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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2 Geleitwort tatfächlich bei ihrem achtbaren Draufgängertum, das nach der Tat und nur nach der Tat verlangt und mit dem Wort fich allenfalls abfinden könnte, wenn es mit der Erörterung praktifcher Fragen und munteren Propagandareden zufrieden wäre? Diefe Menfchen fehen nidit, was um fle herum vor fleh geht. Sie willen nicht, von wie überaus praktifcher Bedeutung diefe geißige Arbeit ift, die fle für das belanglofe Sondervergnügen theoretifdb gerichteter Köpfe halten. Es ift allerdings richtig, daß wir im wefentlichen unabhängig von der Beantwortung all der vielen Fragen, die heute zur Debatte ftehen, unfere Entfcheidung getroffen haben. Niemand von uns vermöchte heute erfchöpfend zu fagen, wie es kam, daß grade in ihm, dem das Judentum nicht viel mehr war als ein leerer Begriff, als eine unbequeme Tatfache, auf die er von außen gewiefen wurde, oder beftenfalfs als eine Summe hoher, aber blaß^abftrakter Ideen daß grade in ihm eines Tages #fich das Wort Jude mit einem hochft lebendigen Inhalt erfüllte,- daß in ihm das Bewußtfein er^ wachte, Glied einer unvergänglichen Gemeinfchaft zu fein, und mit diefem Bewußtfein der Wille, fleh reftlos in den Dienft für ihre Zukunft zu ftellen. Nur foviel fteht feft, daß er von den intel^ lektuellen Erwägungen, die heute im Vordergrund ftehen, kaum etwas wußte, daß er nichts weiter verfpürte als das unfagbare Glück, durch feine nationale Zugehörigkeit den Inhalt und den Boden gefunden zu haben, den er als Dilettant der fchönen Künfte, als Menfchheitsbeglücker und Anhänger jeder neuen und guten Idee, wo fle auch immer fleh fand, bisher vergeblich erfehnt hatte. Es war der erfte Sturm und die erfte Seligkeit des Erwachens. Es war erft der Anfang. Und fchon entflammte ein zweites : die Einficht, nein, nicht die Einficht, fondern das brennende Gefühl von der Belanglofigkeit der bloßen Gefinnung. Das zum erften Mal ausgefprochene Bekenntnis, fchon an fich Glück und Erfüllung, tönte aus dem Herzen, aber es ward von Mal " zu Mal matter, mußte es werden, weil man nicht zu jeder Stunde das einmalige er^ weckende Erlebnis nachzuempfinden imftande ift. Schon aus diefer Qual, aus der inneren Unmöglichkeit, bei der bloßen Gefinnung zu verweilen, entftand der Drang zur Tat, der gleich und hier die Verwirklichung des Zieles erftrebte. Der Drang zur Tat . . . Was galt es zu tun? Im Vorder^ gründe ftand natürlich die praktifche Paläftinaarbeit. Aber auch fle ift doch nur Mittel, das herbeizuführen, was uns allen am meiften am Herzen liegt: die Erneuerung des jüdifchen Menfchen und feine innere Umgeftaltung. Die war gleich und hier ins Werk zu fetzen, als Vorbereitungsarbeit und als Selbftzweck. Das Bild diefes neuen Typs trägt jeder von uns irgendwie in fleh, und es ift nicht zum wenigften beftimmt durch den heiligen Zorn auf diefe ganze kraft> lofe, verwäfierte, felbftfüchtige und fleh duckende Judenheit ringsum, mit ihrem Rationalismus und Äfthetizismus, mit ihrer Überliebe

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