Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Traufiädter) Konfervativer und liberaler Zionismus Notwendigkeit abfinden müden und eine Modifikation feiner Lehrevornehmen. Aber niemals iß die Frage der Mifdiehe für ihn eine Frage »abfoluter, nationaler Sittlichkeit«, ihr Verbot ein »fittlichnationales Ideal«. Hier liegt wirklich eine gewaltige Kluft der Weltanfchauungen. Sie zeigt, daß es eine zionifiifche Weltanfchauung nicht gibt, fondern daß der Zionismus erß in Verbindung mit grundlegenden ethifchen Überzeugungen, auch mit konfervativen natürlich, zu einem Erziehungsfaktor werden kann. Die grundlegenden ethifch^politifdien Überzeugungen, die die Erziehung beftimmen, teilt der Zioniß trotz aller Differenzen praktilcher Art aber oft mehr mit den Nicht- Zionißen als mit den Parteigenoflen. Wer das erkannt hat, wird z. B. nicht mit derfelben kaum verhüllten Freude über das Scheitern .der Verhandlungen zwifchen den jüdifchen Jugendverbänden Deutfchlands hinweggehen wie Erich Cohn <Der Jüdifche Wille I, 2>. Für den liberalen Zionißen ergibt fich fein Bekenntnis zum Zionismus aus der Erkenntnis des Vorhandenfeins einer jüdifchen Gemeinfchaft mit ßark ausgeprägter Eigenart, mit eigenen gefellfchaftlichen und fozialen, religiöfen und künfilerifchen, wirtfchaftlichen und geißigen Nöten, Problemen und Aufgaben. Weil man felbft diefer * Gemeinfchaft angehört, werden alle ihre Angelegenheiten perfönlich bedeutungsvoll. Bisher erfcheint in der zionißifchen Theorie die Trennung von den Nichtjuden als eine Forderung. Solange das der Fall ifiA wird der Liberalismus nur fchwer feine Abneigung gegen den Zionismus überwinden. Der liberale Zionismus müß den umgekehrten Weg einfchlagen. Er muß ausgehen von der Tatfache des Vorhandenfeins einer von der nichtjüdifchen Umgebung trotz aller Berührungen mit ihr ftark getrennten jüdifchen Gemeinfchaft. Er wird die EnU Wicklungstendenzen diefer Gemeinfchaft unterfuchen und finden, daß . die Kräfte, die zu einer Konzentration der Juden führen, fovjftark am Werk find wie noch niemals zuvor. Das bedeutet die Kon^ folidierung der Gemeinfchaft, und damit wieder ift gefagt, daß fie einer aus ihren eigenen wirtfchaftlichen, fozialen und geißigen Kräften fich ergebenden Entwickelung unterworfen iß. Für jeden Juden, den die Erkenntnis bis hierher gebracht hat, ergibt fich nun die perfönliche Notwendigkeit, der gefühlsmäßige Zwang, alle in der neuen Gemeinfchaft fchlummernden Energien . zur Entfaltung zu bringen und die aus der Umfchichtung fich er^ gebenden Probleme ihrer hißorilchen Löfung näher zu bringen. Alle Nöte des Judentums find ja auch eigene Nöte. Und indivL* dualiftifche Gefinnung verbietet es, perfönliche Probleme bei andern und in der eigenen Persönlichkeit zu unterdrücken. So fordert der Zionismus keine Trennung mehr, fondern nur die Befreiung nationaler Energien. Damit iß der Gegenfatz zum Liberalismus aufgehoben.