Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik Herausgegeben vom „Reichsverband der jüdische» Lehrervereine" Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 15. eines jedenMonats und wird allen Mitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrer- Vereine^ angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post * Bezugspreis für Nicht- Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, IS. Mai 1930 Druck, Benag und Geschäftsstelle: M.Letzmann, Hamburg, AVC-Stratze 57. Tel.: Sammelnnnlmer C 4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Ä M. Steinhardt- Magdeburgs für den Inseratenteil: L.K nudsen, HambutM? Anzeigenpreis 40 vvCi für die ßgespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummeri Die Rückeroberung des Sabbaths von Dr. Adolf Jacobus. Aus der Werkstatt des Berufsberaters von Anselm Vmg, Berlin. Die Wiffenfchaft des Judentums von Rabbiner Dr. Posner, Kiel. Mendelssohn-Literatur von Dr. Bamberger, Nürnberg. Der Wüstenzug der Israeliten von S. Rofenfelder, Ladenburg a. N. Literarisches. Bei der Schriftlertung eingegangene Bücher. Notizen. Zeitschristenschau für April 1930. Die Rückeroberung des Sabbaths. Von Dr. Adolf Jacobus. 2n einem Gespräch äußerte Prof. Einstein einmal: Wahre Beschaulichkeit gibt es nur im Orient. Wer den Orient, sei es aus persönlicher Anschauung, sei es aus Büchern, kennt, wird dem Gelehrten beistimmen. Und dennoch gab es auch im Abendland eine Stätte der Beschaulichkeit, an der der Geist des Orients zu weben schien: das war die Sabbaths stubs des Juden. Der verfolgte, verfemte Jude fand in feiner Sabbathstube Ruhe des Gemüts, Sammlung, Frieden. . Hier gab er sich, hier durfte er sich einer Beschaulichkeit hingeben, die in einem seltsamen Kontrast zu der sonstigen Unrast seiner Tage stand. Das Wunder der Erhaltung des durch die Lande gehetzten alten Volkes hängt mit dem Ausgleich zusammen, den es immer von neuem in der regelmätzig-periodischen Wiederkehr des Tages der Ruhe fand. Der Jude irrt nicht mehr von Land zu Land; er ist in die bürgerliche Gesellschaft des Abendlandes als vollgiltiges Mitglied eingetreten. Er atmet auf nach dem tausendjährigen Unrecht, unter dem er gelitten, nach tausendjähriger Knechtung. Aber in der neuen Freiheit hat er seinen köstlichsten Besitz emgebützt, den Ouell seiner steten geistigen und seelischen Verjüngung, den Sabbath. Er verlor den. Sabbath in der Epoche, in der er der bürgerlichen Gesellschaft seine Sabbathidee schenkte. Schon - auf den Concil von Ricaea hatte das Christentum als Ersatz für den Sabbath und als Gegengewicht gegen ihn den Sonntag eingesetzt. Aber der Sonntag war und blieb bis um die Wende des vorigen Jahrhunderts ein kirchlicher Feiertag. Die moderne staatliche Gesetzgebung erst hat die Idee des Sabbaths — sein soziales Motiv — begriffen und übernommen und durch die Einsetzung der allgemeinen und völligen Sonntagsruhe den Sonntag zum Wochenruhetag gemacht. In dieser Komplikation der Dinge liegt eine Tragik, die zunächst für den Juden, dann aber auch für seine Umgebung verhängnisvoll geworden ist. . In den wenig mehr als 100 Jahren, die seit der Judenemanzipation vergangen sind, haben die Juden einen Anteil am Leben der abendländischen Völker gewonnen^ ^ber .in keinem Verhältnis zu . ihrer Zahl steht. Am dieses EHMi!A^Willem insbesondere auf kommerziellem Gebiete, war und ist es für die bürgerliche Gesellfchast nicht gleich-- gültig, datz der Jude innerhalb der Formen der modemen Wirtschaft gezwungen worden ist, seinen Sabbath zu entheiligen. Der Sonntag bot ihm keinen Ersatz für den Sabbath und wird ihm den durch die Tradition von Jahrtausenden V geheiligten Sabbath nie ersetzen. — :: Ruhelosigkeit ist das Kennzeichen der modernen Welt. Woher kam das Tempo des modernen Lebens, das trotz - staatlicher Sonntagsruhe keinen Stillstand zu kennen scheint? Die Welt hat sich noch keine Rechenschaft darüber gegeben-, daß eine der wichtigsten inneren Ursachen der EntwicklurG des modernen Lebens die durch die neuere staatliche Gesetzgebung erzwungene Preisgabe des Sabbaths ist. Die GHsellschaft gibt sich nicht gern Rechenschaft über innere Ursachen ihres Wegs und Zustandes. Es ist aber notwendig, einmal still zu stehen und darüber nachzudenken, ob nicht mit innerer Notwendigkeit das Aufhören eines Regulativs des Lebens — das war der Sabbath der Juden in allen Jahrhunderten der Diaspora — von katastrophalen Folgen für die Juderh aber auch von nicht geringer Wirkung auf ihre Umgebung sein mutzte, mit deren Schicksal ihr Schicksal eng verflochten ist. Es ist Zeit, der Ruhelosigkeit, die did Welt ergriffen hat, Halt zu gebieten und den Strom des Lebens in einen ruhigeren Lauf zu zwingen. Nichts Unmögliches wird gä* fordert. Wenn irgendwo in der Welt Dämme smgestürzt^ sind ~ überlätzt da der Mensch resignierend den Elementen das Feld, wagt er nicht mutig, von neuem Dämme auf- , zurichten? ' Es gilt, den Sabbath für uns Juden, aber zugleich? zum Nutzen der Allgemeinheit zurückzueroberm Das, Volk? werk, in dessen Schutz das jüdische Haus und die jüdische Gemeinde gesund und stark erhalten blieben, ist gesunken;, es wieder aufzurichten ist die Forderung der Stunde. Die Zeit ist uns günstig. In der Wochenendbeweguns md in der von uns in unserem Sinne zu lenkenden Bewegung^ )er 5-Tage-Arbeitswoche liegen für uns Möglichkeiten, den Zaböath zurückzugewinnen. Es gibt bereits dm Anfan^Ä äner Bewegung zur Rückeroberung des Sabbaths. Detz! Weltverband Schomre Schaböos hat begonnen, die PrpyaH ,anda für den Sabbath in allen von Juden bewoWML ländern.zu organisieren. ■ ' 3ti einem solchen Augenblick darf der. jüdische. ncht int Hintergründe bleiben. Am Sabbath zerschellen Wogen alles inneren jüdischen Zwistes. Än der Liebs^Witz Sabbath sind alle Glieder unserer Gemeinfchaft.,eknigW»iÄ ,en Lehrern, den geistigen Führern des dM Aufklärung über Bedeutung und Wesen ckle Kreise zu tragen. Ihnen wird es gelingeMdlät zu erzeugen, derm, FrE^eme^MeHiEM ein 'wird, die fordert und^Dre^FM^üaEMv-