureller Wert dem Chamberlainfchen Homo syriacus gleichkommt. Was nun die moderne Bibelkritik aus dem einzigen imponierenden altfemitifchen Kulturdenkmal, aus der Bibel nämlich, gemacht hat, wie lie die EnN ftehungszeit ihrer Urkunden bis in die fpäten vorchriftlichen Jahr-