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Jüdische Schulzeitung · 1937-02-01 · 2 (1.2.1937) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
2 (1.2.1937)
Date
1937-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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\ Seite 12 Jüdische Schulzeitung Nummer 2*-. Persönliches Am 8. Februar wird der weithin als Lehrer, Kantor und Historiker bekannte und geschätzte Kollege Ludwig Horwitz- Kassel sein 75. Lebensjahr vollenden. Man merkt diesem ewig jungen, geistig überaus regen Manne seine Jahre nicht an. Es hat ihm während der vielen Jahrzehnte seiner Amtstätigkeit nicht an Sorgen und Mühen gefehlt. Er ward ihrer Herr durch hingebungsvolle Arbeit in seinem Beruf, in seiner Vereinstätigkeit und durch seine wissenschaftlichen Forschungen. Der Ernst des Daseins ward ihm verklärt durch einen geistvollen Humor, der Horwitz zu eigen geblieben ist bis zu diesem Tage. Im Frühling des vergangenen Jahres unternahm Kol!. Horwitz eine Reise nach Palästina; er gehörte zu den frischesten und aufnahmebereitesten Teilnehmern der Reise. Möge ein gütiges Geschick dem allseits verehrten Kollegen noch manch friedvolles Lebensjahr schenken! Ad mea weessrim schana! Literarisches „Der Morgen." Monatsschrift der deutschen Juden. Philo- Verlag, Berlin W 15. ,.Ein Blick zurück — und dann . . ." könnte als Titel über dem Januarheft des „Morgen" stehen. Max E s c h e 1 b a c h e r zeichnet „Judentum und Umwelt" seit der Neuzeit in charakteristischen Zügen; Kurt Still schweig kennzeichnet die Wandlungen der staatsrechtlichen Gesichtspunkte, unter denen das 19. Jahrhundert und die Gegenwart die Judenfrage sahen und sehen; Bertha Badt-Strauß erzählt „Vom Typen wandet der Jüdin" als einer Entwicklung, die von Rahel Levin bis zu Henrietta Szold eigenen Wachstumsgesetzen unterlag. Aus der Praxis des Judentums auf dem Lande gibt Erich Rosenthal genaue Angaben über Einkommens- und Unterstützungsverhältnisse, doch ebenso deutlich werden die sozialen und seelischen Bedingtheiten und Nöte dieser Menschen dabei, die von einem „ländlichen Notstand" sprechen lassen. Eine Novelle von Mala Laaser, „Meier Prets^hke", stellt greifbar die skurile Gestalt eines reichen Vagabunden hin, eines Mannes nämlich, der sein ganzes Leben lang auf ein Vermögen wartet, dessen Existenz ihm niemand glaubt. Der Abschluß der Erzählung ist unklar und unbefriedigend. Carl Cohen erinnert an das von einem jüdischen Schreiber aufgezeichnete althochdeutsche Schlummerlied und gibt Ergebnisse neuerer Forschung über dessen jüdische Merkwürdigkeiten. Julius B a b würdigt Gestalt und Lebenswerk des Dichters Alfred Mombert. Glossen und Besprechungen schließen sich an. Und dann — will das alles ausgelesen werden . . . * Raibbiner Dr. I g n a z Maybau m: Neue Jugend und alter Glaube". Der Chaluz und der Baal-habajitin der Verantwortung vor der Lehre. Philo-Verlag-Berlin. RM. 2.80. Zum erstenmal wird zu den Ideologien des modernen Judentums von jemandem Stellung genommen, der nicht als Ideologe spricht. Alle, die hellhörig dafür geworden sind, daß die als Judentum sich gebenden Ideologien oft nur in der Zeit selbst liegende Gedankengänge sind, fragen nun aus verwundetem und enttäuschtem Herzen: Was also ist das Judentum? Dort, wo diese Frage in dem ganzen Ernst als Glaubensfrage und als Schicksalsfrage zugleich gestellt wird, gibt Maybaum die Antwort. Diese Antwort erst führt aus der Assimilation heraus, die heute dem jüdischen Ideologen allzu oft ein Schnippchen schlägt. Maybaum zeigt, wie oft der moderne Jude noch immer assimilierter Jude ist, wenn er es längst nicht mehr zu sein glaubt. Ueber die geistigen Probleme, die durch die jüdische Wanderung gestellt werden, über die Probleme der jüdischen Parteigruppen, der jüdischen Jugendbünde wird hier von höchster Warte ans, in Tiefe, die nie in Abstraktheit verfällt, gesprochen. Dr. Eugen Tannenbaum s. A., Dr. E r n s t F r a n - k e 1, Philo-Zitaten-Lexikon. Philo Verlag, Berlin, 1936. 