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Jüdische Schulzeitung · 1937-08-01 · 8 (1.8.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
8 (1.8.1937)
Date
1937-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine : (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die .Jüdische Schulzeitung" erscheint aha 1. " eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. August 1937 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: - Dr.Siegf r ied Br aun Köln-Sülz, Unkelerstraße 17 Erez Jisrael; S. B. Die Vertöffentlichung. des Peel-Berichtes und der dazugehörigen englischen Regierungserklärung hat die Juden .der ganzen Welt aufs stärkste erregt. Hat doch über Nacht sozusagen die Palästinafrage eine Wendung genommen, die sie aus dem Bereich des Nurpolitischen hinausführt in eine Sphäre ganz anderer Natur, dorthin, wo das Religiöse im jüdischen Menschen angerührt, wird. Auch wer in den hinter uns liegenden Jahren Erez Jisraels Schicksal zum Objekt gedanklicher Umfassung öder tätiger Betreuung hat werden lassen, ohne dabei religiös gerichteten Anschauungen Raum zu geben, der wird in den letzten Wochen vielleicht doch empfunden haben, daß die Entscheidung der Mandatskommission ins volle Herz des Juden vorgedrungen ist. Es gibt gewiß nicht allzuviele Menschen innerhalb, und noch weniger außerhalb Palästinas, die .in der Lage wären, auch nur annähernd zutreffend die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven abzuschätzen, die der Vollzug des Teilungsplanes nach sich zöge. Daher mag die eigentümlich zwiespältige Gefühlsreaktion rühren, mit der viele Juden die britischen Vorschläge entgegengenommen haben.- Es war ein Quantum Enttäuschung da im Hinblick auf die Verengerung, die. das jüdische Gebiet erfahren soll, aber dennoch auch ein nicht geringes - Maß von Hochgefühlen im Anschluß an die ungewohnte Vorstellung, es werde nun bald ein selbständiger: jüdischer Staat entstehen, dessen Existenz das jüdische Volk mit einem Schlag in die Reihen der Vollnationen hineinstelle. Aber ganz unabhängig von diesen psychischen Sachverhalten im Zwielicht der Problematik politischer Dinghaftigkeit fiel es „wie ein Reif in der Frühlingsnacht'' auf die Seele des Juden, als er vernahm, Jerusalem solle nicht einbezogen werden in das Gebiet des zukünftigen jüdischen Staates. Dieser Vorstellung Raum zu geben erscheint schier unmöglich. Es hätte nicht" der zeitlichen Nähe des neunten Aw bedurft, uns die Diskrepanz empfinden zu lassen zwischen dem in jedem jüdischen Menschen wirksamen Bekenntnis „Es klebe meine Zunge mir am Gaumen, wenn dein ich nicht gedenke, halt ich Jeruschalaim mir nicht vor bei meiner höchsten Freude!" und dem Gedanken, Jerusalem werde aus dem neuen Staat ausgegliedert. Sie wird zu jeder Zeit gespürt, und gerade dies legt beredtes Zeugnis ab für die Unversehrtheit des historischen Gedächtnisses, wie immer auch es. zuweilen verschüttet oder gar zerstört zu sein scheint. Keine verstandesmäßige Ueberlegung vermag sein Aufbegehren zu unterdrücken. Jedem ist es bekannt und gegenwärtig, daß Jerusalem seit. 2000 Jahren nicht, mehr dem jüdischen Volk gehört, und daß seine Mauern die geheiligten Erinnerungsstätten "dreier Weltreligionen umschließen. Und dennoch dringt's dem Juden im Vollklang des biblischen „Jeruscholajim" ins Herz, wenn Zions gedacht wird, und alle spüren es aufs lebhafteste, daß ein Judenstaat ohne die Einbeziehung der Ir hakodesch ein Torso bleiben müßte, der nicht die Kraft besäße, das Jüdische Volk zu einer glückhaften Zukunft zu führen. Zugleich;aber begehrt der Wunsch auf, es möge sich des Bruderpsälms Wort erfüllen: „Als Zion wieder aufgebaut der Ewige, da waren wir wie träumend. Da füllte sich mit Lachen unser Mund und unsre Zunge sich mit Jubel." Noch ist der Teilungsplan nicht zur Durchführung reiL- Er wird das englische Parlament passieren und vor den Völkerbund und seine Organe gelangen. Mit ihm beschäftigt sich die jüdische und die arabische Oeffentlichkeit, und von beiden Seiten her hört man nur Stimmen der Ablehnung. Auch die Union wird ihr Wort zu dem Plan zu sprechen haben. In wenigen Tagen versammeln sich in Zürich jüdische Menschen aus aller Welt zum Zionistenkongreß. Kein Zweifel, daß sein Wort und das der Jewish Agency in England nicht ohne Eindruck bleiben wird. So bleibt uns die Hoffnung, es werde sich ein Weg finden lassen, der den Erwartungen, die jm Hinblick auf eine. Lösung des Palästinaproblems vom jüdischen Volk gehegt werden, besser gerecht wird als der im Peel-Bericht empfohlene. Frieden um die Reichsvertretung Wir gaben im Leitartikel der letzten Ausgabe unseres Blattes der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, die Kämpfe um die Reichsvertretung der Juden in Deutschland zu beenden und zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen, der es ermögliche, die schweren Aufgaben zu bewältigen, vor die wir uns hingestellt sehen. Diese Hoffnung wird sich — so möchten wir wünschen — erfüllen. Am 7. Juli hat der Rat der Reichsvertretung unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Dr. Leo Baeck getagt und eine Reihe von Entschließungen einstimmig angenommen, die wir im Wortlaut nur soweit veröffentlichen wollen, als es sich um Fragen handelt, die die Schule, angehen. Es heißt da in der ersten Resolution: „Die Errichtung, Erweiterung und Aufrechterhaltung von Schulen wird von den Landesverbänden bearbeitet. Voraussetzung für die Durchführung dieser Aenderung ist, daß über die die Arbeiten des Landesverbandes auf diesem Gebiet leitenden Personen ein Einvernehmen mit der Reichsvertretung herbeigeführt wird, beim Preußischen Landesverband außerdem ein Einvernehmen mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Zu Schritten bei Behörden und zu finanziellen Zusagen, die eine Belastung der Reichsvertretung im Gefolge haben können, ist die vorherige Zustimmung der Reichsvertretung erforderlich. Verhandlungen mit den Zentralbehörden bleiben der Reichsvertretung vorbehalten." Wir wollen es uns versagen; zu dieser Neuordnung heute Stellung zu nehmen, obgleich der Kompromißcharakter der, Entschließung offenbar ist und w. Interpretationsversucherc herausfordert. Verhehlen aber möchten wir es uns nicht, daß wir nicht ganz ohne Besorgnis der zukünftigen Entwicklung der Dinge'entgegensehen, weil die Gefahr von Kompetenzkonflikten uns nicht ganz beseitigt zu sein scheint, und weil deshalb gar leicht jene Situationen entstehen können, die der Sache der" Schule nicht förderlich sind. Der Reichsvertretung,

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