Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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Trauftädter, Konservativer und liberaler Zionismus 181 vieler anderen, die nidit wünfchen, daß der Zionismus das Ende <der alten univerfalißilchen Ideale der Juden bedeute. Denn uns iß im Kriege de'r kosmopolitifdhe und der indU vidualifiifche Gedanke aufs neue ein überwältigendes Erlebnis geworden! Der konfervative Zioniß empfindet die jüdifche Gemeinlchaft als eine ewige, in ihrem Wefen unwandelbare Bindung. Abgefchlolfen von anderen Nationen, nur ihrer eigenen, uralten Art In fo fchroffen Worten werden die meißen konfervativen Zionißen ihr nationales Ziel nicht ausdrücken. Aber diefe Worte find ficher nicht fchroffer als das, was z. B. Gußav Witkowsky. fühlt. Iß denn Witkowskys Artikel: »Der Prophetismus als kultur^ gefchichtliches Problem« <Der Jüdifche Wille I, 2> nur als ein Beitrag zu einer kulturhißorifchen Streitfrage zu verßehen? Doch wahrhaftig nicht! Der »verweichlichten, dekadenten« univerfalißifchen AuffalTung des ungefunden Golus^Judentums wird hier die ur^ fprünglidhe, kraftvolUgefunde, völkifch-egoißifche Anßhauung des alten jüdifchen Volkes und feiner Politiker, der Propheten, gegen^ übergefiellt. »Das alte Israel kannte noch keine kosmopolitischen Tendenzen, keine Sklavenmoral, wie Ihr dekadenten Liberalen fie ihm nachträglich aufoktroyieren wollt«. Der ganze Sinn des Zionis^ mus liegt in der Befreiung des jüdifchen Volkes von der Gefinnung und dem verweichlichten Streben feiner Goluszeit, alfo vom univerfalißifchen Liberalismus. Das iß die Tendenz von Witkowskys Ausführungen. <Gegen die auch mir fehr wahrfcheinlich dünkenden hißorifchen Fefifiellungen von Troeltfch iß damit nichts gefagt.) Der Konfervativismus lehrt von jeher Trennung der Menfch^ heit nach den natürlichen und hißorifchen gottgewollten Gruppierungen. Der Liberalismus lehrt Vereinigung der Menfcheri, Verbrüderung der wertvollen Persönlichkeiten aus allen nationalen, Staatlichen, fozialen Gruppen. Wo individuelle Gründe den Ein^ zelnen aus feinen Kreis herausheben* gibt es für den Liberalen keine prinzipiellen Gründe, ihm diefe Freiheit zu verfagen, wenn lie für ihn eine perfönliche Notwendigkeit iß. Für den Konfervativen aber bedeutet die Forderung, die Grenzen feiner Ver^ knüpfungen nicht zu überfchreiten, ein ethifches Gebot. So wird z. B. für Pelz das Verbot der Mifdhehe zu einer »Forderung nationaler Ethik«. »Wir verwerfen fie <die Mifchehe) auch, weil unfere AuffalTung von Raffeßolz uns verbietet, uns mit fremdem Blut zu mifchen.« <»K. J. V. und Mifchehe« im Jüdifchen Willen I, 1). Ein folcher Satz wird den erbitterten Widerfpruch jedes liberal Fühlenden erwecken. Es können Fälle nationaler Taktik denkbar fein, die zu einem Verbot der Mifchehe führen können. Dann wird der Liberale unter inneren Kämpfen Pich mit diefer III \