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Jüdische Schulzeitung · 1937-09-01 · 9 (1.9.1937) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
9 (1.9.1937)
Date
1937-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 wände sowohl als auch in seiner sprachlichen Fassung überaus farbiges Dokument hebräischen Schrifttums, dessen Studium reichen Lohn trägt. Das Gleiche gilt auch von dem Ghnmasch mit seinen vielerlei Umrankungen und Einschiebseln. ' Jeder, der an Pentateuchkursen teilgenommen hat, weiß, daß gerade diese um den Text herumgelagerten Anmerkungen zumeistunberücksichtigt bleiben. Schon ein fliüchjtiges Durchgehen jedoch zeigt dem Kundigen, daß hier nicht nur wichtige textkritische Erkenntnisse vorliegen, sondern gleicherweise Materialien zur Geschichte des hebräischen Buches überhaupt. Es wäre eine ertragreiche Arbeit, wenn einmal in Fortbildungskursen der Versuch gemacht würde, Bücher wie die hier ' angezeigten vom ersteh bis zum letzten Blatt und unter Beachtung jedes Buchstabens durchzuackern. Kein Zweifel, daß sich ungewohnte Durchblicke ergäben und wichtige Einsichten gewonnen würden. Kein Zweifel auch, daß noch eine Menge von Druckfehlern entdeckt würden, für deren Angabe der Verlag gewiß dankbar wäre. Literarisches Dr. Arje Berger: Gemeinschaft und Gesellschaft in der Geistesgeschichte des Judentums. Beitrag zu einer Kulturpsychologie des Judentums. Verlag Kedem, Berlin. Selten standen in der Geschichte der Pädagogik die Problemstellungen und die Fragen der weltanschaulichen Grundlegung an einem .so entscheidenden Wendepunkt wie jetzt. Dies trifft besonders auf die Behandlung der jüdischen Geschichte zu, denn Blickrichtung und Wertung von historischen Perioden und Persönlichkeiten sind wesentlich davon abhängig, mit welchen weltanschaulichen Voraussetzungen man an ihre Betrachtung und Bearbeitung herangeht. . Dazu kommt, daß ganz besonders in den oberen Klassen und für die reifere Jugend eine systematische Behandlung des Geschichtsstoffes zu fordern ist in dem Sinne, daß nicht nur eine klare Uebersicht die Bewältigung der ungeheueren Stoffmassen ermöglicht (ist doch jüdische Geschichte zugleich eingebettet in die Geschichte aller Gastvölker der Erde), daß vielmehr darüber hinaus Eigengesetzlichkeit und innere Kausalität der jüdischen Geschichte aufgezeigt werden. Nur" dann und nur so ist es möglich, das Interesse der reiferen Jugend so zu erwecken, daß es ausschlaggebend für die spätere geistige Haltung wird. Aber auch der Lehrende, das sind heute sowohl Lehrer wie Jugendführer, bedarf einer solchen systematischen Grundlegung, will er nicht nur geschichtlichen Stoff vermitteln, sondern denselben weltanschaulich fundieren. Er muß ferner bei seinen Studien wissen, von welchen geschichtsphilosophischen Voraussetzungen und historischen Bedingtheiten die Verfasser der bekannten jüdischen Geschichtswerke ausgehen, will er nicht nur aufnehmend, sondern auch kritisch abwägend seinen Studien obliegen. Es ist aber nicht zu leugnen, daß gerade in der Sphäre der historischen Propädeutik viel Unkenntnis und Unwissenheit herrscht. Diese historische Propädeutik für die jüdische Geschichtsschreibung ist noch wenig bearbeitet. Es existieren nur wenige Ansätze in diesem Gebiet, so von Hermann Cohen, Max Wiener, besonders von Ernst Simon, während das interessante Werk von Krochmal (Moreh. nebucheh hasman), da es nur in hebräischer Sprache vorliegt, schwer zugänglich ist. _ . In seinem Nachwort zu dem, vor kurzem vom Schocken Verlag neu herausgegebenen Werk von Graetz — die Konstruktion der jüdischen Geschichte—, das in Nr. 11 des 12. Jahrgangs dieser Zeitschrift besprochen worden ist, hat Ludwig Feuchtwanger in äußerster Konzentration diese Materie bearbeitet. Wer aber nicht über grundlegende Studien auf diesem Gebiet verfügt, wird sich aus diesem Nachwort keine Vorstellung von der Systematik des geschichtsphilosophischen Denkens int Bereich der jüdischen Geschichte machen können. Vor kurzem erschien im Kedem-Verlag eine Studie zu __Nummer -9 Besuch Boppard, die Perle des Rheins; Privatpension H. Kahn, StCinStr. 