Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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BERUFSWAHL Nach dem Kriege wird eine ßarke Konzentrierung und Organifierung unferer Arbeitskräfte und -möglichkeiten erforderlich fein, wenn wir uns fowphl rein wirtfthaftlich als auch auf jüdifih* ifozialem und politifchem Gebiet werden behaupten wollen. Insbe* fondere wird es viel zu fihaffen geben, wenn wir die mannigfachen Erfahrungen und Anregungen ausnutzen wollen, die uns die ver* floflenen Jahre inbezug auf Intensivierung unferer zionißifthen Innen-, und Außenarbeit gebracht haben. Verßhiedene Stimmen haben diefes Problem, von mannigfachen Gefichtspunkten ausgehend, befprochen, und es feien im folgenden einige diefer Anflehten wiedergegeben, um daran fpäter die fleh daraus ergebenden Schlußfolgerungen zu knüpfen. Der eine forderte eine fyßematifihe ZufammenfalTung der Arbeitskräfte all derer, die zionißifihe Leistungen zu vollbringen gewillt feien und verlangte die Errichtung eines zionißifchen Arbeits* amts. Diefes Arbeitsamt folle in zwei große Abteilungen zerfallen, Erziehung für das Golus und Erziehung für Palästina, und folle unfere Menfchen für zionißilche Höchßleifiungen in beiden Länder* gebieten reif machen. Ein anderer, der der zionißifchen Leitung nahe fieht, gab den Willen diefer Leitung kund, die Erziehung zu Kennt* niffen im Zionismus zu organifieren. Welche Möglichkeiten, fchreibt er, hätten wir in diefem Kriege gehabt, wenn die deujfche Regie* rung der türkifchen Verwaltung soundsoviele Ärzte, Ingenieure, Verwaltungsbeamte und Kaufleute aus unferen Kreifen hätte zur Verfügung stellen können! Wie hätten wir als Verwaltungsbeamte und in anderen Stellungen hundertfach Gelegenheit gehabt, uns der Türkei nützlich zu erweisen und tatfächlich als Juden das Bindeglied Zwilchen Deutlchtum und Osmanentum darzußellen *>. Von einer dritten Seite wurde ein ähnlicher Gedankengang entwickelt: das Schwergewicht des Staates liege längß nicht mehr in der Gefetzgebung, fondern in der Verwaltung, und wir könnten uns in den Staaten eine immer größer werdende Freiheit in der Ver* waltung unferer Angelegenfteiten erringen und durchfetzen, fo daß man uns zubillige, in der Sozialfürsorge, dem Armenwesen, der Wirtfchaftsförderung, der Erziehung in weitreichendem Maße für uns felbfi zu forgen. Die zionißifche Gemeinfchaft müfle Verwaltungs* talente hervorbringen! Wieder ein anderer fordert Betätigung der zionißifchen Aka* demiker in den jüdilchen Volksheimen und entwickelt ein Programm diefer Tätigkeit, die — je nach Neigung und Veranlagung — ganz verßhiedenartige Möglichkeiten der Arbeit am Volke eröffne. — Und ein weiterer verlangt, daß aus unferen Kreifen die Syndici •> Eine Anregung in diesem Sinne bietet der in diefem Heft enthaltene Auffatz über »Wiffenfdiaftlidie Arbeit für den Zionismus«. Die Redaktion