Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 5 (1.5.1938)
- Date
- 1938-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 Schulwesens'"abgelehnt" wurde, ihre Absichten verwirklicht haben,' und daß sie in ungewöhnlicher Zähigkeit und Hingaberähigkeit zu ihrem Werk standen, ob auch' gleich der Ansturm gegen die Schulen" heftig sein mochte. Heute genießen alleJRichtungen im Judentum die Früchte ihrer vorsorglichen Arbeit. Es gewährt doch einen eigenartigen Reiz zu beobachten^ wie in den „orthodox" geleiteten Höhern Schulen dieses bunte Gemisch von Knaben und Mädchen aus „frommen", weniger „frommen" und ganz „unfrommen" Familien zu einer Einheit zusammenverschinolzen ist, die irgendwie den Charakter der Schule umgestaltet hält, so daß es nicht zu sagen wäre, wie dieser eigentlich beschaffen ist, wenn man sich nicht mit der Feststellung begnügen mag, es sei das gesamte Schulleberi in besonders starkem Maße vom Altjüdischen her (bestimmt. Es wird demnächst in diesen Blättern aus der Feder eines Schuldirektors ein ausführlicher Aufsatz über die jüdischen Höheren Schulen veröffentlicht werden, und so mag es sein Bewenden: dabei haben, daß hier nur summarisch über sie berichtet wird. - Die praktische Schularbeit stand unter dem Zeichen der Zeitenwende. Die Unsicherheit im Hinblick auf den Aufbau von Lehr- und Stundenplänen, die lange Zeit hindurch die Schularbeit erschwerte, ist einer Klärung gewichen. Behördliche Anordnungen und die Neuen Richtlinien der Schulabteilung der Reichsvertretung haben das Ziel des Unterrichts der jüdischen Volksschulen eindeutig festgelegt, so daß die Lehrerschaft daran gehen konnte, entsprechende Lehrpläne auszuarbeiten. Es hat zunächst viel Ratlosigkeit gegeben, wenn sich die Schulen vor die Aufgabe hingestellt sahen, nun auf Grund) neuer Gesichtspunkte die Lehrpläne zu modifizieren. Man denke nur an die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn der Unterricht in allgemeiner und in jüdischer Geschichte miteinander organisch verbünden werden soll. Die Situation hat sich aufgehellt, als die Schulabteilung der Reichsvertretung . 'r.t Lehrplanentwürfe herausbrachte und den einzelnen Kollegien zugänglich machte. Bei aller Problematik, der diesen Entwürfen anhaften mag. soll doch gern anerkannt werden, daß sie den Lehrern die Arbeiten wesentlich erleichtern, wie denn überhaupt ausgesprochen werden muß, daß die Schulabteilung der Reichsvertretung unter der tatkräftigen Leitung Adolf Leschnitzers eine erfreuliche Initiative ergreift im Hinblick auf die Förderung des jüdischen Schulwesens. Sie hat sich bemüht, Lernmittelzu schlaffen, von denen erwähnt seien die Jüdischen Lesehefte, deren bereits mehr als 2 Dutzend vorliegen, und das Lesebuch für jüdische Schulen, das freilich nur im Entwurf vorliegt, und von dem noch nicht gesagt werden kannT wann es erscheinen wird können. Sie müht sich dauernd um das Zustandekommen von Fortbildungstagungen, auf daß die Lehrerschaft in wissenschaftlicher und methodischer Richtung auf dem Laufenden bleibe. Das Gleiche gilt von den Landesverbänden, so daß der Lehrerverbahd, die Reichsvertretung und die Landesverbände eine Trias bilden, von der starke Impulse ausgehen. —' ' " Eine Beruhigung der Gemüter ist auch allgemach eingetreten'hinsichtlich der unterrichtlichen Arbeit selber. Man erinnere sich der fünf Jahre zurückliegenden Zeit. Mari blättere einmal in der Jüdischen Schulzeitung von damals lind sehe sich die Forderungen an, die von Pädagogen und Nichtpädagogen an die Schule gestellt wurden. Es hat da an Ü^befspltzuhgen nicht gefehlt, und die Zielsetzungen sind zuweilen ins Phantastische hineingegangen. Ein ungeheuer umfangreiches Quantum an jüdischem Wissen sollte in der Volksschule erarbeitet "werden,dazu noch das Notwendige an sogenanntem profanen Wissen, wobei nicht selten eine Minderbewer^ft^ Biesef spürbar gewesen Seite 3 ist. Heute scheint