21 " Telefon 209. 1 Min-.te vom Rhein Fließ. -Wasser, Heizung, reichl. Verpflegung (nicht , rituell). Verlangen Sie Hausprospekt. BiHtgste~Preise.N . 1730 einer Kulturpsychologie des Judentums von Arje Berger „Gemeinschaft und. Gesellschaft in der Geistesgeschichte' des Judentums", die auf 18 Seiten der Einleitung einen recht brauchbaren Ueberblick über die Geschichte . der jüdischen Ge-' Schichtsschreibung und ihrer Charakterisierung gibt, der zur Not ausreicht,"um sich wenigstens zu. orientieren. Der Inhalt dieses Buches ist damit aber keineswegs erschöpft. Der Verfasser will vielmehr in der Ideengeschichte neue Wege gehen, oder besser gesagt, die Gedanken von Tönnies über Gemeinschaft und Gesellschaft, sowie .die Gesellschaftslehre von Vierkant auf die jüdische Geschichte anwenden. - - In recht klaren und übersichtlichen Darlegungen führt der Verfasser in die grundlegenden Begriffe dieser historischen Theoretiker ein, um dann die Epochen der jüdischen Geschichte, wie sie sich geistesgeschichtlich besonders in ihren hervorragendsten Denkern dokumentieren, diesem Schema einzufügen. Es wäre nun vollkommen falsch, anzunehmen, daß mit dieser Theorie von Gemeinschaft und Gesellschaft, die sich nach Tönnies in dieser Reihenfolge abwickeln soll, und auch wertmäßig so einzugruppieren sind, nun der Schlüssel zur Philosophie der jüdischen Geschichte dargeboten wäre. Der Verfasser führt diese Theorie nur etwa bis zur Zeit des Maimonides vor, aber auch innerhalb dieses geschichtlichen Rahmens könnte seine Hypothese mit guten Gegengründen angegriffen werden. Daß aber darüber hinaus* Strömungen wie die Bewegung des Sabbatai Zwi und des Chassidismus durchaus außerhalb der Reihenbildung: Gemeinschaft — Gesellschaft stehen, da sie geradezu Reaktionen gegen den Rationalismus (Gesellschaft) sind, leuchtet ohne weiteres ein, und beweist, daß jüdische Geschichtsentwicklung im Gallith eben nicht nur historischer Eigengesetzlichkeit unterworfen ist, sondern mindestens in ebenso starkem Maße der historischen Gesetzlichkeit der Umwelt, auf die jüdisches Geschehen aktiv oder passiv reagiert. So kann keineswegs gesagt werden, daß die Arbeit von. Berger die so verworrenen Fäden der Kulturpsychologie der jüdischen Geschichte zu einem klaren und übersichtlichen Gewebe entwirren würde. Aber ein Beitrag, wie der Titel es auch ausdrückt, zur Lösung der Problematik der Gesetzlichkeit jüdischer Geschichte wird geleistet, und damit ein An-- sporn gegeben, suchend und forschend dieses schwierige Gebiet weiter zu bearbeiten. . WTer aber auch nicht bereit und willens ist, dieses fast nochunentdeckte und recht unwegsame Land jüdischer Geschichtsphilosophie zu betreten, wird durch die Charakterisierung der Epochen der jüdischen Geschichtsschreibung, die der Verfasser im ersten Kapitel seiner Schrift gibt, in der Lage sein, seinen geistigen Standort zu beziehen, denn auch jüdische Geschichtsschreibung hat ihre Geschichte. A. Gordon, Harburg-Wilhelmsburg. Persönliches Am 1.. August beging Koll. B i e b e r f e 1 d - Ratibor sein 40jähriges Ortsjubiläum.. Dem hochverdienten. Manne sprach Koll. Falkenstein-Landeshut namens des schlesischen Vereins und des Reichsverbandes die herzlichsten Glückwünsche aus. Zur Beachtung! Unsere Mitarbeiter werden gebeten, "Hebräisch stets in Antiqua umzuschreiben, weil die Setzmaschine unserer Verlegerin keine hebräischen Typen hat. Die Redaktion. J fi-dis che S ch ul z e i t u n g Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun, Köln-Sülz, Unkelerstraße 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. 2. Vj. 706 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936. •„ . :

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