Mannheim
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Jüdische Schulzeitung · 1937-02-01 · 2 (1.2.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
2 (1.2.1937)
Date
1937-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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13: lahrgdng . Yerlagsort: Mannheim 2 Nummer 2 che Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" er- . scheint am i. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. Februar 1937 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Hauptschriftleiter: Dr. Stegfried Braun K ö 1 n - S ü 1 z , Unkelerstraße 17 Zum Preisausschreiben der Julius Höxter-Stiftung Die Julius Höxter-Stiftung zu Frankfurt a. M. hatte für 'den verflossenen Termin das Thema als Preisaufgabe gestellt: „Welche Verbindungen lassen sich zwischen jüdischer und allgemeiner Geschichte herstellen?" Doch war es gestattet, auch andre Themen zu bearbeiten. Es wurden insgesamt sechs Arbeiten eingereicht; nur zwei befaßten sich mit der Frage, die von der Julius Höxter-Stiftung gestellt worden war. Der Wissenschaftliche Ausschuß kam zu dem Ergebnis, daß weder die Bearbeitungen der Preisaufgabe noch die übrigen Einsendungen den Voraussetzungen entsprächen, unter denen der Preis zuerkannt werden könne. Dagegen hielt er die Arbeit über „Sinn und Bedeutung der Akeda und ihre unterrichtliche Behandlung" aus der Feder des Herrn Dr. Adolf Löwenberg-Berlin für wertvoll und beschloß einstimmig, sie der Julius Höxter-Stiftung zur Veröffentlichung in der Jüdischen Schulzeitung zu empfehlen. Die Schriftleitung folgt heute dieser Empfehlung. Der Wissenschaftliche Ausschuß legt Wert auf die Feststellung, daß seine Empfehlung nicht die Zustimmung zu den Darlegungen Dr. Löwenbergs in sich einschließt, daß vielmehr der Herr Verfasser für die Art der Interpretation des biblischen Berichtes allein die Verantwortung trägt. Dieser Feststellung schließt, sich auch die Schriftleitung an. Das Thema zum Preisausschreiben für den kommenden Termin wird an anderer Stelle dieser Ausgabe bekanntgegeben werden. ~ Dr. Siegfried Braun Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der Julius Höxter-Stiftung; Hauptschriftleiter der Jüdischen Schulzeitung. Sinn und Bedeutung der Akeda und ihre unterrichtliche Behandlung Von Dr. Adolf Löwenberg Motto: Blickt auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, und auf den Born, dem ihr entsprungen seid! Blickt auf Abraham, euren Vater, und auf Sara, die euch geboren hat! Jesaja 51, 1. 2. Wer für die Schönheit der Bibel ein offenes Auge hat, der muß an dem Kapitel 22 der Genesis, das von der Opferung — xoder richtiger: „Bindung" (= Akeda) — Isaaks handelt, eine" besondere Freude haben. „Jedes Wort ist ein leuchtendes Geschmeide und das Ganze beglückend wie Morgenlicht... Taufrische liegt darüber, und Gottes Odem weht: . . .Ist's der Stil" allein, der dieses Wunder ..wirkt,; ist's'der'.Adel der Empfindung, die tiefenthiillte Menschlichkeit, oder ein unnennbarer Zauber der Poesie?'' so sagt und fragt ein tiefer Denker und feinsinniger Aesthet1). Mit den einfachsten Mitteln weiß der Erzähler der Akeda unser Interesse und Mitgefühl zu wecken und wachzuhalten. Wie kennzeichnend die Steigerung „deinen Sohn — deinen Einzigen — den du liebst — den Isaak" für die Größe des begehrten Opfers; wie ergreifend die Beladung Isaaks mit dem für ihn selbst bestimmten Opferholz; wie bedeutungsschwer das zweimalige: „also gingen beide miteinander"; wie nur leise angedeutet der Kampf der Vaterliebe mit der Pflicht des Gehorsams; welch Meisterstück psychologischer Schilderung der kurze Dialog: die kindlich-neugierige Frage des ahnungslosen Knaben und die vielsinnige Antwort des zärtlichen, noch hoffenden, gottergebenen Vaters2); wie wird die Spannung des Hörers oder Lesers aufs höchste gesteigert durch die Schilderung all der peinlichen Vorbereitungen für den Opferakt; wie zart ist das Grausige behandelt: wie frei von Sentimentalität und moralisierender Tendenz der Schluß des in seiner knappen, fast epigrammatischen Fassung doch so inhaltreichen Kapitels! Keine Schilderung der inneren Zustände, und dennoch blicken wir den beiden durch Blut, Schicksal und Gesinnung verbundenen Personen auf den Grund der Seele. Aber mehr noch als die Kunst der Darstellung ergreift uns die großartige Menschlichkeit des Patriarchen, den die Bekenner dreier Religionen als den „Vater der Gläubigen" verehren. Kinderopfer waren in alter Zeit nichts Seltenes. Es gab sie bei Aegyptern, Babyloniern und Assyrern. bei Phöniziern, Karthagern, Aramäern, Moabitern, wie bei Indern, Persern, Griechen und Römern3). Die Ausgrabungen in Palästina haben gezeigt, daß diese grausame Kultsitte auch in Abrahams Wahlheimat verbreitet war*). Was aber die Akeda turmhoch über alle heidnischen Menschenopfer erhebt, ist, daß es sich hier nicht darum handelt, den Zorn eines launischen göttlichen Gewalthabers zu besänftigen oder eine der vielen sittenlosen Naturgottheiten menschlichen Zwecken geneigt zu machen; — keine lockende Aussicht auf Lohn und keine Strafandrohung im Falle der Unterlassung: es ist die Opferbereitschaft ohne jede irdische Beimischung, aus reiner Gottesliebe, wie sie nur einem sittlichen Gott gegenüber möglich ist5). Viele Jahre hatte Abraham auf einen Leibes- und Geisteserben warten müssen, und nachdem ihm dieser geschenkt war, fördert Gott den Sohn, den Abraham mehr als sich selbst liebt, auf den er segnend seine Hände legen wollte, wenn er alt und lebenssatt von hinnen scheiden würde, und — was Abrahams Gottvertrauen am schmerzlichsten treffen mußte —den Erben der Verheißung, daß durch Abrahams Samen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten, wieder zurück. „Der Tod kann ein Opfer sein", sagt Segel, „aber das. Leben ist das . größte". Nicht an Isaak ergeht der Ruf: Stirb für mich!, sondern zum Vater spricht Gott: Nimm doch deinen Sohn, deinen Einzigen, den du liebst, den Isaak, und bringe ihn zum Opfer dar! Das Beste, Einzige, Liebste, das du hast, gib es hin — und bleib am Leben!"6). — Und die Antwort des für andere so beredten Erzvaters ist -— -schweigender, Gehorsam. Mit eigener

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