Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 teiligten felbß. Heinrich Graetz, der oftmals eher impulfiv reagiert als objektiv urteilt, fah #mit Erfchrecken den Übertritt mancher Führer des Vereins zum Chrißentum, wurde von Eifer ergriffen^, und ftatt zu forfchen verwünfchte er. Von neuem zeigt fleh hier, daß die Heeresßraße der jüdifchen Gefchichte unferem Hißoriker fleh eher erfchließt als ihre verwickelten Wanderpfade und Sackgaflen. Für Graetz find die Mitglieder des Vereins armfelige und hoch* mütige Geißer, die fleh im »Labyrinth des hegelianifchen Kauder* welfches« verirrt haben und dank ihrer »Verfchwommenheit« und »Verfchrobenheit« für jede fchöpferifcheTätigkeit fruchtlos geworden, find. Guftav Karpeles fchrieb den Mißerfolg des Vereins aus* fchließlich dem Umßand zu, daß feine Mitglieder kein Verßändnis für die jüdifche Religion hatten. Die. Wirklichkeit fcheint aber beiden, den Beteiligten und den Richtern, in ihrer Deutung des Mißerfolges nicht Recht zu geben. Daß die jüdifche Sache noch immer nicht verloren gegangen iß und daß auch die Erneuerung des Volkes kein leeres Gespenft be* deutet, deflen find wir alle Zeuge. Kann man aber andererseits den Mitgliedern des Vereins jede Schaffenskraft abfprechen? Kann man einem Heine fruchtlose Verfchwommenheit und Verfchrobenheit nachfagen? Und fogar Gans felbß? Wirkte er nicht auf dem Gebiete der deutfehen Jurisprudenz bahnbrechend? Und der Mangel an Religion? Hat er einen Leopold Zunz gehindert, Begründer wurde nicht , alles Unvergängliche und Schöpferifche in der modernen jüdifchen Kultur von denjenigen gefchaffen, denen man den Mangel an Verßändnis für die jüdifche Religion nachfagt? Liegt nicht vielmehr die Urfache des Mißerfolges an der Zwiefachheit der Aufgabe felber, die fie zu einer unlösbaren macht? Iß nicht der Weg felbß von vornherein dazu verurteilt, den Schrei* tenden, und mag er noch fo kühn, lebensfreudig und hoffnungsvoll geßimmt fein, dem Abgrund in den Rachen zu führen? Die Unzugänglichkeit der Quellen trug manches dazu bei, die Ergründung diefer geißigen Strömung zu erfchweren. Die nach* fiehenden Reden und Berichte von Dr. Eduard Gans, dem be* Bändigen Präfidenten des Vereins, gehören mit zu den wertvollfien Urkunden, die über die Ziele, die Zufammenfetzung und Arbeiten des Vereins Auffchluß geben. Sie wurden in den Jahren 1821 —1823« gehalten und bald darauf in einer begrenzten Zahl von Bxem* plaren zur Benutzung für die Mitglieder des Vereins felbß veröffentlicht. Der Erße und fcheinbar der Einzige, der fie eingehend verwertet hat, war ein nichtjüdifcher Forfcher, Strodtmann, der in der Mitte der fiebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Gefchichte des Vereins gelegentlich einer Heine-Biographie darlegte.. Er erhielt zu diefem Zweck diefe Reden von einem perfönlichen Freund Heines und veröffentlichte manche Auszüge in feinem Werke.. Er war aber und blieb ein Fernßehender. Und die jüdifchen» und Großmeißer der jüdifchen zu werden? Und