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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 7

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«Geleitwort 5 fiebert uns von beiden Seiten tatkräftiges Wohlwollen. Die englißhe Regierung hat im Einverftändnis mit den übrigen Ententermäditen uns amtlich ihrer Unterßützung verfichert / die Mittelmächte wie die Türkei beteuern in Minifterinterviews ihre Sympathie mit unfern Beftrebungen. Wenn wir uns diefer Tatfadhe freuen, dann ift das kein vorzeitiger Jubel, und nidit die Freude über einen Glückszufall. Denn wir wiflen, daß wir niemanden um unferer Xchönen Augen willen unfern Freund nennen dürfen und daß uns zum Schluß niemand etwas über das hinaus gewähren wird, was haarfcharf feinen eignen Intereflen entfpridit. wir ftehen jetzt wie^. vorher auf dem Boden der eignen Kraft. Und grade weil keine Humanitätsdufelei, fondern eine Vertretung fehr realer InterelTen die Mächte zur Befchäftigung mit unfern Angelegenheiten veranlaßt hat, find uns die Ereignifle diefer Tage eine Beftätigung auf unferm Wege und eine Stärkung unferes Selbftbewußtfeins. Sie können heute nicht mehr an uns vorbei . . . . . Wer find wir Zioniften und was haben wir zu bieten, daß fich nüchterne Gefchäftspofijiker zu Verhandlungen mit uns veranlaßt fühlen? Die Ehrlichkeit gebietet zu fagen, daß wir zwar in zwei Jahrzehnten Paläftina- Arbeit, dort das uns Mögliche geleiftet haben, daß wir aber noch keine Macht im Lande darftellen, die man notwendig berückfichtigen müßte. Sie gebietet ferner die Feßftellung, daß auch die großen Finanzkräfte, denen man kfugerweife entgegenzukommen hätte, eher auf der Gegenfeite als bei uns zu finden find. Kurz : alle Realien, mit denen eine kurzfichtige Politik rechnen könnte, haben wir nicht aufzuweifen. Wir haben hinter uns nichts als dies eine : den Forderungswillen des' jüdifchen Volkes. Und wenn ihm heute Gehör wird, dann ift das nur der Tatfache zu danken, daß wir ihm feit zwei Jahrzehnten Ausdruck verleihen, daß wir zwei Jahrzehnte geiftiger Arbeit hinter uns haben, in denen wir das Untere fchiedliche und Befondere in der feelifdhen wie fozialen Struktur unferes Volkes zunächft für uns und damit auch für die andern herausgearbeitet haben. Nicht das bischen,Organifation, nicht unfere Machtftellung in Paläftina, nicht unfere Finanzkräfte zeitigen das Refultat von heute, fondern letzten Endes das, was wir feit zwanzig Jahren geredet und gefchrieben haben. Wenn wir alfo hier die Beantwortung von Fmgen verfuchen, an denen niemand dringender intereffiert ift als wir felbft,- wenn wir alfo in diefem Sinn nur für uns felber denken und fchreiben — ift es nicht letzten Endes doch von weit über unfern Kreis hinausreichender Wirkung? Mag die glatte Rede, . in der alle Probleme fich reftlos. löfen, mag das fchöne Pathos, das nur das Erreichte betont, mitunter von fchnellerer Wirkung fein von bleibenderer ift es, ungefchminkt die Wahrheit zu fagen, Einblick gewinnen zu laflen in das, was in Wirklichkeit bei uns gefchieht. Hier foll keine Schwierigkeit verfchwiegen, keine Fragwürdigkeit unferer Leiftung umgangen werden. Hier foll keine Scheu beftehen,

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