13er den Plan zu diesem Buch faßte und die Arbeit an.ihm begann, durfte d:e letzte Hand nicht an sein Werk legen; der, Tod rief ihn ab. bevor alles in Ordnung war. So hat die Unvollkommenheit, die einem dermaßen neuartigen Versuch not-, wendig anhaltet, wohl ein größeres Ausmaß angenommen. Das gilt insbesondere für den Satz in Hebräisch. Da wimmelt es nur so von Fehlem, und es kann dem Verlage nicht ernst genug empfohlen werden, bei einer Neubearbeitung des Zitatenlexikons aufs sorgfältigste auf richtigen Satz zu achten. Es ist doch peinlich, das wichtigste Wort unserer hebräischen Sprache „Tora" an auffälligster Stelle falsch gedruckt vorzufinden. Zum Sachlichen wäre vieles kritisch darzulegen Manche Redewendung wurde aufgenommen, die nicht odei nur von ferne den Charakter eines Zitates trägt; etwa: „Da^ sind die Tiere, d e ihr essen dürfet . . . doch das dürft ün nicht essen . . ." Die Erläuterungen sind nicht durchweg präzise: das Keter malchut-Stück des Salomo ibn Gebirol ist nich in sämtlichen Gebetbücher aufgenommen, sondern lediglich ii das Machsor für den .Kol nidre Abend, also nicht als Anhanj zur Liturgie des Versöhnungstages, sondern zu der des Vor abends. „Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden!" Warun als Quelle Mendelsohns „Jerusalem"? — „Nicht dies ist de Weg", so heißt zwar der berühmte Aufsatz Achad Haams aber das Wort ist aus der Bibel entnommen und findet siel 2. Könige, Kap. 6, V. 19. — In das Lexikon gehört aucl der Titel der Achad Haamschen „Gesammelten Aufsätze": „A paraschat derachim" — „Am Scheidewege". Die „Neun Tage' sind keine Fasttage. „Vom goldenen Ueberfluß" ist zwar Tite eines Löwenbergschen Buches, aber es müßte Gottfried Kellers Gedicht angeführt werden. Die Aussprüche bekannte! Persönlichkeiten sind nicht durchweg so bedeutend und in ihrer Fassung so einprägsam, als daß sie hätten aufgenommen werden sollen. Alles in allem: das Zitaten-Lexikon, dessen Aufbau reizvoll :st. und das lehrreiches Material enthält, kann in dieser Durcharbeitung nicht akzeptiert werden. Möchte bald, eine gründliche Umarbeitung erfolgen. Siegfried Braun.. * Heinz W a r s c h a u e r: Jüdische Jugend baut auf. Philo-Verlag, Berlin. Preis 1.50 RM. Eins der vielen Bücher, die das Leben im Kibbuz zu schildern versuchen. Der Verfasser hält sich fern von einer Darstellung, die die Dinge mit einem unangebrachten romantischen Schimmer umkleidet: er hält Auge und Ohr geöffnet und nimmt manche Impression mit. die andern verborgen bleibt. Der Leser wird so Zeuge all des Befeuernden, aber auch all des Niederdrückenden, das dem Leben im Kibbuz anhaftet. S. Braun, Köln. * M. J. B e r d yczewski (bin Gorion): Aus einer Judenstadt. Schocken Verlag, Berlin. Preis 1.25 RM. Rahel bin Gorion hat fünf Erzählungen ihres Mannes ins Deutsche übertragen und hier zu einem der Schockenbändchen zusammengefügt. Sie geben uns ein Bild aus dem Leben einer ukrainischen Kleinstadt im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Die Erzählungen sind nicht gleichwertig, und gern hätten wir ein Stück wie etwa die rote Kuh gemißt. Wir möchten wünschen, daß es in einer Neuauflage fehle, und daß darüber hinaus das Büchlein auf sprachliche Unebenheiten durchgesehen werde. » billigst abzugeben. OebenSie mir heute noch Ihre Wünsche bekannt. B. Grünebaum, Kassel Schomburg-Straße 8. 106 Verantwortlich für den redakt. Teil: Dr. Siegfried Braun, Hauptschriftleiter, Köln-Sülz, Unkelerstraße 17. Für die Anzeigen verantwortlich: Fritz Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. — D.-A. 4.Vj. 725 Exemplare. — Druck und Verlag: Gebr. Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 3 vom 1. Januar 1936.

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