die jüdische Lehrerschaft zur gesunden goldnen Mittelstraße zurückgefunden zu haben. Daß sich die Sachen hart im Räume stoßen, hat sich auch in der Schule gezeigt, und so sind wir" denn allmählich dazu gekommen, uns vor Uebertreibungen zu hüten, wenn es gilt, die Möglichkeiten zu prüfen etwa auf dem Gebiet des modernen hebräische:n Unterrichts. Denken wir daran, daß damals ein jüdischer Schulmann mit klangvollem Namen, ein Methodiker von Rang, gefordert hat, in der Volksschule müßte es* erreicht werden, daß die Schüler nicht nur Chumesch und Ssiddur, sondern auch einen großen Teil der klassischen jüdischen Literatur beherrschten (übrigens hat das auch Franz Rosenzweig in seinem Aufruf „Zeit ist's" in Verkennung der Grenzen des Möglichen gefordert) und prüfen wir die sachlich gegebenen Voraussetzungen sowohl vom' Schüler als auch vom Lehrer her, so werden wir ohne weiteres verstehen, daß der Weg der jüdischen Volksschule nicht hat zu diesem Ziele hinführen können, wie zentral immer auch die Stellung des hebräischen Unterrichts in ihrer Arbeit geworden ist. Unter dem Eindruck der völkischen Renaissance in der Judenheit mit dem glückverheißenden Palästinaaufbau im Hintergrund, und in der Erkenntnis der Auflösung der Judenheit in Deutschland sind als neue Fächer Palästinakunde und Auswanderungskunde in die jüdischen Schulen aufgenommen worden. Sie beeinflußten eine Reihe von Disziplinen stark, weil sich 'die Lehrerschaft ihrer Pflicht bewußt ist, die Kinder fürs Leben, in unserm Falle für die Uebersiedlung nach Palästina und für die Auswanderung nach Uebersee vorzubereiten. Bei aller eingehenden Berücksichtigung der Lebenserfordernisse darf es nun aber doch nicht dahin kommen, daß nur der Tachlis- Standpunkt in der jüdischen Schule herrsche, und daß eine Hintansetzung allgemeiner Bildumgsgüter erfolge. Es wäre aufs tiefste zu beklagen, wollte man auf die Bereitstellung eines zweckfreien, aber zur Formung der menschlichen Personhaftigkeit unentbehrlichen Bildungsgutes verzichten. Gerade die jungen Menschen, die sich in absehbarer Zeit losÜösen vom nährenden Mutterboden, der sie heranwachsen sah, gerade sie bedürfen draußen in der weiten Welt eines seelischen Haltes. Er wird ihnen nicht bereitstehen, wenn ihnen hier in der Schule die BildungsgTundlage verkürzt wird. Bedenken wir doch, daß die Schulstulbe heute fast der einzige Ort ist, auf dem die jüdischen Knaben und Mädchen jene Gemütsstimmung erfüllt, aus der heraus sie Bildungsbemühungen zugänglich sein können, so werden wir uns hüten, sie aufzugeben. Wir vermögen pessimistischen Auffassungen nicht zuzustimmen, wie sie jüngst von Günther Friedländer geäußert worden sind, der da — dem Sinne nach — meinte, der junge Jude sei allen geistigen Sachverhalten gegenüber stumpf; er reagiere negativ auf die Beeinflusungsversuche der Schule. So liegen die Dinge denn doch nicht, das wird jeder Lehrer bestätigen, der wachen Auges seinen Schülern gegenübertritt. Die jüdische Schulstube nimmt in unserer Zeit einen ganz andern Rang ein als früher. Weder das Elternhaus noch der Bund besitzen die Kraft, die ihnen einmal zu eigen gewesen ist. Es gibt für jüdische Kinder nur noch eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, das ist die Klassengemeinschaft! In ihr weiß sich jedes einzelne Glied geborgen und ungehemmt von all dem Betrüblichen, das sonst es umgibt. Nur hier noch ist der Ort, an dem ihm die lebensfördernden Elixiere gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Spiels zuströmen. Das sollten wir Lehrer wohl bedenken, wenn einmal die Versuchung an uns herantritt, uns dem rein Zweckhaften des Daseins zu unterwerfen. Die maßgeblichen Instanzen innerhalb der Judenheit in Deutschland haben diesen hier gekennzeichneten Sachverhalt wohl beachtet, als sie sich mit der Frage befaßten, in welcher Weise der?, - Uebergang von der Schule ins Leben Jüdische-.Schulzeitung